Dienstag, 20. September 2011

Wer weiss, was Gott mit jenen vorhat, die durch dein Eingreifen am Leben bleiben!


Impuls (Tearfund)

Weshalb uns die Kindersterblichkeit etwas angeht


Ein versklavtes Volk wurde in einem fremden Land immer stärker. Der Herrscher fühlte sich bedrängt und zu brutalen Massnahmen gedrängt. Er forderte den Tod aller neugeborenen Knaben des Sklavenvolkes. Doch seine Tochter fasste sich ein Herz als sie beim Baden am Nil eines dieser todgeweihten Babys fand. Sie nahm es auf und rettete es: „Als die Tochter des Pharaos den Korb öffnete, sah sie den weinenden Jungen darin. Sie bekam Mitleid und sagte: ‚Das muss eines der hebräischen Kinder sein‘“ (2. Mose 1,6). Anschliessend machte der fremde Junge Karriere am ägyptischen Hof und nach grossem Auf und Ab führte er schliesslich sein Volk aus der Sklaverei. Mose wurde zum Befreier seines Volkes, weil sich eine der Mächtigen erbarmt hatte und ihm das Leben schenkte.

Was hat diese bekannte Geschichte der Bibel mit dem aktuellen Milleniumsziel zu tun? Wenn wir heute die Kindersterblichkeit in bestimmten Ländern Afrikas oder Asiens anschauen, erschrecken wir und können Parallelen zum Volk Israel in Ägypten erkennen: Etlichen Kindern wird das Lebensrecht verwehrt. Die Kindersterblichkeit gibt an, wie viele von 1000 Kindern vor dem fünften Lebensjahr sterben. In Westeuropa sind es vier. In Angola 175 und in Afghanistan 150 (CIA World Factbook). Viele Kinder in diesen Ländern sind dem Tod geweiht, obwohl kein Tyrann um seine Macht fürchtet.

Der Norden als Pharao?

Zuerst einmal dürfen wir zufrieden feststellen, dass in einigen Ländern seit 50 Jahren die Kindersterblichkeit stark zurückgeht. Peru ist beispielsweise ein Land, wo seit Beginn der Entwicklungszusammenarbeit die Zahlen massiv gesunken sind. Mussten 1960 von zehn Kindern zwei das Leben lassen, bevor sie fünf waren, sind es heute nur noch zwei von hundert Kindern. Aber immer noch stirbt alle drei Sekunden ein Kind an vermeidbaren Krankheiten auf unserem Planeten. Da ist also kein Todesurteil eines Pharao, jedoch jenes einer ungerechten Welt, welche Millionen von Kindern sauberes Wasser, Nahrung oder Medikamente vorenthält.
Ist es übertrieben, wenn ich die wohlhabenden Länder mit dem Pharao Ägyptens vergleiche? Wer wegschaut und sich nicht von diesen sterbenden Kindern zum Handeln bewegen lässt wie die Tochter des Pharao, macht sich in der Tat schuldig. Wir können etwas unternehmen, das zeigen die vergangenen 50 Jahre. Und wir stehen in der Verantwortung, daran erinnern uns die unzähligen Länder des Südens, wo nach wie vor jedes zehnte Kind stirbt.

Jedes Kind ist einzigartig und wertvoll. Mit jedem Menschen hat Gott einen Plan. Wäre die Tochter des Pharao nicht eingeschritten, hätte Mose sein Volk nicht in die Freiheit geführt. Lässt du dich bewegen vom Schicksal unnötig sterbender Kinder? Wer weiss, was Gott mit jenen vorhat, die durch dein Eingreifen am Leben bleiben!
tearinfo okt 2011

Donnerstag, 8. September 2011

Der barmherzige Kosovare

In einer Kleinstadt am Rande der Alpen war ein Mann spätabends zu Fuss unterwegs nach Hause. In einer engen Gasse wird er plötzlich von drei betrunkenen Halbwüchsigen umstellt. Sie belästigen ihn und schlagen sofort auf ihn ein. Wie er am Boden liegt, treten sie ihm in den Unterleib und gegen den Kopf. Er ist bereits bewusstlos, als sie ihm Handy und Portemonnaie nehmen und davon rennen.
Einige Häuser weiter unten verlässt ein Mitglied des Kirchgemeinderats die Sitzung. Der engagierte Mann ist froh, dass er nach den zusätzlichen Stunden ehrenamtlicher Arbeit heimgehen kann. Nach wenigen Schritten sieht er den leblosen Körper am Boden. Zig Gedanken schiessen ihm durch den Kopf. Schnellen Schrittes eilt er zu seinem Auto und fährt in die Nacht davon.
Fast zur gleichen Zeit verlässt eine Parlamentarierin das Rathaus und fährt mit dem Velo nach einer intensiven Sitzung durch die Gasse nach Hause. Als sie den Körper am Boden sieht, denkt sie: „Ein Betrunkener? Oder doch Opfer einer Schlägerei?“ Die Politikerin tritt in die Pedale und macht sich aus dem Staub.
Schliesslich geht ein dritter Mann durch die Gasse. Er stammt aus dem Kosovo und hat seine Arbeit im Restaurant beendet. Er sieht den Mann am Boden, geht zu ihm hin und spricht ihn an. „Er muss schwer verletzt sein“, denkt er. Er lagert ihn richtig und ruft eine Ambulanz. Am nächsten Tag besucht er das Opfer im Spital und erkundigt sich, wie es ihm geht.
So könnte das Gleichnis heute lauten, das Jesus vor 2000 Jahren erzählte, als ihn ein frommer Mann fragte, wer denn sein Mitmensch und damit der Nächstenliebe würdig sei. Nach dem Erzählen dieser Geschichte fragte er zurück: „Wer hat nun am Opfer als Mitmensch gehandelt?“ Jesus zeigte auf: Gottes Liebe kennt keine Grenzen zwischen Einheimischen und Fremden. Und unsere sollte es auch nicht. Nachzulesen ist die Parabel im Lukasevangelium, Kapitel 10.