Mittwoch, 26. Dezember 2007

Sorgenfrei arbeiten

Das alljährliche Sorgenbarometer zeigt diesmal an, dass sich Herr und Frau Schweizer am meisten um ihren Arbeitsplatz sorgen. Eigentlich ist das eine ganz nahe liegende Top-Sorge: Arbeit kann einen erfüllen und Sinn machen. Man hat das Gefühl: Ich werde gebraucht. Dann ist der Spitzenplatz auch deshalb verständlich, weil Arbeit immer auch finanzielles Einkommen bedeutet. Der Wohlstand und ist uns ein legitimes und auch äusserst wichtiges Anliegen.
Trotzdem bin ich von unserer Spitzensorge um den Arbeitsplatz etwas überrascht: Die Wirtschaft wächst - mit einer berühmten Ausnahme - und die Arbeitslosigkeit sinkt nach wie vor. Was macht uns also die Arbeit gerade jetzt so zentral wichtig? Offensichtlich scheinen auch für uns Schweizer globale Ereignisse zu weit weg, so dass die Sorge ums Klima oder die Angst vor Terror nicht zu oberst aufs Podest kommen. Wie sagt man so schön? Das Hemd ist uns näher als der Mantel. Ich wage nun doch noch eine kritische Interpretation: Ist die Sorge um eine sinnvolle und existenzsichernde Arbeit deshalb so gross, weil wir zu viele Belanglosigkeiten erleben und zu viel für Belangloses ausgeben? Beschäftigt uns von neuem die Frage nach dem Sinn? Manchmal ist es doch so, dass wir uns richtiggehend in die Arbeit flüchten, damit sinnloser Streit, sinnlose Spannungen oder sinnloser Spott vergessen gehen.
Genauso gut könnte ich uns aber auch einfach nur das Beste unterstellen und interpretieren: Es ist die Freude an der Arbeit. Weil wir gerne arbeiten, sorgen wir uns um deren Verlust. Was auch immer zu dieser Arbeitssorge geführt haben mag, folgender Vers aus den Psalmen möge uns auch über dieser Sorge Gelassenheit schenken: „Ja, Herr, du wirst dich auch in Zukunft um mich kümmern, deine Gnade hört niemals auf! Was du angefangen hast, das führe zu einem guten Ende“ (Psalm 138,8). In diesem Sinne ein sorgenfreies neues Jahr!

Donnerstag, 29. November 2007

Wieder geboren?

Im Schutze der Dunkelheit, mitten in der Nacht kommt ein hoher Gelehrter der jüdischen Elite zu Jesus und sucht mit ihm das Gespräch. Jesus hatte diese Elite wiederholt wegen ihrer Heuchelei und Doppelzüngigkeit scharf kritisiert. Offenbar kommt dieser Pharisäer nicht in aller Öffentlichkeit, weil es in seinem Umfeld ein Tabu war, sich auf diesen seltsamen Wanderprediger einzulassen. Jesus selber ist bereit zum Gespräch. Für ihn spielt auch in diesem Fall die Herkunft der Person keine Rolle. Jesus fordert den grossen Theologen mit den Worten heraus: "Wer nicht neu geboren wird, kann nicht in Gottes neue Welt kommen." Nikodemus, so heisst der interessierte Mann, reagiert verwirrt. Was bedeutet das, wieder geboren werden? Jesus erklärt darauf, dass diese Aussage geistlich zu verstehen sei. "Wer durch Gottes Geist geboren wird, erhält neues Leben." Er macht dann deutlich, dass diese geistliche Wiedergeburt mit seinem bevorstehenden Tod am Kreuz zu tun hat: Jeder der dem gekreuzigten Menschensohn vertraut, wird das ewige Leben haben. Viele Menschen haben die Vorstellung, dass Gott nur wie ein Richter über den Menschen steht, um sie bei Missachtung seiner Gesetze zu bestrafen. Jesus macht im Gespräch mit diesem geistreichen Juden klar, dass Gott viel mehr ist als das. Jesus stellt Gott als Menschenfreund vor, der sich für die Menschen selber hingibt. Seine Hingabe geschieht aus Liebe zu allen Menschen. Daran will auch die kommende Adventszeit erinnern. Gottes Geschenk an uns ist Gott selber. An Weihnachten wird Gott Mensch, damit wir nicht nur neu aufleben können, sondern neu geboren werden. Möge uns das Christkind an diese Neugeburt erinnen (nachzulesen im Johannesevangelium, Kapitel 3)!

