Montag, 26. Dezember 2011

Schenken, wozu?

Hand aufs Herz, weshalb beschenken Sie andere? Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir und Sie haben sich gar keine grossen Gedanken darüber gemacht. Nun, andere Menschen haben das Schenken analysiert und interpretiert. In einem Lexikon finde ich nicht weniger als elf Motive, die uns beim Schenken leiten können. Das geht vom Ausdruck der
Dankbarkeit bis hin zum Werbegeschenk, das seinen bestimmten Zweck beim Kunden
erfüllen soll. Schenken wird denn auch als eine soziale Sanktion verstanden, die auf eine soziale Antwort wartet.Wen wundert es da noch, dass selbst unser Obligationenrecht vor 100 Jahren die Schenkung geregelt hat, und seither kommt es bei gewissen
Geschenken also gar zu einem «schuldrechtlichen Vertrag».
Ist das, was wir in den kommenden Tagen also immer wieder tun werden wirklich eine so
komplizierte Sache? Ich mache die Probe aufs Exempel und frage unsere Kinder, weshalb sie denn an Weihnachten andere beschenken würden. Die Antwort kommt postwendend:
«Weil Gott uns an Weihnachten seinen Sohn geschenkt hat, daran sollen unsere Geschenke erinnern. » Sie denken sich vielleicht: Tja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm; Kinder eines Theologen werden dies wohl auch zur Genüge gehört haben. Nun, in der Tat haben wir unsern Kindern nicht nur erzählt von der grossen Gnade Gottes, sondern ihnen auch die entsprechenden Lieder gelernt. So heisst es in einem Weihnachtslied für Kinder: «Ds’gröschte Gschänk vo drWiehnacht ligt nid underem Chrischtboum da. Es isch nid iipackt i Papier, ke Bändel u kes Chärtli dra. Es het’s niemer gchauft u niemer gmacht. S’isch gliich ds’Gröschte vo drWiehnacht… Ja, ds’gröschte Gschänk het Gott üs gmacht a dr erschte Wiehnacht.» Nicht dass ich überzeugt wäre, unsere Kinder – undmich selber – würden keine anderen Motive leiten, wenn wir bald unsere Liebsten beschenken. Aber Weihnachten ist und bleibt für mich die grosse Erinnerung an das grösste Zeichen der Liebe Gottes. «Wie sollte er uns in ihm nicht alles schenken?», schreibt Paulus imRömerbrief 8, 32.Wieso nicht in den Weihnachtstagen diesem Geheimnis nachgehen und di eMotive Gottes zu diesem Geschenk ergründen?

Freitag, 18. November 2011

Wenn Gott so ist…


Das Angebot ist verlockend: Mitarbeiter einer grossen Firma werden, die nicht nur ein sehr gutes Produkt herstellt, sondern auch dafür bekannt ist, beste Arbeitsbedingungen zu bieten. Zudem passt das Anforderungsprofil ziemlich gut. Er bewirbt sich mutig für den Posten. Und siehe da, die Einladung zum Vorstellungsgespräch folgt sogleich! Und zwar mit dem Direktor höchst persönlich!
Der Tag X ist da, es heisst sich aufmachen zum wichtigen Interviewtermin. Wie er zum Haupteingang des Firmengebäudes kommt, stutzt er. Die Umgebung macht nicht gerade einen gepflegten Eindruck. Beim Eintreten die zweite Überraschung: Die Dame an der Loge schaut ihn grimmig an und will herablassend wissen, was ihn zur Firma führe. Einen Termin beim Direktor, meint er etwas verunsichert. Er solle im Foyer warten. Nach zehn Minuten wird er nervös und erkundigt sich, ob er noch nicht verlangt worden sei.
Er solle nicht so ungeduldig sein, die Direktionsassistentin werde ihn abholen. Nach weiteren zehn Minuten erscheint diese, jedoch kaum freundlicher als die Logendame. Der Direktor sei jeweils sehr beschäftigt, er solle darauf achten sein Anliegen kurz und knapp vorzubringen. Noch verunsicherter fragt er, ob der Direktor ihn denn nicht erwarte. Das wisse sie nicht, aber was sie wisse sei, dass er mehr als genug zu tun habe. Vollends verstört hält er an, wendet sich um und verlässt die Firma so schnell wie er kann. Und ohne dem Direktor begegnet zu sein, verabschiedet er sich enttäuscht und verunsichert.
So oder ähnlich ergeht es manchmal Menschen mit Gott. Seine „Angestellten“ oder jene, die sich dafür halten, führen sich so unvorteilhaft auf, dass interessierte „Bewerber“ vorzeitig auf der Strecke bleiben. Manchmal reicht sogar bloss die Erinnerung an abschreckende Gestalten wie Kreuzritter, christliche Fanatiker oder andere unangenehme Gestalten, um sich vorschnell aus dem Wartsaal Gottes zu verabschieden.
Aber wie ist das eigentlich? Weiss der Bewerber, wie ihn der Direktor empfangen hätte und welches Angebot er erhalten hätte? Nein, vor lauter Übertragungen von den Angestellten auf ihren Chef, liess er sich eine Möglichkeit entgehen, die er noch nicht einmal kennen lernen konnte.
Was hat Sie bisher abgehalten, sich näher auf Gott einzulassen? Wenn es Menschen waren, die sich für Gottes Repräsentanten hielten und sich zugleich unmöglich verhalten haben, dann lassen Sie sich deswegen nicht eine direkte Begegnung mit Gott entgehen. Vielleicht ist ER ganz anders!

