Dienstag, 31. Juli 2007

1. August in Unterlangenegg BE

Die Schweiz – beschenkt mit einem wertvollen Land


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Gäste

Unterlangenegg ist mir sympathisch. Nicht einfach, weil ich heute eingeladen wurde. Unterlangenegg ist eine sehr ausgewogene Gemeinde; jedenfalls was die Geschlechter angeht: Von den 912 Einwohnern bei der letzten Zählung (2006) waren nämlich genau 456 Männer und 456 Frauen. Ich weiss nicht, wie Sie das geschafft haben. Jedenfalls gefallen mir ausgewogene Menschen und ausgewogene Gemeinden, auch wenn Sie hier wahrscheinlich nicht viel Schuld an dem Zustand tragen. Aber haben Sie gewusst, dass Unterlangenegg eine Bevölkerungsentwicklung hat, die im Sinken begriffen ist? Fünf Jahre zuvor hatte Unterlangenegg noch 940 Einwohner. Seither geht es kontinuierlich bergab. Und jetzt könnte ich an unserem Nationalfeiertag weiterfahren mit Schlagzeilen, die bergab führen. Ich könnte über die Probleme der Sozialversicherungen reden, über deren Missbrauch, wie jüngst wieder bekannt wurde. Ich könnte über die steigenden Gesundheitskosten, über die Jugendgewalt, über die Pornografie unter Minderjährigen oder über zu hohe Steuern sprechen. Aber das lasse ich für den Moment bleiben. Nicht weil ich Angst habe Ihnen die Feststimmung zu stehlen, sondern weil ich es wichtig finde, dass wir den Blick – gerade als Schweizerinnen und Schweizer, als Menschen, welche in diesem wunderbaren Land leben – auf das Gute, auf den Wohlstand, auf das Segensreiche richten sollten. Viel zu schnell sind wir mit unseren Gedanken immer wieder bei dem was stört, drückt und schwer aufliegt. Der Focus auf das, was gelingt und angenehm ist, sollte gerade am 1. August nicht verpasst werden.