Donnerstag, 8. November 2007

Evolution und Euthanasie

In der Schweiz wird nun sterbewilligen Menschen auf dem Parkplatz geholfen, sich zu töten. Dignitas schreckt auch nicht davor zurück psychisch Kranken beim Suizid zu helfen. Seit längerem fordern liberale Politiker gemäss holländischem und belgischem Vorbild sogar aktive Sterbehilfe, also Tötung auf Verlangen. Das sind Tatsachen und Forderungen, die vor wenigen Jahren im christlichen Abendland noch unvorstellbar waren.

Wundern müssen wir uns jedoch ob solcher Forderungen nicht. Wer in der Schule lernt: Der Mensch ist ein hochentwickeltes Tier, das zufällig und durch Überleben der Fähigsten und Aussterben der Schwachen entstanden ist, der wird Menschenwürde bald einmal nur noch mit Gesundheit, leistungsfähigkeit und Effizienz gleichsetzen. Wem im Studium vermittelt wurde: Der Homo Sapiens musste Millionen von Jahren warten, bis er aus Zufall der Ursuppe entsteigen konnte, der wird die Menschen in die Suppe zurückjagen, welche dem Geldbeutel und der Geduld der Gesellschaft nur noch zur Last zu fallen scheinen. Das Denken gemäss der Evolutionstheorie Darwins und die Forderung nach aktiver Euthanasie und Suizid-Hilfe sind eng miteinander verknüpft.

Allerdings ist Menschenwürde in Europa lange Zeit anders verstanden worden, als es in den Debatten um würdiges Sterben heute postuliert wird. Ein Mensch trug Würde, weil er ein Mensch war. Ein Mensch war wertvoll, weil in ihm ein Geschöpf gesehen wurde: Ein Geschöpf, das Gott wollte, liebte und ihm ähnlich schuf. Dieses Verständnis ist christlich und stammt aus der Bibel. Gemäss diesem Menschenbild verliert der Mensch auch dann seine Würde nicht, wenn er krank, behindert oder altersschwach ist. Gottes Liebe und Wunsch nach Gemeinschaft gilt allen Menschen, auch jenen, die den vermeintlich würdigeren nur noch Leid und Last zu bedeuten scheinen.

Dienstag, 9. Oktober 2007

nicht politisch?

Ich wurde angewiesen, in dieser Kolumne (Sonntagsblatt Berner Oberländer) nicht politisch zu schreiben. Wenn man das überhaupt jemals schaffen sollte, heute schaffe ich es bestimmt nicht. Denn am 21. Oktober sind Wahlen; das ist ja fast nicht zu übersehen. Wenn ich nun darauf eingehe, beruhigt mich ein Zitat von Max Frisch: „Wer sich nicht mit Politik befasst, hat die politische Parteinahme, die er sich ersparen wollte, bereits vollzogen: Er dient der herrschenden Partei.“

Eigentlich verstehe ich sehr gut, dass ein Sonntagsblatt nicht parteipolitisch ausgenutzt werden sollte, und ich werde es vermeiden dies zu tun; wie ich das auch von der Kanzel unterlasse. Wenn ich aber nun politisch werde, dann mit der Überzeugung, dass es jeder Christ, ja jeder Bürger an dieser Stelle tun sollte. Sie haben es erraten: Wer nicht wählt, nimmt seine Mitverantwortung als Mensch für diese Gesellschaft nicht wahr. Und da liebe Mitchristinnen und Mitchristen gilt für einmal kein Pardon. Denn wer in den Ferien weilen sollte - und das werden viele - der hat ja die Gelegenheit, seine gute Tat im Voraus brieflich zu tun. Und sollte jemand nicht wissen, wie es geht, hilft bestimmt ein Freund oder die Nachbarin.