Sonntag, 16. Oktober 2011

Noch ein Dessert?

Während ich mir überlege, ob ich mir nach einem üppigen Nachtessen im Restaurant noch ein Dessert mit Espresso gönnen soll, kämpfen sich am Horn von Afrika Mütter mit ihren Kleinkindern über mehrere Wochen durch karges Gelände, bis sie nach entbehrlicher Reise und dem Verlust von vielleicht zwei Kindern mit den verbleibenden drei abgemagerten Kleinen im Flüchtlingslager eintreffen. So krass sind die Gegensätze auf unserem Planeten. So gross sind die sozialen Ungerechtigkeiten in unserer modernen globalisierten Welt.
Am Welternährungstag, dem 16. Oktober, ist es gut sich Gedanken darüber zu machen, was die hungernden Menschen in Somalia, Kenia und Äthiopien mich angehen. Warum soll ich mich mit diesem Leid auseinandersetzen? Kann ich überhaupt etwas ändern?
Es gibt Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe. Es ist zum Beispiel eine unveränderliche Tatsache, dass einige Menschen in Ländern mit mildem Klima, fruchtbarem Boden, perfekter Infrastruktur, grossem Wohlstand und unvergleichlicher Sicherheit geboren werden. So ein Mensch bin ich. So ein Ort ist die Schweiz. Es ist eine ebenso unveränderliche Tatsache, dass andere Menschen in Ländern mit Wüstenklima, kargen Böden, schlechten Strassen, extremer Armut und brutalster Kriminalität geboren werden. Solche Menschen gibt es mehrere hundert Millionen. So ein Ort ist beispielsweise Somalia.
Was aber kann ich ändern? In der Bibel wird dem Menschen der Auftrag gegeben, die Erde an Gottes Stelle zu verwalten. Zu dieser Aufgabe der Haushalterschaft gehört auch, die Güter dieses Planeten gerecht zu verwalten und dafür zu sorgen, dass die Bedürftigsten nicht vergessen gehen. Die meisten Leserinnen und Leser sind in der Lage, nicht nur ihren eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren, sondern je nach Lebensstil und Höhe des Einkommens bleiben sogar finanzielle Ressourcen übrig. Überprüfen Sie doch am Welternährungstag Ihre Verantwortung. Was liegt in Ihren Möglichkeiten? Können Sie einen kleinen Beitrag für eine gerechtere Welt leisten? Sie finden bestimmt Formen und Organisationen, welche den Menschen direkt und langfristig vor Ort helfen.
Link: http://www.allianz-hunger.ch/

Dienstag, 4. Oktober 2011

Wie wählen?


Am 23. Oktober sind Nationalratswahlen:
Nehmen Sie eine leere Liste! Schreiben Sie oben bei "Liste Nr." 11 und EVP! Dann Marc Jost 2mal auf Ihren Wahlzettel (Kand.-Nr. 11.03.7)! Herzlichen Dank!

Samstag, 1. Oktober 2011

Hilfe, Mission!


