Mittwoch, 13. März 2013

Die Bibel - falsch und überholt?

„Gott, mag sein, dass so etwas existiert, aber die Bibel als seine Offenbarung und verbindlich zu nehmen, kann das ein vernünftiger Mensch heute noch?“ Die meisten skeptischen Zeitgenossen sind wahrscheinlich zu freundlich, als dass sie dies frei und offen sagen würden. Ich vermute aber, dass solche und ähnliche Gedanken heute viele Menschen bewegen: Die Bibel ist sie nicht eine Aneinanderreihung von Mythen und Legenden? Ist sie nicht altmodisch und kulturell überholt? Wer mit solchen Gedanken vorschnell zufrieden ist, verpasst Erstaunliches.
Qumran-Rolle

Wer sich nämlich die Zeit nimmt verschiedene Kommentare oder Bücher über die Bibel zu lesen, wird Überraschendes feststellen: Zum Beispiel, dass die Texte des Neuen Testamentes, die am besten historisch belegten Quellen sind. Oder dass alleine der Erzählstil dieser Schriften darauf hinweist, dass es Augenzeugenberichte sein müssen und nicht Legenden sein können. Welcher Dichter käme beispielsweise auf die absurde Idee, Frauen als Zeugen der Auferstehung Jesu auftreten zu lassen, im Wissen darum, dass Frauen damals nicht einmal die Glaubwürdigkeit zugemessen wurde vor Gericht aufzutreten. Ja, die Berichte über Kreuzigung, Vergebung und weitere „Ausdrücke von Schwäche“ waren schon zur Zeit der Entstehung dieser Schriften regelrechte Stolpersteine für potenzielle Konvertiten. Welcher Religionsstifter hätte sie von sich aus erfunden, wenn es ihm um einen ansprechenden Glauben gegangen wäre? Der einzig plausible Grund, dass wir in den Evangelien so viele merkwürdige Szenen und Geschichten finden ist der, dass sie tatsächlich geschehen sind.

Soweit so gut, aber wie steht es denn um die überholten Moralvorstellungen in den vielen überlieferten Briefen? Wenn Paulus schreibt: „Ihr Sklaven, gehorcht euren Herren!“ Dann tönt das nicht nur für einen Afroamerikaner sehr befremdend. Aber interessanterweise haben sich gerade viele schwarze Sklaven mit biblischen Texten identifizieren können. 
Wie kam das?
Bibel fürs Smartphone

Vermutlich sind sie nicht bei der ersten Verwirrung stehen geblieben, sondern haben nach den zeitgeschichtlichen Umständen gefragt und dabei gemerkt, dass die Bedeutung eines Sklaven im ersten Jahrhundert nach Christus überhaupt nicht zu vergleichen war mit der brutalen Wirklichkeit des rassistisch motivierten Sklavenhandels des 18. und 19. Jahrhunderts. Mich motiviert gerade die Tatsache, dass der Sklavenhandel schliesslich durch Christen verboten wurde, bei Bibeltexten, die mir komisch vorkommen, umso tiefer in der Zeitgeschichte von damals zu forschen.