Sie können mir nun entgegen halten, Paulus hätte in seinen Briefen an die ersten Kirchen nur vom Beten für die Regierung geschrieben und nicht vom Wählen. Ich bin überzeugt: Hätte das Volk zur Zeit der ersten Christen demokratisch mitbestimmen können, wir würden heute ein überliefertes Zitat von Paulus mit einem Wahlaufruf in der Bibel finden. Denn wie schrieb er damals? "Betet besonders für alle, die in Regierung und Staat Verantwortung tragen, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, ehrfürchtig vor Gott und aufrichtig unseren Mitmenschen gegenüber." Menschen, welche politisch Verantwortung übernehmen, sind unter anderem für Frieden und Religionsfreiheit zuständig. Wählen Sie deshalb Menschen, von denen Sie denken, dass sie diese christlichen Werte der Bibel fördern, welche ermöglichen, dass das Evangelium frei und kraftvoll gelebt und verkündet werden kann.

Dienstag, 31. Juli 2007

1. August in Unterlangenegg BE

Die Schweiz – beschenkt mit einem wertvollen Land


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Gäste

Unterlangenegg ist mir sympathisch. Nicht einfach, weil ich heute eingeladen wurde. Unterlangenegg ist eine sehr ausgewogene Gemeinde; jedenfalls was die Geschlechter angeht: Von den 912 Einwohnern bei der letzten Zählung (2006) waren nämlich genau 456 Männer und 456 Frauen. Ich weiss nicht, wie Sie das geschafft haben. Jedenfalls gefallen mir ausgewogene Menschen und ausgewogene Gemeinden, auch wenn Sie hier wahrscheinlich nicht viel Schuld an dem Zustand tragen. Aber haben Sie gewusst, dass Unterlangenegg eine Bevölkerungsentwicklung hat, die im Sinken begriffen ist? Fünf Jahre zuvor hatte Unterlangenegg noch 940 Einwohner. Seither geht es kontinuierlich bergab. Und jetzt könnte ich an unserem Nationalfeiertag weiterfahren mit Schlagzeilen, die bergab führen. Ich könnte über die Probleme der Sozialversicherungen reden, über deren Missbrauch, wie jüngst wieder bekannt wurde. Ich könnte über die steigenden Gesundheitskosten, über die Jugendgewalt, über die Pornografie unter Minderjährigen oder über zu hohe Steuern sprechen. Aber das lasse ich für den Moment bleiben. Nicht weil ich Angst habe Ihnen die Feststimmung zu stehlen, sondern weil ich es wichtig finde, dass wir den Blick – gerade als Schweizerinnen und Schweizer, als Menschen, welche in diesem wunderbaren Land leben – auf das Gute, auf den Wohlstand, auf das Segensreiche richten sollten. Viel zu schnell sind wir mit unseren Gedanken immer wieder bei dem was stört, drückt und schwer aufliegt. Der Focus auf das, was gelingt und angenehm ist, sollte gerade am 1. August nicht verpasst werden.

