Dienstag, 31. Mai 2011

Kinder - der Stadt Bestes

„Das Wievielte? Das vierte Kind!?“ Die Sprüche im Sportverein sind mir sicher. „Aber ihr wisst, wie das funktioniert, oder?“ Bei den meisten Formularen passen vier Kinder noch grad drauf. Beim Autokauf sinkt die Auswahl, aber steigt der Preis. Und die letzte Hand der Eltern beim Spazieren ist nun vergeben. Wieso eigentlich heute noch Kinder kriegen, und zudem noch so viele?
Dass die Frage überhaupt gestellt wird, ist eigentlich komisch. Meistens stellen wir unser eigenes Leben nicht so sehr in Frage wie jenes derer, die noch nicht geboren worden sind. Aber in der Tat gibt es einiges, das zukünftiges Leben in Frage stellt.
Zuerst ganz existenziell, können wir uns Kinder überhaupt leisten? Ab dem vierten Kind steigt im Kanton Bern das Armutsrisiko markant an. Es ist fünfmal höher als bei einem Ehepaar ohne Kinder. Dann ganz grundsätzlich, erträgt diese ausgebeutete Erde noch mehr Menschen? Wenn jeder Mensch ein Schweizer wäre, hätten wir drei oder vier Planeten nötig, so viele Ressourcen verschwenden wir. Und schliesslich ganz persönlich, wäre es nicht besser, wenn den ungeborenen Kindern all jenes Leid erspart bleibt, das ihnen ganz sicher wartet?
Die Menschen, welche die Worte des Propheten Jeremia vor vielen Jahren hörten, hatten nicht die gleiche Ausgangslage. Aber als Asylanten in der Fremde war sie auf keinen Fall besser als unsere: „Baut Häuser und richtet euch dort zum Wohnen ein. Legt Äcker und Gärten an und freut euch an den Früchten, die ihr erntet. Heiratet und zeugt Söhne und Töchter. Sucht für eure Söhne Frauen und verheiratet eure Töchter, damit sie Söhne und Töchter zur Welt bringen.“ Und dann die bekannten Sätze: „Suchet der Stadt Bestes!“ und „Denn wenn die Stadt, in der ihr lebt, Frieden hat, dann habt auch ihr Frieden.“
Kinder zeugen zum Wohlergehen einer Gesellschaft, ist das ein angemessenes Motiv? Ich gebe zu, es ist nicht das vordergründigste, weshalb ich bereit bin Verantwortung als Vater zu übernehmen. Ganz klar, es ist eine riesige Freude und sehr erfüllend, die Entwicklung eines Kindes mit zu erleben, die Gemeinschaft in der Familie zu erfahren und zu sehen wie eigenständige Persönlichkeiten heranwachsen. Aber bei allem Kinderglück und im Bewusstsein, dass es ein grosses Geschenk ist Eltern zu werden, sehe ich auch eine Verantwortung unserer Generation Kinder zu zeugen. Denn sie werden in der Tat dafür zuständig sein, ob ich als Greis in Frieden leben kann oder nicht…
By the way: Wir warten noch auf unser Jüngstes (31.05.11,15.35h).

Montag, 23. Mai 2011

Endzeit, na und?

Sie ist allgegenwärtig, die Bemerkung von Christen, dass nun allen klar sein müsse, dass wir in der Endzeit lebten. Dabei dient die Euro-Krise genauso als Begründung wie Fukushima oder der arabische Umbruch. Aber was wird eigentlich genau bezweckt mit der Aussage, wir lebten in der letzten Zeit? Endzeit, na und was jetzt? Soll ich mich weniger gegen Ungerechtigkeit einsetzen, weil wir in der Endzeit leben? Soll ich mich nicht mehr um die Bewahrung der Schöpfung kümmern, weil wir in der letzten Zeit leben? Soll ich mich nicht mehr für die Hungernden engagieren, weil das Ende nah ist? Soll ich keine Familie mehr gründen? Oder soll ich statt des Evangeliums Gericht predigen? Das sei ferne, würde Paulus schreiben, der wie wir in der Endzeit lebte; im letzten Zeitabschnitt der Heilsgeschichte Gottes. Vor mehr als 2000 Jahren hat die Endzeit mit dem Kommen des Messias Jesus begonnen. Manchmal kommt es mir so vor, als wollten die Apokalyptik-Freaks ihre Bibelkenntnis zur Schau stellen, wenn im aktuellen Geschehen biblische
Prophetien erkennt werden. Aber eigentlich sollten sie ihre Bibel besser lesen: Wenn Jesus von der letzten Zeit zu seinen Jüngern sprach, dann deshalb weil er in ihnen Hoffnung wecken wollte. „Erschreckt nicht!“, sagt er ihnen. Jesus ermutigt die Jünger seinen Auftrag treu, ausdauernd und wachsam wahr zu nehmen: „Und es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker...“ Es haben sich schon viele Christen durch all die Jahrhunderte in einem Endzeitfahrplan versucht, und sie lagen alle falsch. Wenn uns erschreckende Ereignisse an etwas erinnern sollten dann daran, dass wir Gottes Liebe für diese Welt predigen und leben sollen!