Donnerstag, 14. Oktober 2010

THE OLD PASTOR

While watching television on Sunday, I watched a church in Atlanta honoring one of its senior pastors who had been retired many years. He was 92 years old and I wondered why the church even bothered to ask the old gentleman to preach at that age.

After a warm introduction of this speaker, he rose from his high back chair and walked slowly, with great effort and a sliding gait to the podium. Without a note or written paper of any kind, he placed both hands on the pulpit to steady himself and then quietly and slowly he began to speak.

"When I was asked to come here today and talk to you, your pastor asked me to tell you what was the greatest lesson ever learned in my 50-odd years of preaching. I thought about it for a few days and boiled it down to just one thing that made the most difference in my life and sustained me through all my trials. The one thing that I could always rely on when tears and heartbreak and pain and fear and sorrow paralyzed me, the only thing that would comfort was this verse:

"Jesus loves me this I know.
For the Bible tells me so.
Little ones to Him belong,
We are weak but He is strong.
Yes, Jesus loves me.
The Bible tells me so."

When he finished, the church was quiet. You actually could hear his footsteps as he shuffled back to his chair.

A pastor once stated, "I always noticed that it was the adults who chose the children's hymn 'Jesus Loves Me' during a hymn sing, and it was the adults who sang the loudest because I could see they knew it the best."

author unknown

Montag, 11. Oktober 2010

Sei keine Ziege!


Gegen Ende des Matthäusevangeliums wird eine Rede von Jesus zitiert, die mich immer wieder sehr bewegt und beunruhigt. Jesus sagt dort zu den Anwesenden, dass er selber am Ende der Zeiten alle Menschen der Erde in zwei Gruppen teilen werde, so wie ein Hirte Schafe von Ziegen trenne. Und zu den „Schafen“ werde er sagen: "Kommt her, ihr seid von meinem Vater gesegnet! … Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen; ich hatte nichts anzuziehen, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt euch um mich gekümmert; ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht." Daraufhin werden die Angesprochenen fragen: Wann war denn das? Wir können uns nicht erinnern. Die Antwort Jesu: "Ich sage euch: Was immer ihr für einen meiner Brüder getan habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen–, das habt ihr für mich getan."

Dann wird er sich an jene auf der anderen Seite wenden – im Gleichnis die Ziegen - und sagen: "Geht weg von mir, ihr seid verflucht!", und wird dann in Negativform aufzählen, was sie ihm nicht getan haben. Die Betroffenen fragen wiederum: Wann soll das geschehen sein? Und die Antwort Jesu: "Ich sage euch: Was immer ihr an einem meiner Brüder zu tun versäumt habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen –, das habt ihr mir gegenüber versäumt."

Es ist die Zuspitzung der Nächstenliebe par Exellence, was dieses Gleichnis ausdrückt. Und Jesus weist zudem darauf hin, dass unser Verhalten gegenüber den Schwächsten auf dieser Erde Konsequenzen vor Gott haben werde. Sind das nicht krasse Worte? Ja, und zugleich - wenn da ein gerechter Gott ist, wird er auch von seinen Geschöpfen Gerechtigkeit fordern.

Am Sonntag dem 10.10.10 werden weltweit christliche Kirchen mit dem „StopArmut-Sonntag“ an jene Milliarde Menschen denken, die auf unserem Globus in Armut leben. Sie haben weniger als einen Dollar pro Tag um zu leben. Das endzeitliche Gleichnis Jesu wird in unserer Zeit umso herausfordernder, weil wir in einer globalisierten und mobilen Welt täglich unzählige Nöte von überall mitbekommen. Wie können wir da dem Anspruch Jesu noch gerecht werden? Wie können wir all der Not in geforderter Weise begegnen? Sind wir nicht schlicht überfordert, noch wenn wir denn möchten?