Manchmal muss man weit reisen, um eine nahe liegende Erkenntnis zu machen. Darin ging es Bundesrat Merz und mir ähnlich. In einem Interview Mitte Juli sagte Herr Merz, dass ihn seine Zeit in Südamerika verändert und geprägt habe. Seither trage er z.B. immer eine kleine Bibel mit sich. Dies tat er auf Grund der vielen Entführungen, damit er im Falle eine gute Lektüre dabei habe. Die Gewohnheit ist geblieben. Ich war nur einige Monate in Südamerika (Peru, Kolumbien), aber auch mich hat diese Zeit verändert. Ich schaue die Schweiz, die ich doch meinte zu kennen, mit anderen Augen an. Solche Reisen als Schweizer auf anderen Kontinenten, insbesondere in so genannten 3. Welt-Ländern, lassen einen automatisch vergleichen. Und je nachdem, mit was ich die Schweizerischen Verhältnisse vergleiche, werden ganz unterschiedliche Emotionen und Gefühle geweckt. Eine grosse Dankbarkeit und Demut wird in mir wach, wenn ich die Wohn- und Arbeitsverhältnisse in Lima am Stadtrand mit denen in Thun am Stadtrand vergleiche. Dort Hütten aus Stroh, Blech und Karton, hier das Minergie-Standard-Haus mit Wärmepumpe. Dort der Familienvater, der im Bus Bonbons verkauft, hier das gut gefederte Sozialsystem, das auch Familien die Existenz ohne Arbeit sichert.
In Kolumbien ist es auch für Mittelschichthaushalte nicht selbstverständlich, dass Strom und Wasser fliesst. Immer wieder kommt es zu längeren Unterbrüchen. Hier liest man es in allen Zeitungen, wenn kurze Zeit keine Elektrizität vorhanden ist. Dort kämpft die Politik und Wirtschaft mit unvorstellbarer Dichte von Korruption (fast in ganz Südamerika über 50%). In der Schweiz sind 9 von 10 Partnern vertrauenswürdig.
Man könnte nun auch hier fortfahren mit ergreifenden Zahlen zu Hunger, Aids und Krieg, aber wie gesagt, ich möchte den Focus heute auf das Positive richten. Nochmals zurück zu unserem Finanzdirektor Merz. Er wurde gefragt, welche Frage er den Schweizern am 1. August stellen würde. Er meinte darauf im Wissen um all die sozialen Probleme hier: „Warum haben wir eigentlich das, was wir haben? (…) Ich glaube, man darf schon immer wieder die Frage stellen: Warum geht es uns so gut? Und unter welchen Bedingungen wird es uns auch zukünftig so gut gehen?“
Ich fand diese Frage für den 1. August sehr passend. Warum geht es uns so gut? Und ich möchte Sie einladen, diese Frage mit in den Abend des Nationalfeiertags zu nehmen. Wieso nicht beim Kaffee, beim Feuer oder beim Hot Dog dieser Frage etwas nachgehen? Warum haben wir eigentlich das, was wir haben? Warum geht es uns eigentlich so gut?
• Ist es unser Fleiss, unser Wille unsere Einsatzbereitschaft? Die mag bestimmt etwas dazu beitragen.
• Ist es unsere Intelligenz, unsere Cleverness, unsere Kreativität? Auch das ist bestimmt sehr hilfreich. Aber diese Antworten versagen bald einmal, wenn wir uns überlegen, wo wir leben.
• Die wichtigste Ressource, das Wasser. Wären wir am selben Ort ohne unser Wasserschloss in den Alpen?
• Das gemässigte Klima (solange es noch gemässigt ist), ist es nicht eine ideale Umgebung für Wohlstand: diese Temperaturen, dieser Niederschlag, dieser Wind. Aber gerade hier merken wir, ein gemässigtes Klima ist überhaupt nicht selbstverständlich. Ich brauche das nicht auszuführen.
Ja, wo leben wir? Und was habe ich dazu beigetragen, dass ich gerade hier geboren wurde. In einem Land, das über lange Zeit von Krieg verschont wurde. Warum geht es uns so gut? Ich meine, das Entscheidende haben wir Schweizerinnen und Schweizer nicht gemacht, das Entscheidende haben wir erhalten. Ich glaube, der 1. August ist nicht in erster Linie da, um uns gegenseitig auf die Schulter zu klopfen und zu sagen gut gemacht, weiter so dann kann nichts schief gehen. Ich meine, der 1. August sollte uns in erster Linie dankbar und demütig stimmen. Ich bin mir bewusst: dankbar und demütig, das tönt nicht sehr sexy und steht in starkem Kontrast zu den gängigen Parolen wie Gewinn, Genuss und Geiz.
