Montag, 26. Dezember 2011

Schenken, wozu?

Hand aufs Herz, weshalb beschenken Sie andere? Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir und Sie haben sich gar keine grossen Gedanken darüber gemacht. Nun, andere Menschen haben das Schenken analysiert und interpretiert. In einem Lexikon finde ich nicht weniger als elf Motive, die uns beim Schenken leiten können. Das geht vom Ausdruck der
Dankbarkeit bis hin zum Werbegeschenk, das seinen bestimmten Zweck beim Kunden
erfüllen soll. Schenken wird denn auch als eine soziale Sanktion verstanden, die auf eine soziale Antwort wartet.Wen wundert es da noch, dass selbst unser Obligationenrecht vor 100 Jahren die Schenkung geregelt hat, und seither kommt es bei gewissen
Geschenken also gar zu einem «schuldrechtlichen Vertrag».
Ist das, was wir in den kommenden Tagen also immer wieder tun werden wirklich eine so
komplizierte Sache? Ich mache die Probe aufs Exempel und frage unsere Kinder, weshalb sie denn an Weihnachten andere beschenken würden. Die Antwort kommt postwendend:
«Weil Gott uns an Weihnachten seinen Sohn geschenkt hat, daran sollen unsere Geschenke erinnern. » Sie denken sich vielleicht: Tja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm; Kinder eines Theologen werden dies wohl auch zur Genüge gehört haben. Nun, in der Tat haben wir unsern Kindern nicht nur erzählt von der grossen Gnade Gottes, sondern ihnen auch die entsprechenden Lieder gelernt. So heisst es in einem Weihnachtslied für Kinder: «Ds’gröschte Gschänk vo drWiehnacht ligt nid underem Chrischtboum da. Es isch nid iipackt i Papier, ke Bändel u kes Chärtli dra. Es het’s niemer gchauft u niemer gmacht. S’isch gliich ds’Gröschte vo drWiehnacht… Ja, ds’gröschte Gschänk het Gott üs gmacht a dr erschte Wiehnacht.» Nicht dass ich überzeugt wäre, unsere Kinder – undmich selber – würden keine anderen Motive leiten, wenn wir bald unsere Liebsten beschenken. Aber Weihnachten ist und bleibt für mich die grosse Erinnerung an das grösste Zeichen der Liebe Gottes. «Wie sollte er uns in ihm nicht alles schenken?», schreibt Paulus imRömerbrief 8, 32.Wieso nicht in den Weihnachtstagen diesem Geheimnis nachgehen und di eMotive Gottes zu diesem Geschenk ergründen?