Die vergangene Woche hatte es in sich. Am Montag war die erste Frage, die mir auf einem öffentlichen Podium gestellt wurde: «Machen Sie eigentlich Entwicklungszusammenarbeit, um zu missionieren?» Einen Tag später begegnete ich für ein Vorbereitungstreffen Sheryl Haw, der Direktorin von «Micah Network». Sie erklärte dem Team, was sie unter integraler Mission versteht: «Integrale Mission ist von bedingungsloser Liebe und Dienen gekennzeichnet, und sie ist nicht Mittel zum Zweck.» Und dann erreichte mich Mitte Woche eine Vorstossantwort der Berner Regie­rung, worin sie schreibt: «Bei Fürsor­ge, Jugend- und Sozialarbeit liegt das Motiv für das Handeln von Freikirchen in der Verbreitung der eigenen Glaubensrichtung und der Gewinnung neuer Mitglieder. Es fehlt damit auch für diese Tätigkeiten an der Gemeinnützigkeit im Sinne der Steuergesetzgebung.»
Was um alles in der Welt lässt praktizierte Nächstenliebe in unserer Gesellschaft als gefährlich erscheinen? Oder wie anders als mit Furcht vor christlicher Mission lässt sich diese Grundstimmung im 21. Jahrhundert beschreiben? Ob ich über Entwicklungshilfe, Jugendarbeit oder gar Politik diskutiere: Regelmässig wird mir unterstellt, ich wolle mein Gegenüber unter falschen Vorwänden über den Tisch ziehen.
Ist es die orientierungslose Situation, in der sich die Mehrzahl der Menschen heute befindet? Oder sind es die misslungenen Beispiele von christlicher Lebensführung, welche Menschenseelen noch heute wie neu zu erobernde Kontinente aufs Korn nehmen? Wahrscheinlich spielt beides zusammen gegen uns. Und ich werde Tag für Tag erklären müssen, dass meine Mission schlicht darin besteht, die empfangene Liebe Gottes mit anderen Menschen zu teilen.

Dienstag, 20. September 2011

Wer weiss, was Gott mit jenen vorhat, die durch dein Eingreifen am Leben bleiben!


Impuls (Tearfund)

Weshalb uns die Kindersterblichkeit etwas angeht


Ein versklavtes Volk wurde in einem fremden Land immer stärker. Der Herrscher fühlte sich bedrängt und zu brutalen Massnahmen gedrängt. Er forderte den Tod aller neugeborenen Knaben des Sklavenvolkes. Doch seine Tochter fasste sich ein Herz als sie beim Baden am Nil eines dieser todgeweihten Babys fand. Sie nahm es auf und rettete es: „Als die Tochter des Pharaos den Korb öffnete, sah sie den weinenden Jungen darin. Sie bekam Mitleid und sagte: ‚Das muss eines der hebräischen Kinder sein‘“ (2. Mose 1,6). Anschliessend machte der fremde Junge Karriere am ägyptischen Hof und nach grossem Auf und Ab führte er schliesslich sein Volk aus der Sklaverei. Mose wurde zum Befreier seines Volkes, weil sich eine der Mächtigen erbarmt hatte und ihm das Leben schenkte.

Was hat diese bekannte Geschichte der Bibel mit dem aktuellen Milleniumsziel zu tun? Wenn wir heute die Kindersterblichkeit in bestimmten Ländern Afrikas oder Asiens anschauen, erschrecken wir und können Parallelen zum Volk Israel in Ägypten erkennen: Etlichen Kindern wird das Lebensrecht verwehrt. Die Kindersterblichkeit gibt an, wie viele von 1000 Kindern vor dem fünften Lebensjahr sterben. In Westeuropa sind es vier. In Angola 175 und in Afghanistan 150 (CIA World Factbook). Viele Kinder in diesen Ländern sind dem Tod geweiht, obwohl kein Tyrann um seine Macht fürchtet.

Der Norden als Pharao?

Zuerst einmal dürfen wir zufrieden feststellen, dass in einigen Ländern seit 50 Jahren die Kindersterblichkeit stark zurückgeht. Peru ist beispielsweise ein Land, wo seit Beginn der Entwicklungszusammenarbeit die Zahlen massiv gesunken sind. Mussten 1960 von zehn Kindern zwei das Leben lassen, bevor sie fünf waren, sind es heute nur noch zwei von hundert Kindern. Aber immer noch stirbt alle drei Sekunden ein Kind an vermeidbaren Krankheiten auf unserem Planeten. Da ist also kein Todesurteil eines Pharao, jedoch jenes einer ungerechten Welt, welche Millionen von Kindern sauberes Wasser, Nahrung oder Medikamente vorenthält.
Ist es übertrieben, wenn ich die wohlhabenden Länder mit dem Pharao Ägyptens vergleiche? Wer wegschaut und sich nicht von diesen sterbenden Kindern zum Handeln bewegen lässt wie die Tochter des Pharao, macht sich in der Tat schuldig. Wir können etwas unternehmen, das zeigen die vergangenen 50 Jahre. Und wir stehen in der Verantwortung, daran erinnern uns die unzähligen Länder des Südens, wo nach wie vor jedes zehnte Kind stirbt.