Manchmal muss man weit reisen, um eine nahe liegende Erkenntnis zu machen. Darin ging es Bundesrat Merz und mir ähnlich. In einem Interview Mitte Juli sagte Herr Merz, dass ihn seine Zeit in Südamerika verändert und geprägt habe. Seither trage er z.B. immer eine kleine Bibel mit sich. Dies tat er auf Grund der vielen Entführungen, damit er im Falle eine gute Lektüre dabei habe. Die Gewohnheit ist geblieben. Ich war nur einige Monate in Südamerika (Peru, Kolumbien), aber auch mich hat diese Zeit verändert. Ich schaue die Schweiz, die ich doch meinte zu kennen, mit anderen Augen an. Solche Reisen als Schweizer auf anderen Kontinenten, insbesondere in so genannten 3. Welt-Ländern, lassen einen automatisch vergleichen. Und je nachdem, mit was ich die Schweizerischen Verhältnisse vergleiche, werden ganz unterschiedliche Emotionen und Gefühle geweckt. Eine grosse Dankbarkeit und Demut wird in mir wach, wenn ich die Wohn- und Arbeitsverhältnisse in Lima am Stadtrand mit denen in Thun am Stadtrand vergleiche. Dort Hütten aus Stroh, Blech und Karton, hier das Minergie-Standard-Haus mit Wärmepumpe. Dort der Familienvater, der im Bus Bonbons verkauft, hier das gut gefederte Sozialsystem, das auch Familien die Existenz ohne Arbeit sichert.
In Kolumbien ist es auch für Mittelschichthaushalte nicht selbstverständlich, dass Strom und Wasser fliesst. Immer wieder kommt es zu längeren Unterbrüchen. Hier liest man es in allen Zeitungen, wenn kurze Zeit keine Elektrizität vorhanden ist. Dort kämpft die Politik und Wirtschaft mit unvorstellbarer Dichte von Korruption (fast in ganz Südamerika über 50%). In der Schweiz sind 9 von 10 Partnern vertrauenswürdig.
Man könnte nun auch hier fortfahren mit ergreifenden Zahlen zu Hunger, Aids und Krieg, aber wie gesagt, ich möchte den Focus heute auf das Positive richten. Nochmals zurück zu unserem Finanzdirektor Merz. Er wurde gefragt, welche Frage er den Schweizern am 1. August stellen würde. Er meinte darauf im Wissen um all die sozialen Probleme hier: „Warum haben wir eigentlich das, was wir haben? (…) Ich glaube, man darf schon immer wieder die Frage stellen: Warum geht es uns so gut? Und unter welchen Bedingungen wird es uns auch zukünftig so gut gehen?“
Ich fand diese Frage für den 1. August sehr passend. Warum geht es uns so gut? Und ich möchte Sie einladen, diese Frage mit in den Abend des Nationalfeiertags zu nehmen. Wieso nicht beim Kaffee, beim Feuer oder beim Hot Dog dieser Frage etwas nachgehen? Warum haben wir eigentlich das, was wir haben? Warum geht es uns eigentlich so gut?
• Ist es unser Fleiss, unser Wille unsere Einsatzbereitschaft? Die mag bestimmt etwas dazu beitragen.
• Ist es unsere Intelligenz, unsere Cleverness, unsere Kreativität? Auch das ist bestimmt sehr hilfreich. Aber diese Antworten versagen bald einmal, wenn wir uns überlegen, wo wir leben.
• Die wichtigste Ressource, das Wasser. Wären wir am selben Ort ohne unser Wasserschloss in den Alpen?
• Das gemässigte Klima (solange es noch gemässigt ist), ist es nicht eine ideale Umgebung für Wohlstand: diese Temperaturen, dieser Niederschlag, dieser Wind. Aber gerade hier merken wir, ein gemässigtes Klima ist überhaupt nicht selbstverständlich. Ich brauche das nicht auszuführen.
Ja, wo leben wir? Und was habe ich dazu beigetragen, dass ich gerade hier geboren wurde. In einem Land, das über lange Zeit von Krieg verschont wurde. Warum geht es uns so gut? Ich meine, das Entscheidende haben wir Schweizerinnen und Schweizer nicht gemacht, das Entscheidende haben wir erhalten. Ich glaube, der 1. August ist nicht in erster Linie da, um uns gegenseitig auf die Schulter zu klopfen und zu sagen gut gemacht, weiter so dann kann nichts schief gehen. Ich meine, der 1. August sollte uns in erster Linie dankbar und demütig stimmen. Ich bin mir bewusst: dankbar und demütig, das tönt nicht sehr sexy und steht in starkem Kontrast zu den gängigen Parolen wie Gewinn, Genuss und Geiz.
Aber wenn wir die Frage auch auf die Zukunft beziehen. Also wird es uns auch in Zukunft gut gehen? Dann bin ich überzeugt, dass die Wörter Dank und Demut langlebiger sind und eine gute Zukunft eher begünstigen.
Wenn wir zurückblicken nach 1291, dann kann man als Redner verschiedenste Werte aus dieser Zeit hervorstreichen. Einige Redner werden die Freiheit hochloben, andere werden die Unabhängigkeit preisen und dritte den Zusammenhalt verschiedener Kulturen. Erlauben Sie mir, dass ich eine andere Dimension betone. Es ist die Einleitung, die noch heute am Anfang steht. Dank und Demut an sich sind leer ohne Gottesbezug. Wem soll ich denn danken, dass es mir gut geht, wenn nicht Gott. Welche Autorität soll ich denn uneingeschränkt anerkennen, wenn nicht die des Allmächtigen? Dass in unserer Verfassung dieser Bezug zum Schöpfer besteht, finde ich nicht nur äusserst wertvoll, es hilft uns eben gerade in Hinblick auf unsere Selbstbeschränkung als Menschen. Unser Wohlstand ist in erster Linie Geschenk. „Im Namen Gottes des Allmächtigen“ hilft uns dankbar und demütig zu sein. Und ich sehe gerade in diesen beiden Haltungen eine Antwort auf die Frage: Warum geht es uns eigentlich so gut? Ein dankbares Herz sieht das Gute besser. Ein demütiger Mensch ist bereit zu empfangen. Solche Werte und Haltungen kann man vermitteln. Ich habe einen 2 ½-jährigen Sohn und mache mit ihm, was die Eltern unter Ihnen bestimmt überall getan haben. Immer wieder kommt meine Frage: „Wie sagst du?“ Merci! Ich hoffe, dass es nicht nur beim Wort bleibt, sondern auch zu einer Haltung heranwächst: Dankbarkeit.
Ich habe mit den Einwohnerzahlen angefangen und ich werde auch damit abschliessen. Oder besser gesagt mit den Schülerzahlen. In der Zeitung konnte man lesen: „Aufgrund sinkender Schülerzahlen in den Gemeinden Fahrni, Eriz, Buchholterberg, Unterlangenegg, Oberlangenegg und Wachseldorn soll die Schulraumsituation angepasst werden. Ohne eine Anpassung sind Klassenschliessungen unumgänglich. … Diese Schulsituation verlangt nach einer vermehrten Zusammenarbeit unter den Gemeinden des Sekundarschulverbandes. … Alle Schüler der Oberstufe aus den Gemeinden werden an einem Standort unterrichtet.“ Es geht also um ein Oberstufenzentrum. Ich kann die Unterlangenegger beruhigen: Im Jahr 2005 gab es in der Gemeinde auf 10 Geburten nur 7 Todesfälle; an euch kann es nicht liegen. Oder doch? im selben Jahr sind nämlich 8 Menschen mehr weg- als hinzugezogen. Wie auch immer, ich kann nur wiederholen, was ich am Anfang gesagt habe: Unterlangenegg ist mir sympathisch, weil es so ausgewogen ist. Hinsichtlich des Oberstufenzentrums wurden im Internet nämlich Chancen und Ängste einander gegenüber gestellt: Ergebnis: Fast ebensoviele Chancen werden in dem neuen Projekt gesehen. Und weil wir heute den Blick aufs Positive richten wollen, nenne ich einige dieser Chancen, so einseitig will ich heute sein: Jahrgangsklassen möglich, tiefere Bildungskosten, mehr Wahlfächer, reger Austausch zwischen den Lehrpersonen, höhere Qualität durch Fachlehrkräfte, attraktive Infrastruktur (z.B. Sporthalle). Wie auch immer ihr an der Urne entscheiden werdet, eines bleibt sich gleich: Schweizer Schüler haben es gut. Sie haben einen vollen Magen, funktionstüchtiges Material und qualifizierte Mathelehrer. Warum geht es uns eigentlich so gut? Ich wünsche Ihnen allen einen festlichen und dankbaren Abend! Merci!