Gott kennt uns. Er hat uns gemacht und weiss um unsere Möglichkeiten und Grenzen. Er sieht das Herz des einzelnen Menschen an. Und wenn wir im Herzen den Entschluss gefasst haben, dass es uns nicht egal ist, wie es anderen Menschen zum Beispiel auf der Südhalbkugel geht, dann werden wir dem Notleidenden und Schwachen grundsätzlich anders begegnen. Und ganz sicher ist es eine Hilfe, wenn wir das zu Herzen nehmen, was Jesus in diesem Gleichnis sagt: Wenn wir einem Menschen in seiner Schwachheit helfen, so ist es, als ob wir Gott begegnen. In diesem Sinne: Sei keine Ziege, sondern ein Schaf und höre auf die Stimme des Hirten, so begegnest du ihm in deinem Nächsten!

erschienen in Thuner Tagblatt, Berner Oberländer vom 9. Okt. 2010

Mittwoch, 6. Oktober 2010

«Die weltweite Armut hat mich zornig gemacht»

Marc Jost zu seinem Engagement bei «Interaction» und zur wirkungsvollen Entwicklungshilfe

Weltweit hungern eine Milliarde Menschen. Als neuer Geschäftsführer des Hilfswerkverbandes «Interaction» möchte der Thuner Pfarrer und Grossrat Marc Jost gerade Politikern den Ernst der Lage bewusst machen. Aber auch den vielen Mitchristen. Und er möchte aufzeigen, welche Hilfe effektiv Wirkung erzielt.

VON: ANDREA VONLANTHEN

«Spektrum»: Als was sind Sie eigentlich geboren, als Pfarrer, als Politiker oder als Entwicklungshelfer?

Marc Jost: Die drei Ämter haben sehr vieles gemeinsam. Es geht immer um den Menschen und seine Bedürfnisse. Mir ist es ein Anliegen, dem Einzelnen ganzheitlich zu helfen. Das kann ich in der Politik kombiniert mit «Interaction» nun sehr gut tun.

Wovon hatten Sie einst mit sieben Jahren geträumt?

Ich wollte Zimmermann werden. Mit Holz gestalten, das hat mich fasziniert.

Und mit zwanzig?

Damals hat mich ein Jugendleiter ermutigt, vermehrt Führungsverantwortung zu übernehmen. Er hatte den Eindruck, Gott möchte mich für eine grössere Verantwortung vorbereiten. Darauf habe ich mich entschieden, Gott verfügbar zu sein, was mich Schritt für Schritt in neue Leitungsverantwortung geführt hat. Mein Traum ist, dort Verantwortung zu tragen, wo Gott dies möchte.

Am 1. Oktober haben Sie Ihre Stelle als Geschäftsführer bei «Interaction» angetreten. Das Evangelische Gemeinschaftswerk verliert in Thun einen begabten Prediger?

Der Abschied schmerzt schon auch. Meine Frau und ich, wir haben uns für den Wechsel entschieden, weil die Anfrage des Verbandes genau in dem Zeitpunkt kam, als wir uns fragten, ob ich noch am richtigen Ort wirke. Bill Hybels schreibt in einem Buch, dass Gott uns oft dort einsetzen möchte, wo uns eine Not am meisten drückt. Er spricht sogar davon, dass uns etwas zornig machen kann. Das ist bei mir mit der weltweiten Armut passiert.

Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Ihnen die Augen für die Armut öffnete?

Ein Schlüssel war unsere Zeit 2001 und 2002 als Ehepaar in Südamerika. In Peru war es die Armut der Menschen, die uns bewegte, und in Kolumbien war es das Chaos in einem total korrupten und gewaltbeherrschten Staat. Dort gingen uns die Augen auf, was für ein Privileg es ist, in der Schweiz geboren worden zu sein. Diese Erfahrung der Gnade, in einer funktionierenden Demokratie, einem Rechtsstaat und in Wohlstand leben zu dürfen, hat mich letztlich auch für die Schweiz politisiert.

Was wollen Sie nun erreichen mit «Interaction»?