Jedes Kind ist einzigartig und wertvoll. Mit jedem Menschen hat Gott einen Plan. Wäre die Tochter des Pharao nicht eingeschritten, hätte Mose sein Volk nicht in die Freiheit geführt. Lässt du dich bewegen vom Schicksal unnötig sterbender Kinder? Wer weiss, was Gott mit jenen vorhat, die durch dein Eingreifen am Leben bleiben!
tearinfo okt 2011

Donnerstag, 8. September 2011

Der barmherzige Kosovare

In einer Kleinstadt am Rande der Alpen war ein Mann spätabends zu Fuss unterwegs nach Hause. In einer engen Gasse wird er plötzlich von drei betrunkenen Halbwüchsigen umstellt. Sie belästigen ihn und schlagen sofort auf ihn ein. Wie er am Boden liegt, treten sie ihm in den Unterleib und gegen den Kopf. Er ist bereits bewusstlos, als sie ihm Handy und Portemonnaie nehmen und davon rennen.
Einige Häuser weiter unten verlässt ein Mitglied des Kirchgemeinderats die Sitzung. Der engagierte Mann ist froh, dass er nach den zusätzlichen Stunden ehrenamtlicher Arbeit heimgehen kann. Nach wenigen Schritten sieht er den leblosen Körper am Boden. Zig Gedanken schiessen ihm durch den Kopf. Schnellen Schrittes eilt er zu seinem Auto und fährt in die Nacht davon.
Fast zur gleichen Zeit verlässt eine Parlamentarierin das Rathaus und fährt mit dem Velo nach einer intensiven Sitzung durch die Gasse nach Hause. Als sie den Körper am Boden sieht, denkt sie: „Ein Betrunkener? Oder doch Opfer einer Schlägerei?“ Die Politikerin tritt in die Pedale und macht sich aus dem Staub.
Schliesslich geht ein dritter Mann durch die Gasse. Er stammt aus dem Kosovo und hat seine Arbeit im Restaurant beendet. Er sieht den Mann am Boden, geht zu ihm hin und spricht ihn an. „Er muss schwer verletzt sein“, denkt er. Er lagert ihn richtig und ruft eine Ambulanz. Am nächsten Tag besucht er das Opfer im Spital und erkundigt sich, wie es ihm geht.
So könnte das Gleichnis heute lauten, das Jesus vor 2000 Jahren erzählte, als ihn ein frommer Mann fragte, wer denn sein Mitmensch und damit der Nächstenliebe würdig sei. Nach dem Erzählen dieser Geschichte fragte er zurück: „Wer hat nun am Opfer als Mitmensch gehandelt?“ Jesus zeigte auf: Gottes Liebe kennt keine Grenzen zwischen Einheimischen und Fremden. Und unsere sollte es auch nicht. Nachzulesen ist die Parabel im Lukasevangelium, Kapitel 10.

Freitag, 15. Juli 2011

Denken verboten?

«Der Skandal des evangelikalen Denkens ist, dass es nicht viel evangelikales Denken gibt.» Das Zitat stammt weder von Hugo Stamm noch von Georg Otto Schmid, den beiden bekannten Sektenspezialisten. Nein, es ist aus der Einleitung des Buches «The Scandal of the Evangelical Mind» von Mark Noll, einem der einflussreichsten Evangelikalen Nordamerikas. Der Kirchengeschichtsprofessor hat es vor 15 Jahren geschrieben.
Mark Noll schreibt, über viele Jahrhunderte hätten Christen zu den führenden Intellektuellen ihrer Zeit gehört. Ob während der Reformation oder später zur Erweckungszeit mit John Wesley - immer sei geistige Aktivität auch eine Form gewesen, Gott zu ehren. Seit Längerem gelte dies jedoch (zumindest) für Nordamerika nicht mehr in derselben Weise. Skepsis gegenüber dem Intellekt sei weniger in der Theologie als viel mehr in allen übrigen Disziplinen zu sehen. Noll charakterisierte die evangelikale Gesinnung als aktivistisch, populistisch und pragmatisch.
Nun stellt sich die Frage, ob diese wenig schmeichelhaften Worte auch für die Evangelikalen in Europa gelten. Ich wage es nicht, die Frage umfassend zu beantworten. Aber Tendenzen der Beobachtungen Nolls nehme ich auch bei uns wahr. Ich denke an Debatten zu Kreationismus, Bankengeheimnis, Atheismus oder Minarettverbot. Ich habe zu viele schnelle Urteile, Populismus und Verkürzung gesehen. Hören wir doch auf, einander den Glauben abzusprechen, sobald jemand die Evolutionstheorie oder die Atomkraft verteidigt! Lassen wir uns in einer komplexen Welt auf sachliche, ehrliche und demütige Debatten ein. Der Intellekt ist eine Gabe Gottes, die Angst davor jedoch ein Zeichen der Abwesenheit seines Geistes.
idea Spektrum Juli 2011