Donnerstag, 19. Juli 2007

offizielles Wahlkampfbild 2007

 
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Verkehrte Welt

In Wales erkrankt ein Bulle an Tuberkulose und soll getötet werden, weil er sonst andere Tiere oder auch Menschen anstecken könnte. Es handelt sich nicht um irgendeinen „Munni“. Der Stier gehört einem hinduistischen Kloster und gilt als heiliges Tier, da er den Bullen des Gottes Shiva repräsentieren soll. Verständlich, dass sich die Mönche wehren. Der Anwalt des Klosters sieht in der Tötung des Stieres einen Verstoss gegen die Menschenrechte: die Meinungs- und Religionsfreiheit würden verletzt. Das Oberste Gericht in Cardiff hat nun dem Anwalt insofern Recht gegeben, als das Tier vorerst noch einmal untersucht werden muss und überprüft werden soll, ob wirklich eine Gefahr vom kranken Tier ausgehe.
Was sich in unseren Tagen in Westeuropa abspielt kommt mir wie eine verkehrte Welt vor. Da wird um ein Tierleben gekämpft, indem 20'000 Unterschriften gesammelt werden, während allein in der Schweiz an jedem Arbeitstag (!) so viele ungeborene Kinder abgetrieben werden, dass diese zwei Schulklassen füllen könnten. Damit ist Abtreibung in der Schweiz nach Herz-/ Kreislaufversagen und Krebs die dritt häufigste Todesursache. Dies geschieht in einem Land, welches in seiner Verfassung in Artikel 10 aussagt: „Jeder Mensch hat das Recht auf Leben.“ Gleichzeitig beklagt – nicht nur – die Schweiz einen drastischen Geburtenrückgang. 1970 hatten wir letztmals eine Geburtenziffer von 2,1 Kind pro Frau, welche eine Gesellschaft hier langfristig überleben lässt. Heute sind wir bei einer Geburtenziffer von 1,4. Falls diese nicht steigen sollte, gibt es die Schweizer innerhalb von acht Generationen nicht mehr.
Ich meine nicht, dass die Schweizer für das Heil der Welt von alles entscheidender Bedeutung wären. Zuwanderung würde die Schweiz bestimmt weiter bevölkern. Dass die Menschenrechte jedoch für einen „heiligen Stier“ Geltung haben sollen, während in ganz Europa Gesetze bestehen, die gegen ebendiese verstossen und das Leben von Ungeborenen vernichten, sollte eigentlich uns alle wachrütteln!