Der Verband will gegen innen mit der Kampagne «StopArmut 2015» das Anliegen der Entwicklungszusammenarbeit unter den 250'000 Christen im Umfeld der Evangelischen Allianz bekannt machen und für die Milleniumsziele sensibilisieren. Gegen aussen wollen wir als christliche Hilfswerke im Rahmen der SEA mit einer Stimme bei Entscheidungsträgern lobbyieren und die Qualität unserer Arbeit bei öffentlichen Stellen transparent machen.

Wird «Interaction» zur frommen Konkurrenz von «Brot für alle» und «Fastenopfer»?

Ein Verband, der sich echt und von Herzen für die Ärmsten einsetzt, wird sich über mehr Engagement durch andere freuen und mit ihnen zusammenarbeiten!

Wir werden im Westen immer reicher - warum bekommt die Welt das Problem mit der Armut nicht in Griff?

Als Pfarrer sage ich: Das hat mit dem Herzen des Menschen zu tun. Wir haben Angst, zu kurz zu kommen und müssen uns zum Teilen überwinden, geschweige denn zum Verzichten. Als Politiker sage ich: Das Problem ist die Verbindung von Geld und politischer Macht. Reiche Interessengruppen haben mehr Mittel für Wahlkampf und entsprechend mehr politischen Einfluss, sei es national oder international. Als CEO von «Interaction» sage ich: Die Politik hat den Ernst der Lage von einer Milliarde Hungernder noch nicht erkannt. Migration und die Schwierigkeiten daraus in den Industrieländern sind nur eine direkte Konsequenz der ungerechten Verteilung der Güter.

In der Politik wird zunehmend vor fragwürdiger Entwicklungshilfe gewarnt. Viel Geld lande nur im Sumpf der Korruption...

Das ist ein ernsthaftes Problem. Gleichzeitig hat man diese Herausforderung erkannt und gepackt. Viele Hilfswerke arbeiten nicht direkt mit Regierungen zusammen, sondern mit NGOs vor Ort. Aber letztlich bleibt die Frage: Soll man Menschen keine Nothilfe leisten, bloss weil sie von einem Tyrannen regiert werden?

Woran erkennt der Spender das seriöse, unterstützungswürdige Hilfswerk?

Vorab: Kleiner und bekannter heisst nicht immer besser! Das Verhältnis von Verwaltung und konkreter Hilfeleistung nimmt zum Beispiel ab, je grösser ein Werk ist. Aber grosse Werke brauchen dafür mehr Controlling. Für den Spender sind Labels wie der Ehrenkodex der SEA oder das Gütesiegel von Zewo so oder so eine Hilfe und Gewähr für seriöse Arbeit.

Welche Hilfe erzielt Wirkung?

Ich denke an Projekte, die einen partizipativen Ansatz haben, lokal verwurzelt und ganzheitlich sind, sprich: auch Spiritualität einbeziehen. Das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe sowie das partnerschaftliche Miteinander sind zentral. Mikrokredite beispielsweise verkörpern vieles davon.

Wie lässt sich diese Wirkung kompetent prüfen?

Die Wirkung der Nothilfe ist ziemlich offensichtlich. Jeder Überlebende ist ein lebendiger Beweis der Wirkung! Aber gerade weil es um Leben und Tod geht, ist eine gute Evaluation von grosser Bedeutung. Bei der Entwicklungszusammenarbeit ist es sehr anspruchsvoll. Eine Hilfe ist gewiss die Orientierung an den Milleniums-Entwicklungszielen der UNO in Bildung, Landwirtschaft oder Gesundheit. Dann gibt es natürlich Wirkungsberichte, die den Input, den Output und die sogenannten Outcomes (mittelfristige Wirkungen) oder den Impakt (langfristige Wirkungen) messen. Die unzähligen externen Faktoren, die teilweise nicht im Einflussbereich eines Projekts liegen, machen aber eine exakte Wirkungsmessung schwierig.

Welche Hilfe tut besonders Not?