Freitag, 24. Juni 2011

Jesus und das AKW

Nein, es geht mir nicht um das, was Sie jetzt denken! Aber die Frage wäre in der Tat auch spannend: Würde Jesus ein AKW bauen? Nun, Sie können getrost weiterlesen. Ich erzähle stattdessen ein Gleichnis. Nicht eines aus der Bibel, sondern ein Bild aus unserer Zeit. Ein AKW - das dürfte mittlerweile jedem klar sein - kann nicht nur bei einem grossen Störfall zerstörerisch wirken, sondern hinterlässt in jedem Fall radioaktiven Abfall. Und dieser Abfall ist ein Problem. Man muss ihn so lagern, dass er weder Mensch noch Lebensraum verstrahlt und dies über eine sehr lange Zeit: Es dauert etliche Tausend Jahre, bis die Strahlung nicht mehr gefährlich ist. Kein Wunder also, dass wir noch keine befriedigende Lösung gefunden haben: Wir schafften uns ein Problem, das wir nicht selber bewältigen können. Diese Tatsache erinnert mich an eine vergleichbare Situation geistlicher Art. Der radioaktive Abfall ist ähnlich destruktiv wie die menschliche Sünde. Unser Misstrauen gegenüber Gott, unser Versagen gegenüber Mitmenschen und unser Ungenügen gegenüber uns selber erscheint mir manchmal wie gefährlicher Sondermüll. Am liebsten wäre mir, er wäre gar nicht erst entstanden. Am besten würde man ihn irgendwo tief vergraben. Am sichersten wäre er in der Tiefe des Meeres versenkt. Mit der Sünde ist es wie mit radioaktivem Abfall: Wir schafften uns ein Problem, das wir nicht selber bewältigen können. Unser Versagen an Mitmenschen hat negative Konsequenzen, die wir nicht kontrollieren können. Und unser Misstrauen Gott gegenüber quittiert die Bibel mit dem Verdikt: ewige Verseuchung und deshalb «abgesonderte Lagerung» der betroffenen Menschen vom heiligen Schöpfer. Was im Falle des verstrahlten Mülls unmöglich ist, wird durch das Eingreifen Jesu mit unserer Sünde möglich: Sie wird unschädlich gemacht, wenn wir sie ihm überlassen. Sie hat keine toxische Wirkung mehr und unsere Separation vom Schöpfer hat ein Ende. Wenden Sie sich an Gott, bevor es zum nächsten Störfall kommt.

Dienstag, 31. Mai 2011

Kinder - der Stadt Bestes

„Das Wievielte? Das vierte Kind!?“ Die Sprüche im Sportverein sind mir sicher. „Aber ihr wisst, wie das funktioniert, oder?“ Bei den meisten Formularen passen vier Kinder noch grad drauf. Beim Autokauf sinkt die Auswahl, aber steigt der Preis. Und die letzte Hand der Eltern beim Spazieren ist nun vergeben. Wieso eigentlich heute noch Kinder kriegen, und zudem noch so viele?
Dass die Frage überhaupt gestellt wird, ist eigentlich komisch. Meistens stellen wir unser eigenes Leben nicht so sehr in Frage wie jenes derer, die noch nicht geboren worden sind. Aber in der Tat gibt es einiges, das zukünftiges Leben in Frage stellt.
Zuerst ganz existenziell, können wir uns Kinder überhaupt leisten? Ab dem vierten Kind steigt im Kanton Bern das Armutsrisiko markant an. Es ist fünfmal höher als bei einem Ehepaar ohne Kinder. Dann ganz grundsätzlich, erträgt diese ausgebeutete Erde noch mehr Menschen? Wenn jeder Mensch ein Schweizer wäre, hätten wir drei oder vier Planeten nötig, so viele Ressourcen verschwenden wir. Und schliesslich ganz persönlich, wäre es nicht besser, wenn den ungeborenen Kindern all jenes Leid erspart bleibt, das ihnen ganz sicher wartet?
Die Menschen, welche die Worte des Propheten Jeremia vor vielen Jahren hörten, hatten nicht die gleiche Ausgangslage. Aber als Asylanten in der Fremde war sie auf keinen Fall besser als unsere: „Baut Häuser und richtet euch dort zum Wohnen ein. Legt Äcker und Gärten an und freut euch an den Früchten, die ihr erntet. Heiratet und zeugt Söhne und Töchter. Sucht für eure Söhne Frauen und verheiratet eure Töchter, damit sie Söhne und Töchter zur Welt bringen.“ Und dann die bekannten Sätze: „Suchet der Stadt Bestes!“ und „Denn wenn die Stadt, in der ihr lebt, Frieden hat, dann habt auch ihr Frieden.“
Kinder zeugen zum Wohlergehen einer Gesellschaft, ist das ein angemessenes Motiv? Ich gebe zu, es ist nicht das vordergründigste, weshalb ich bereit bin Verantwortung als Vater zu übernehmen. Ganz klar, es ist eine riesige Freude und sehr erfüllend, die Entwicklung eines Kindes mit zu erleben, die Gemeinschaft in der Familie zu erfahren und zu sehen wie eigenständige Persönlichkeiten heranwachsen. Aber bei allem Kinderglück und im Bewusstsein, dass es ein grosses Geschenk ist Eltern zu werden, sehe ich auch eine Verantwortung unserer Generation Kinder zu zeugen. Denn sie werden in der Tat dafür zuständig sein, ob ich als Greis in Frieden leben kann oder nicht…
By the way: Wir warten noch auf unser Jüngstes (31.05.11,15.35h).