Aber wenn wir die Frage auch auf die Zukunft beziehen. Also wird es uns auch in Zukunft gut gehen? Dann bin ich überzeugt, dass die Wörter Dank und Demut langlebiger sind und eine gute Zukunft eher begünstigen.
Wenn wir zurückblicken nach 1291, dann kann man als Redner verschiedenste Werte aus dieser Zeit hervorstreichen. Einige Redner werden die Freiheit hochloben, andere werden die Unabhängigkeit preisen und dritte den Zusammenhalt verschiedener Kulturen. Erlauben Sie mir, dass ich eine andere Dimension betone. Es ist die Einleitung, die noch heute am Anfang steht. Dank und Demut an sich sind leer ohne Gottesbezug. Wem soll ich denn danken, dass es mir gut geht, wenn nicht Gott. Welche Autorität soll ich denn uneingeschränkt anerkennen, wenn nicht die des Allmächtigen? Dass in unserer Verfassung dieser Bezug zum Schöpfer besteht, finde ich nicht nur äusserst wertvoll, es hilft uns eben gerade in Hinblick auf unsere Selbstbeschränkung als Menschen. Unser Wohlstand ist in erster Linie Geschenk. „Im Namen Gottes des Allmächtigen“ hilft uns dankbar und demütig zu sein. Und ich sehe gerade in diesen beiden Haltungen eine Antwort auf die Frage: Warum geht es uns eigentlich so gut? Ein dankbares Herz sieht das Gute besser. Ein demütiger Mensch ist bereit zu empfangen. Solche Werte und Haltungen kann man vermitteln. Ich habe einen 2 ½-jährigen Sohn und mache mit ihm, was die Eltern unter Ihnen bestimmt überall getan haben. Immer wieder kommt meine Frage: „Wie sagst du?“ Merci! Ich hoffe, dass es nicht nur beim Wort bleibt, sondern auch zu einer Haltung heranwächst: Dankbarkeit.
Ich habe mit den Einwohnerzahlen angefangen und ich werde auch damit abschliessen. Oder besser gesagt mit den Schülerzahlen. In der Zeitung konnte man lesen: „Aufgrund sinkender Schülerzahlen in den Gemeinden Fahrni, Eriz, Buchholterberg, Unterlangenegg, Oberlangenegg und Wachseldorn soll die Schulraumsituation angepasst werden. Ohne eine Anpassung sind Klassenschliessungen unumgänglich. … Diese Schulsituation verlangt nach einer vermehrten Zusammenarbeit unter den Gemeinden des Sekundarschulverbandes. … Alle Schüler der Oberstufe aus den Gemeinden werden an einem Standort unterrichtet.“ Es geht also um ein Oberstufenzentrum. Ich kann die Unterlangenegger beruhigen: Im Jahr 2005 gab es in der Gemeinde auf 10 Geburten nur 7 Todesfälle; an euch kann es nicht liegen. Oder doch? im selben Jahr sind nämlich 8 Menschen mehr weg- als hinzugezogen. Wie auch immer, ich kann nur wiederholen, was ich am Anfang gesagt habe: Unterlangenegg ist mir sympathisch, weil es so ausgewogen ist. Hinsichtlich des Oberstufenzentrums wurden im Internet nämlich Chancen und Ängste einander gegenüber gestellt: Ergebnis: Fast ebensoviele Chancen werden in dem neuen Projekt gesehen. Und weil wir heute den Blick aufs Positive richten wollen, nenne ich einige dieser Chancen, so einseitig will ich heute sein: Jahrgangsklassen möglich, tiefere Bildungskosten, mehr Wahlfächer, reger Austausch zwischen den Lehrpersonen, höhere Qualität durch Fachlehrkräfte, attraktive Infrastruktur (z.B. Sporthalle). Wie auch immer ihr an der Urne entscheiden werdet, eines bleibt sich gleich: Schweizer Schüler haben es gut. Sie haben einen vollen Magen, funktionstüchtiges Material und qualifizierte Mathelehrer. Warum geht es uns eigentlich so gut? Ich wünsche Ihnen allen einen festlichen und dankbaren Abend! Merci!