Neben der Tatsache, dass über eine Milliarde Menschen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen, ist gewiss die HIV/Aids-Problematik in Afrika eine der ganz grossen Nöte, die auch viele Kinder betrifft. 2010 wird es 20 Millionen neue Aids-Waisen geben, davon 18 Millionen in Afrika!

Was bezahlt heute der Staat und was bezahlen Private an Schweizer Entwicklungshilfe?

Der Bund setzt heute rund 0,4 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) ein. Die privaten Spenden machen etwa 0,1 Prozent des BNE aus. Damit sind wir immer noch deutlich unter den der UNO zugesagten 0,7 Prozent, welche die öffentliche Hilfe ausmachen sollte. Immerhin hat das Parlament nun Signale in Richtung 0,5 Prozent gegeben. Das würde momentan 350 Franken pro Schweizer ausmachen.

Welches müsste das Ziel staatlicher und privater Hilfe sein?

Es muss eindeutig darum gehen, den von der Menschheit selber gemachten Missstand, dass zwar genügend Nahrung da wäre, die aber ungerecht verteilt ist, zu korrigieren. «StopArmut» und die UNO sagen: Bis 2015 soll die Armut halbiert werden. Ein sehr hohes Ziel!

Sie stehen seit vier Jahren als Grossrat mit einem Bein in der Politik. Wie haben sich die Kanzel und der politische Alltag miteinander vertragen?

Besser als ich zuvor angenommen hatte. Für mich war allerdings Parteipolitik von der Kanzel ein Tabu. Vielleicht war bei uns die ganze politische Frage fast besser geklärt als anderswo, wo sich die Pastoren zwar kein politisches Etikett angeheftet haben, aber ihre Meinung umso mehr unterschwellig einbringen. Auch Seelsorge am politischen Gegner wurde für mich nicht zum Problem. Wichtig dabei ist Transparenz, Sachlichkeit und Vertrauen.

Nun suchen Sie neben Ihrem Grossratsmandat ein neues politisches Engagement in Ihrer Stadt, indem Sie für den Gemeinderat kandidieren. Warum streben Sie gerade das Sozialressort an?

Ich habe als Pfarrer in diesem Bereich reiche Erfahrungen sammeln können. Andererseits könnte ich als Sozialvorsteher Behörden, Kirchen und private Institutionen in ihrer Zusammenarbeit fördern. Ich könnte mir aber als ehemaliger Lehrer auch das Ressort Bildung vorstellen.

Wie stehen Ihre Wahlchancen?

Sie sind intakt. Die Listenverbindung von EVP, EDU und CVP könnte bei den Proporzwahlen in die Exekutive tatsächlich ein Mandat holen. Allerdings haben neben mir drei weitere Kandidaten der christlichen Parteien Ambitionen.

Grossrat, Gemeinderat, Entwicklungshelfer, Familienvater: Keine Angst vor grösseren Zielkonflikten?

Sollte ich tatsächlich Gemeinderat werden, würde ich im Grossen Rat den Sitz in der Justizkommission aufgeben. Aber man darf nicht vergessen, dass sich Politik und Lobbyarbeit für die Ärmsten auch ein Stück weit ergänzen.

Ihre Vision für Ihr Leben?

«Keep doing your best and pray that it?s blessed. And the Lord takes care of the rest.» Was Gott in mich gelegt hat, soll möglichst wirkungsvoll anderen Menschen zu gut kommen.

Ihre Vision für die Schweiz?

Zurück zu den Wurzeln! Henry Dunants Vision mit dem Roten Kreuz sollte die Schweiz wieder ähnlich ganzheitlich erfassen wie in den Anfängen. Nicht nur unser Staatssystem darf man ruhig kopieren, auch unser Wohlstand darf anderen Ländern zu gut kommen. Und schliesslich wurde auch das Kreuz nicht zufällig als Symbol der barmherzigen Hilfe gewählt.

Worüber haben Sie jetzt bei Ihrem Abschiedsgottesdienst gepredigt?

«Das Leben ist nicht fair. Ist Gerechtigkeit bloss ein Traum?»

idea Spektrum, 2010-40