Montag, 23. Mai 2011

Endzeit, na und?

Sie ist allgegenwärtig, die Bemerkung von Christen, dass nun allen klar sein müsse, dass wir in der Endzeit lebten. Dabei dient die Euro-Krise genauso als Begründung wie Fukushima oder der arabische Umbruch. Aber was wird eigentlich genau bezweckt mit der Aussage, wir lebten in der letzten Zeit? Endzeit, na und was jetzt? Soll ich mich weniger gegen Ungerechtigkeit einsetzen, weil wir in der Endzeit leben? Soll ich mich nicht mehr um die Bewahrung der Schöpfung kümmern, weil wir in der letzten Zeit leben? Soll ich mich nicht mehr für die Hungernden engagieren, weil das Ende nah ist? Soll ich keine Familie mehr gründen? Oder soll ich statt des Evangeliums Gericht predigen? Das sei ferne, würde Paulus schreiben, der wie wir in der Endzeit lebte; im letzten Zeitabschnitt der Heilsgeschichte Gottes. Vor mehr als 2000 Jahren hat die Endzeit mit dem Kommen des Messias Jesus begonnen. Manchmal kommt es mir so vor, als wollten die Apokalyptik-Freaks ihre Bibelkenntnis zur Schau stellen, wenn im aktuellen Geschehen biblische
Prophetien erkennt werden. Aber eigentlich sollten sie ihre Bibel besser lesen: Wenn Jesus von der letzten Zeit zu seinen Jüngern sprach, dann deshalb weil er in ihnen Hoffnung wecken wollte. „Erschreckt nicht!“, sagt er ihnen. Jesus ermutigt die Jünger seinen Auftrag treu, ausdauernd und wachsam wahr zu nehmen: „Und es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker...“ Es haben sich schon viele Christen durch all die Jahrhunderte in einem Endzeitfahrplan versucht, und sie lagen alle falsch. Wenn uns erschreckende Ereignisse an etwas erinnern sollten dann daran, dass wir Gottes Liebe für diese Welt predigen und leben sollen!

Freitag, 29. April 2011

Religion schafft Krieg

„Religion hat doch immer nur zu Streit, Spaltung und Konflikten geführt; vielleicht ist sie der grösste Feind für den Frieden in der Welt. Wenn die Christen weiter behaupten, dass sie die Wahrheit haben, und andere Religionen ins gleiche Horn stossen, wird es in der Welt nie Frieden geben.“
Solche (aus dem Buch „Warum Gott? von Timothy Keller) oder ähnliche Behauptungen begegnen mir immer wieder. Letzte Woche vor einem Laden kam ich mit einem Mann muslimischen Glaubens ins Gespräch, und da stiessen wir zum besagten Punkt: Wer war Jesus? Wer war Mohammed? Für ihn war Jesus einer von vielen und Mohammed der grösste Prophet. Für mich war Jesus der Mensch gewordene Gott, der gestorben und auferstanden ist und Mohammed einer von vielen. Es war offensichtlich, mindestens einer von uns lag falsch. Ich empfahl ihm die Bibel zu lesen, und er machte mir den Propheten Allahs lieb.
Dieses Beispiel zeigt, dass unterschiedliche Religionen nicht einfach zu Streit führen. Aber ist die Behauptung vom Krieg falsch? Natürlich nicht. Wie so oft, kommt es darauf an, was wir Menschen bei Meinungsunterschieden tun. Führen sie uns zu Besserwisserei und Arroganz oder bringen wir unsere Meinung in Demut vor? Religionen bilden in der Tat ein Sicherheitsrisiko für den Frieden. Aber Religionen zu tabuisieren, privatisieren oder gar zu verbieten, scheint mir falsch, ja noch gefährlicher als die Differenzen aufeinander prallen zu lassen.
Viele Zeitgenossen schrecken jedoch davor zurück Unterschiede zu benennen und anzusprechen. Ja sie gehen sogar so weit zu behaupten: „Alle grossen Religionen sind doch gleich wahr und lehren im Grunde dasselbe.“ Menschen mit dieser Haltung scheinen übermässig harmoniebedürftig zu sein, oder sie haben sich noch nie wirklich mit den Weltreligionen auseinandergesetzt. Denn wer meint, alle würden an denselben liebenden Gott glauben, der das Universum schuf, hat ausser Acht gelassen, dass im Buddhismus z.B. unvorstellbar ist, dass es einen persönlichen Gott gibt, dass der Hinduismus zig Götter kennt und dass sogar die drei monotheistischen Religionen grosse Uneinigkeit haben: Oder war Jesus von Nazareth nun einfach ein Prophet, ein Gotteslästerer oder Gottes Sohn selber? Diese Frage unterschiedlich zu beantworten ist weder gleichgültig noch führt es einfach zu Krieg. Glauben heisst gerade auch, mutig Unterschiede zu Tage treten zu lassen.

