Dienstag, 23. Dezember 2008

Josef- Chapeau!

Von katholischer wie auch von evangelischer Seite wird viel Gutes über Maria, die Mutter von Jesus, geschrieben. Aber wie steht es eigentlich um ihren Verlobten, Josef? Dieser Nachkomme von König David ist eine eindrückliche Figur der Weihnachtsgeschichte.
Josef vernimmt wie alle anderen Bürger im Römischen Reich, dass er sich in seinem Heimatort in die Steuerliste eintragen soll. Für ihn bedeutet das gemäss "google map", einen Tag und neun Stunden Weg von Nazareth nach Bethlehem unter die Füsse zu nehmen. Und für diese 157 Kilometer gilt zudem: "Seien Sie vorsichtig! Auf dieser Route gibt es möglicherweise keine Bürgersteige oder Fusswege."
Aber das war nicht die grösste Herausforderung für den jungen Bauunternehmer: Josef war zu dieser Zeit bekanntlich mit Maria verlobt. Das hiess, dass er schon einen Teil des Brautpreises für Maria bezahlt hatte, dass die beiden öffentlich und vor Zeugen einander versprochen worden waren und dass sie sich trotz der arrangierten Partnerschaft noch nie unter vier Augen gesehen hatten.
Hätte sich eine der beiden mit einer anderen Person eingelassen, wäre dies einem Ehebruch gleichgekommen. Im mosaischen Gesetz stand für diesen Fall Todesstrafe durch Steinigung. Zur Zeit Josefs wäre von ihm zumindest verlangt worden, sich von Maria scheiden zu lassen und sie der öffentlichen Schande preiszugeben. Er hätte sie aber auch ohne grosses Aufsehen im Beisein von zwei Zeugen entlassen können. Das war es, was Josef tun wollte, als er von der Schwangerschaft seiner Verlobten erfuhr.
Dann jedoch spricht Gott in einem Traum zu ihm und teilt ihm mit, dass Gott selber das Kind durch den Heiligen Geist zeugte. Den Glaubensschritt, den Josef darauf tut, ist grösser als man denkt. Er ist der erste Mensch, der an die Jungfrauengeburt glaubt. Er bleibt Maria treu. Das hatte nicht nur sexuelle Enthaltsamkeit bis zur Geburt Jesu und die beschwerlichen Umstände in Bethlehem zur Folge, sondern auch die Flucht mit Frau und Kind nach Ägypten. Chapeau!

Samstag, 6. Dezember 2008

Nikolaus und wir Schweizer

Heute vor genau 1722 Jahren wurde in der heutigen Türkei ein Junge geboren. Er hatte ein sehr besonderes Leben. Schon in jungen Jahren ging er ins Kloster und wurde mit 19 Jahren zum Bischof geweiht. Der bis heute bekannte Abt hatte sehr reiche Eltern. Jedes Jahr werden in seinem Namen Kinder beschenkt, weil er sein ganzes Vermögen an arme Menschen gegeben hatte. Sein Mitleid und seine Barmherzigkeit liessen ihn, von seinem unverdienten Vermögen weitergeben, liessen ihn helfen und Not lindern. Was hat Sankt Nikolaus mit uns Schweizern gemeinsam?
Auch wir Schweizer sind Kinder reicher Eltern. Hand aufs Herz! was ist unser Verdienst, dass wir gerade hier geboren sind? Was konnten wir dafür tun, dass wir in einem der reichsten Länder der Erde das Licht der Welt erblickten? Die meisten von uns besuchten zwar keine Klosterschule, aber unser Bildungssystem ist - PISA und Harmos hin oder her - sehr gut. Auch angesichts düsterer Aussichten der Wirtschafts- und Finanzwelt müssen wir nicht darum bangen, ob wir morgen noch genug zu essen und ein Dach über dem Kopf haben.
Der Wohlstand von Sankt Nikolaus bewegte ihn zum Weitergeben und Helfen. Und während vieler Jahre war dies auch die Tradition der Schweiz: Das Rote Kreuz, viele Hilfswerke und auch die öffentliche Hilfe zeigen dies. Nun aber scheint diese Tradition der Solidarität plötzlich ins Stocken zu geraten. Nur sehr zögerlich lässt sich das Bundesparlament bewegen mit mehr Hilfe, die weltweite Armut zu bekämpfen. Aber immerhin hat Nikolaus dieses Jahr mehr zu loben als auch schon. Hat sich doch endlich auch der Nationalrat durchgerungen, 0,5 Prozent des Volkseinkommens ins Auge zu fassen. Noch wird Sankt Nikolaus jedoch mit uns Arbeit haben, denn wir sind noch weit entfernt von den versprochenen 0,7 Prozent, die der Bundesrat vor der UNO zur Halbierung der weltweiten Armut zugesagt hat.