Donnerstag, 19. Juli 2007

offizielles Wahlkampfbild 2007

 
Posted by Picasa

Verkehrte Welt

In Wales erkrankt ein Bulle an Tuberkulose und soll getötet werden, weil er sonst andere Tiere oder auch Menschen anstecken könnte. Es handelt sich nicht um irgendeinen „Munni“. Der Stier gehört einem hinduistischen Kloster und gilt als heiliges Tier, da er den Bullen des Gottes Shiva repräsentieren soll. Verständlich, dass sich die Mönche wehren. Der Anwalt des Klosters sieht in der Tötung des Stieres einen Verstoss gegen die Menschenrechte: die Meinungs- und Religionsfreiheit würden verletzt. Das Oberste Gericht in Cardiff hat nun dem Anwalt insofern Recht gegeben, als das Tier vorerst noch einmal untersucht werden muss und überprüft werden soll, ob wirklich eine Gefahr vom kranken Tier ausgehe.
Was sich in unseren Tagen in Westeuropa abspielt kommt mir wie eine verkehrte Welt vor. Da wird um ein Tierleben gekämpft, indem 20'000 Unterschriften gesammelt werden, während allein in der Schweiz an jedem Arbeitstag (!) so viele ungeborene Kinder abgetrieben werden, dass diese zwei Schulklassen füllen könnten. Damit ist Abtreibung in der Schweiz nach Herz-/ Kreislaufversagen und Krebs die dritt häufigste Todesursache. Dies geschieht in einem Land, welches in seiner Verfassung in Artikel 10 aussagt: „Jeder Mensch hat das Recht auf Leben.“ Gleichzeitig beklagt – nicht nur – die Schweiz einen drastischen Geburtenrückgang. 1970 hatten wir letztmals eine Geburtenziffer von 2,1 Kind pro Frau, welche eine Gesellschaft hier langfristig überleben lässt. Heute sind wir bei einer Geburtenziffer von 1,4. Falls diese nicht steigen sollte, gibt es die Schweizer innerhalb von acht Generationen nicht mehr.
Ich meine nicht, dass die Schweizer für das Heil der Welt von alles entscheidender Bedeutung wären. Zuwanderung würde die Schweiz bestimmt weiter bevölkern. Dass die Menschenrechte jedoch für einen „heiligen Stier“ Geltung haben sollen, während in ganz Europa Gesetze bestehen, die gegen ebendiese verstossen und das Leben von Ungeborenen vernichten, sollte eigentlich uns alle wachrütteln!

