Mittwoch, 25. November 2009

Frei denken


Kein Mensch wünscht sich, gefangen zu sein, auch nicht in seinem Denken. Vielmehr wünschen wir uns Freiheit für unser Denken, Glauben und Reden. Als Christ glaube ich, dass Gott diese Freiheit grundsätzlich allen Menschen schenkt. Und zwar so umfassend, dass der Mensch sogar die Existenz Gottes in Frage stellen kann. Damit ist die von Gott gewährte Freiheit quasi absolut: Die Gedanken sind frei. Das bedeutet aber nicht, dass Gott unsere Gedanken nicht beurteilt und wertet. Im Gegenteil: Jesus sagt in der Bergpredigt, dass Gedanken genau gleich wie Taten vor Gott verwerflich sein können.
Als Gesellschaft haben wir ein Interesse daran, die menschliche Freiheit zu begrenzen. Dort nämlich, wo sie dem Gemeinwohl und dem sozialen Frieden schadet. Wir können keine Gedanken verbieten, aber wir können die Redefreiheit und die Meinungsfreiheit begrenzen. So sind rassistische, Gewalt verherrlichende oder verleumderische Äusserungen nicht erlaubt. In letzter Zeit wurde sehr heiss über Freidenker, Minarette, Plakatwerbung diskutiert. Die Frage stellt sich: Was schadet dem Gemeinwohl, was fördert es?
Gott selber hat uns die Möglichkeit gegeben, seine Existenz in Frage zu stellen. Deshalb muss die Frage auch öffentlich Raum haben. Gleichzeitig müssen in der Öffentlichkeit aber auch klare religiöse Bekenntnisse Platz haben. Gerade die Möglichkeit der öffentlichen Diskussion - der Wettbewerb von Werten - fördert letztlich das Gemeinwohl, wenn nicht manipuliert wird. Sind Christen also die besseren Freidenker? Sie sollten es sein, denn ihre Heilige Schrift sagt: «Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit!» Freiheit von Angst, Freiheit vor Manipulation, Freiheit von Gesetzlichkeit, Freiheit vor Verurteilung. Wer Freiheit so versteht, ist ein wahrer Frei-Denker durch Gott.