Montag, 7. März 2011

Ghadafi und wir

Täglich werden wir momentan über die Situation in Libyen ausführlich informiert. So dass wir wissen, was den Zwischenstand betreffend des Tyrannen Ghadafi und den Zustand des libyschen Volkes anbelangt. Auch unser Ältester hat dies mitbekommen und fragte mich jüngst: „Papa, ist der Ghadafi schlimmer als der König Herodes in der Bibel.“ Es war einmal mehr schwierig, auf diese Kinderfrage die passende Antwort zu geben. Ich sagte, dass beide Männer äusserst brutal und ungerecht gegen ihr eigenes Volk vorgegangen seien. „Hat der Ghadafi denn auch alle männlichen Babys seines Landes umbringen lassen?“, fragt mein Sohn weiter. „Nein, aber er ist für den Tod ganz vieler Menschen in den vergangenen Jahren und besonders jetzt verantwortlich.“ „Dann ist der Herodes noch brutaler gewesen!“, meinte er dann mit meiner Antwort nicht ganz zufrieden.
Herodes ist leider nicht der einzige, der mit dem libyschen Despoten verglichen werden könnte. Sowohl die Bibel als auch die jüngere Zeitgeschichte – sei es in Deutschland, Ruanda oder Ex-Jugoslavien – haben gezeigt, dass es immer wieder Mächtige gab, die eine bestimmte Volksgruppe als Bedrohung sahen und diese „auslöschen“ wollten. In solchen Situationen, wenn wir sie denn noch an uns heranlassen, können folgende Fragen aufkommen: Wie kommt es dazu? Hätte es nicht früher vermieden werden können? Was können wir denn jetzt dagegen tun? Und, weshalb greift Gott nicht ein und stoppt das brutale, unmenschliche Morden?
Die meisten Fragen bleiben offen und stimmen uns vielleicht sogar ohnmächtig. Was mir persönlich in einer solchen Situation hilft, sind drei Dinge: Erstens ist es das Wissen, dass wir einen gerechten Gott haben, der all diese Not und Ungerechtigkeit sieht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen wird: Gott ist Richter. Zweitens ist es die Möglichkeit, mich an ebendiesen Gott im Gebet zu wenden und für die Not leidenden Menschen zu beten: Gott ist Retter. Und drittens hilft mir eine Frage, die sich mir persönlich stellt: Was kann ich konkret tun für die betroffenen Menschen und dafür, dass sich eine solche Situation andernorts nicht wiederholt? Diese Hilfestellungen sind es auch, die ich unserem fragenden Sohn weitergeben möchte. Denn leider ist zu befürchten, dass die Menschheit auch in seiner Generation mit solchen Katastrophen rechnen muss.