Donnerstag, 26. April 2007

Suizid oder weiter leben

Vor einigen Jahren erlaubte ich mir, in einem Leserbrief die Praxis der so genannten Sterbehilfeorganisationen kritisch zu kommentieren. Ich schrieb, dass es skandalös sei, wenn nun sogar psychisch-kranken Menschen der Todesbecher angesetzt würde. Es dauerte nicht lange, und ich erhielt Post vom Leiter von „Dignitas“. Darin schob er mir die Verantwortung für etliche Selbsttötungen zu, weil meine Haltung, darin etwas Falsches zu sehen, Menschen geradezu in den Suizid treiben würde.
Fördert denn eine ablehnende Haltung tatsächlich den Suizid bei gefährdeten Personen? Ich denke nicht. Allerdings sehe ich die Gefahr, dass solche Themen wie der Suizid allzu oft tabuisiert werden. Gerade wenn ich diesen Weg aus dem Leben zu gehen nicht als Option anbiete, sollte ich trotzdem explizit über die Möglichkeit reden. Es totzuschweigen ist bestimmt problematisch und kontraproduktiv.
Viel wichtiger aber scheint mir das Gespräch über die Probleme und Schwierigkeiten, welche einen Menschen zu diesem Ausgang bewegen. „Darüber sprechen heisst: Leben retten“, sagt ein Pfarrerkollege von mir. So haben denn Psychiater, welche schwerkranke Menschen begleiten, festgestellt, dass allein die Tatsache, mit betroffenen Menschen vermehrt über ihre Situation zu sprechen, den Sterbewunsch grösstenteils verschwinden liess.
Neben körperlichen Schmerzen, die heute durch palliative Pflege meist erträglich gemacht werden können, ist die Einsamkeit und der psychische Schmerz die grosse Herausforderung. Sind wir bereit, uns Zeit zu nehmen für unsere Angehörigen, unsere Nachbarn und unsere Freunde in Not? Sind wir bereit fürs offene Gespräch und die liebevolle Zuwendung, die in unserer Zeit nötiger denn je ist?

Donnerstag, 1. März 2007

Steuern erklären vieles

Die Saison der Steuererklärung geht in zwei Wochen zu Ende. Für mich ist diese Zeit nicht so stressbeladen wie für andere. Ich jongliere gerne mit Zahlen, und meine Steuererklärung ist einfach. Welchen Zugang wir auch immer zur Steuererklärung haben, sie zeigt uns: Wie gehst du mit Geld um? Wie viel hast du verdient? Wie viel hast du ausgegeben? Wie viel hast du weitergegeben? Bei all diesen Fragen kommt zum Ausdruck, welchen Stellenwert die Finanzen in meinem Leben spielen. Gerade die Steuererklärung trägt das Potenzial in sich, uns auch Sorgen zu bereiten: Werde ich viele Steuern bezahlen müssen? Habe ich an alle Abzüge gedacht? Wie könnte ich es anstellen, dass ich noch weniger an den Staat abgeben muss?

Stattdessen könnten wir die Sache mit Gelassenheit angehen. Ein christlicher Unternehmer hat mich einmal mit folgender Aussage beeindruckt: „Ich bin stolz auf einen hohen Steuerbetrag, das zeigt mir, dass wir gut gearbeitet haben und dass Gott uns viel Gelingen geschenkt hat. Es ist nichts als recht, wenn ich nun die öffentliche Hand entsprechend für die in Anspruch genommenen Dienstleistungen entschädige.“ Um eine solche Überzeugung wirklich leben zu können, braucht es nicht in erster Linie viel Geld, sondern eine gesunde Beziehung zu „Geld und Geist“. Dass Geld in unserer Gesellschaft oftmals überschätzt wird, zeigt folgende Beobachtung: Bei uns am Thuner Stadtrand gibt es einen Auto-Tempel, da werden Autos verehrt. In verschiedensten Orten habe ich Bank-Tempel mit grossen Säulen und marmorartigem Stein gesehen, da muss wahrscheinlich Geld angebetet werden. Die Frage „Wo ist mein Tempel?“ zeigt mir, wie gesund mein Verhältnis zu Finanzen und auch meine Beziehung zu Gott ist. Eine gesunde Gottesbeziehung ist geprägt von Vertrauen zum Schöpfer, der mich versorgt, auch im Leben nach der Steuererklärung. Lassen Sie sich doch von Ihrer Steuererklärung zu geistlichem Wachstum anregen: „Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Fraß zerstören und wo Diebe durchgraben und stehlen; sammelt euch aber Schätze im Himmel (…). Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein“ (Jesus gemäss Matthäusevangelium 6,19-21).