Samstag, 13. November 2010

Kirche wird zum Grab

In Zeitungen ist zu lesen: „Während der Sonntagabend-Messe haben Bewaffnete eine Kirche in der irakischen Hauptstadt gestürmt und rund 120 Geiseln genommen. Als eine Elitetruppe sie befreien will, zünden die Terroristen ihre Granaten und Sprengstoffgürtel. Mindestens 58 Geiseln und Sicherheitskräfte sterben.“ Eine tragische Meldung der letzten Tage unter vielen? Nicht für mich. Letzte Woche wurde ich von einer irakischen Familie eingeladen, die zu ebendieser Kirche – der assyrisch-katholischen - gehörte, bevor sie in der Schweiz Asyl bekam. Wer weiss, was mit ihnen wäre, wenn sie sich nicht für die Flucht in die Schweiz entschieden hätte. Diese Nachricht aus Bagdad wird plötzlich lebendig, unmittelbar und bewegend. Es ist nur eines von unzähligen Beispielen rund um die Welt, in welchen Menschen - nur weil sie Christen sind – umgebracht werden. Aus erster Hand erfahre ich, was es bedeutet in Bagdad heute als Christ zu leben: „Wir waren Aussenseiter in unserem Quartier. Alle anderen Familien waren Muslime und nannten uns immer nur ‚die Christen’.“ Wenn es dunkel wurde, wagten sie sich nicht mehr auf die Strasse. Auf dem Markt erfahren sie Benachteiligungen. Und schliesslich entkommt der älteste Sohn nur knapp einem Kidnapping-Versuch durch Schiiten. Das ist denn schliesslich auch der Tropfen, der das Fass für die Familie zum Überlaufen bringt. Sie entscheiden sich, ihre Heimat zu verlassen. Eine Fahrt ins Ungewisse ist es, ohne ein klares Ziel vor Augen zu haben. Aber einfach nicht mehr dort bleiben, wo das eigene Leben bedroht ist, weil man den christlichen Glauben lebt. Ich bin bewegt, wie ich vom Schicksal dieser Familie höre und lese die Meldungen über den Irak seither anders. Weltweit gibt es leider viele ähnliche Tragödien. Etwa 100 Millionen Christen in über 50 Ländern werden wegen ihres Glaubens von Misshandlungen, Gefängnis oder Tod bedroht. 80 Prozent der Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, sind Christen und gehören damit der grössten Weltreligion an. An diesem Wochenende begehen etliche Kirchen den „Sonntag der verfolgten Kirche“. Sie informieren über die Situationen in verschiedenen Ländern und beten für die verfolgten Glaubensgeschwister. Wenn Sie dies auch tun möchten, finden Sie hier Hilfestellungen dazu: www.verfolgung.ch Ich bin überzeugt, danach werden auch Sie die Zeitung anders lesen!

Dienstag, 2. November 2010

Lösungen aus der Mitte

Allen Kandidierenden für den Thuner Gemeinderat wurden – mit Ausnahme der letzten – dieselben Fragen gestellt.

Warum soll das Volk gerade Sie wählen, was qualifiziert Sie für dieses Amt?
Ich bringe politische Erfahrung als Grossrat mit und kenne das Bildungs- und das Sozialwesen als Lehrer und Pfarrer aus nächster Nähe. In der kantonalen Justizkommission und in kirchlichen Gremien habe ich zudem Führungserfahrung gesammelt.

Wofür würden Sie sich nach Ihrer Wahl in den Gemeinderat zuerst einsetzen?
Für ein funktionierendes Sozialwesen im Einklang mit gesunden Stadtfinanzen.

Wo würden Sie investieren?
ÖV und Langsamverkehr. Das Verkehrsproblem ist noch nicht gelöst.

Wo würden Sie den Sparstift ansetzen?
Zuerst gilt es, zweckmässig und schlicht zu bauen. Dann würde ich bei gewissen Kulturprojekten sparen. Kulturschaffende finden auch in der Wirtschaft und bei Privaten Sponsoren.

Woran krankt Thuns Politik?
Am gleichen wie die kantonale und nationale Politik: Die politischen Blöcke links und rechts blockieren. Es braucht Lösungsorientierung aus der Mitte, keine unrealistischen und populistischen Initiativen.

Was bringt Sie zum Jubeln?
Schöner Fussball und Fortschritte meiner Kinder in ihrer Entwicklung.

Wer ist für Sie Thunerin oder Thuner des Jahres 2010?
Alle, die täglich zu einer Zeit aufstehen, wo ich noch tief schlafe: Der Zeitungsverträger, der Bäcker, der Buschauffeur, Spitalangestellte etc…

Welchen Thuner möchten Sie auf den Mond schiessen?
Unverantwortliche Verkehrsteilnehmer, die mit massiv überhöhtem Tempo durch Wohn- oder Schulquartiere rasen.

Welchen Traum möchten Sie verwirklichen?
Ich bin ein unverbesserlicher Weltverbesserer, deshalb träume ich davon, dass unsere Generation Kinder prägt, die nicht nur an sich selber denken, sondern ihr Leben für andere einsetzen.

Schlussfrage: Sie erzielten bei den Regierungsratswahlen ein gutes Resultat. War das bloss ein Testlauf für die Thuner Exekutive?
Nein. Wie ich im Frühling bereit war, in der Kantonsregierung Verantwortung zu übernehmen, so habe ich auch jetzt das Ziel, Gemeinderat zu werden. (Thuner Tagblatt)