Samstag, 5. Februar 2011

Geburtstag

Jeden Tag feiern Millionen von Menschen ein Jubiläum: Ihren Geburtstag. Sie feiern sich selber. Oder anders gesagt, sie freuen sich über das Geschenk des eigenen Lebens. Wie der Geburtstag gefeiert wird, das ist äusserst verschieden. Das merkt man bereits, wenn man zwei Familienkulturen vergleicht. So hatte die Geburtstagsfeier in der Familie meiner Frau und in meiner Stammfamilie einen ganz anderen Stellenwert. Entsprechend unterschiedlich werten wir die Geburtstage, allerdings gerade entgegen unseren Vorerfahrungen. In meiner Kindheit wurde viel gefeiert, geschenkt, bekocht und verwöhnt. Kurz: Das Jubiläum des einzelnen Lebens wurde intensiv zelebriert. Vielleicht weil es für mich so selbstverständlich war, lege ich heute weniger Wert darauf. Jedenfalls fällt es mir schwer, die Geburtstage von engen Verwandten und Freunden zu speichern und kleine Aufmerksamkeiten sind nicht meine Stärke. Ganz anders meine Frau, sie kennt die Geburtstage unzähliger Freunde und macht gerne kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten. Eigentlich sollte ich in dieser Frage wieder vermehrt die Praxis meiner Frau anwenden. In unserer Zeit, wo oft anderes im Zentrum steht als der Mensch mit seiner Einzigartigkeit und mit seinen Gaben, die er in die Gemeinschaft einbringen kann. Gerade seit wir mit unseren kleinen Kindern begonnen haben Geburtstagspartys mit Freunden und „Kindergartengschpändli“ zu organisieren, schätze ich den Wert dieser Feiern noch mehr. Während einem Tag als Mensch in der Mitte zu stehen, das ist keine falsche Selbstzelebrierung. Es ist eine Wertschätzung und ein Erweisen von Würde. Er merkt: Ich bin ein Grund zum Feiern. Mit allen Schwächen, Ecken und Kanten ist jeder Mensch ein Grund zum Feiern, weil sein Leben ein Geschenk an die Gesellschaft ist. Jedem von uns gehen nun Personen durch den Kopf, für die wir kein Fest veranstalten würden; aus welchem Grund auch immer. Aber es bleibt bestehen, dass jeder Mensch ein potenzieller Wohltäter, Freund oder guter Mitarbeiter ist. Ganz klar, dass Menschen manchmal ihr Potenzial nicht nützen, sondern unter ihren Möglichkeiten leben. Ist es vielleicht deshalb, weil ihr Geburtstag nicht gefeiert wurde? Erhielten sie keine Wertschätzung und Würde entgegengebracht? Wahrscheinlich ist es komplizierter, aber eine Geburtstagsparty ist bestimmt keine Fehlinvestition. Ich bin jedenfalls schon wieder gespannt, was meine Frau am Sonntag – meinem Geburtstag – für mich ausgeheckt hat.

Samstag, 8. Januar 2011

Öffentlich glauben

Im letzten SF-Club-Gespräch des vergangenen Jahres hat Christine Maier in die Runde gefragt: „Ist Glaube eigentlich Privatsache?“ Man war sich nicht einig. Während Freidenker eher sagten ja, Religion gehört ins Privatleben, meinten sowohl ein Rabbiner als auch Christen unterschiedlicher Konfessionen, dass der Glaube sehr wohl auch öffentlich sei. Der Unternehmer Rolf Hiltl hatte eigentlich recht, als er sagte: „Dieses Club-Gespräch zeigt ja, dass Glaube nicht Privatsache ist.“ Das Schweizer Fernsehen hatte durch das Thema „Woran glauben Sie?“ den Glauben von fünf Personen einmal mehr öffentlich gemacht; und das ist gut so! Zu oft glauben wir Mitteleuropäer, dass die eigene religiöse Überzeugung den Mitmenschen genauso wenig angeht wie die eigene Lohnabrechnung oder die Steuererklärung. Ich meine hingegen, der persönliche Glaube sollte nicht tabuisiert werden.

In Thun veranstaltet die Evangelische Allianz der Region zum zweiten Mal „ProChrist-live“ mit Pfarrer Ulrich Parzany, ehemaliger CVJM-Generalsekretär. So ein Grossanlass mit musikalischem Rahmenprogramm, Interviewgästen und Referat kostet viel Geld, insbesondere wenn die Öffentlichkeit auch darauf aufmerksam gemacht werden soll. Und tatsächlich ist in diesen Tagen in der Region nicht zu übersehen, dass vom 8. bis 16. Januar in Thun „gezweifelt und gestaunt“ werden soll. Der christliche Glaube soll Stadtgespräch - oder eben öffentlich - werden. Wieso? In unserer säkularen Gesellschaft droht Religion in eine Schublade versorgt zu werden, die jeder nur heimlich für sich zu Hause öffnet. Entweder aus einer Angst heraus, nicht mehr als seriöser Zeitgenosse wahrgenommen zu werden oder aus falscher Rücksicht, damit ja kein Mensch mit anderen Überzeugungen vor den Kopf gestossen werde. Diese Haltung ist in zweierlei Hinsicht schädlich: Zum einen steht eine „Ich-und-mein-Gott-Spiritualität“ in der Gefahr, nur um sich selber zu drehen oder sogar durch Extrempositionen völlig von der Realität entfremdet zu werden. Und zum andern ist der christliche Glaube geradezu daraufhin angelegt positiv in die Gesellschaft hineinzuwirken. Dies geschieht immer wieder auch publikumswirksam. Gerade in der öffentlichen Auseinandersetzung wird der Glaube überprüft, geläutert und kontextualisiert. So dass der Christ auch heute „dem Juden ein Jude und dem Griechen ein Grieche" oder eben auch dem Oberländer ein Oberländer werden kann.