Mittwoch, 8. Februar 2012

Geld und Moral

Geld und Moral beherrschen seit Monaten die öffentliche Diskussion; nicht nur in der Schweiz, nein in ganz Europa und auch in Übersee. Es stechen riesige Unterschiede bei Einkommen und Vermögen ins Auge, ebenso wie immense Schuldenberge, welche darauf hinweisen dass hier eine (westliche) Gesellschaft über ihren Verhältnissen lebt. Das Thema regt zum Nachdenken an. Welche Kernaussagen macht eigentlich die Bibel zum Thema Geld? Sie sagt nicht pauschal, Geld und Reichtum seien einfach schlecht oder gut. Und trotzdem gibt es herausfordernde Aussagen zu Geld und Moral. Eine schwerwiegende Aussage von Jesus steht in Matthäus 6: „Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz… Niemand kann zwei Herren dienen: … Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“
Auch wenn Jesus hier provozierend Gott und Mammon einander ausschliessend gegenüber stellt, wird Reichtum und Wohlstand nicht einfach verurteilt. Jesus weist aber auf die korrumpierende Macht des Geldes hin, wenn es zum wichtigsten Faktor im Leben geworden ist. Das muss uns beunruhigen: Hat mich das Geld so sehr im Griff, dass es meine ethischen Überzeugungen beeinflusst, ja über den Haufen wirft? Oder bewahre ich meine moralische Unabhängigkeit auch dann, wenn mir Geldsummen möglich wären?
Nachdem bisher öffentlich vor allem darüber gestritten wurde, ob solche moralischen Massstäbe von Führungskräften mit grosser Verantwortung erwartet werden dürfen, möchte ich Herr und Frau Schweizer mit diesem Anspruch konfrontieren: Prüfen wir unsere Motive im Alltag? Bin ich in meinen Gedanken und Entscheidungen primär von finanziellen Faktoren beeinflusst? Oder ordne ich Anreize zu mehr Vermögen letztlich Gottes Geboten unter, die mich dazu verpflichten das Gemeinwohl höher zu gewichten als mein Privatkonto?

Montag, 26. Dezember 2011

Schenken, wozu?

Hand aufs Herz, weshalb beschenken Sie andere? Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir und Sie haben sich gar keine grossen Gedanken darüber gemacht. Nun, andere Menschen haben das Schenken analysiert und interpretiert. In einem Lexikon finde ich nicht weniger als elf Motive, die uns beim Schenken leiten können. Das geht vom Ausdruck der
Dankbarkeit bis hin zum Werbegeschenk, das seinen bestimmten Zweck beim Kunden
erfüllen soll. Schenken wird denn auch als eine soziale Sanktion verstanden, die auf eine soziale Antwort wartet.Wen wundert es da noch, dass selbst unser Obligationenrecht vor 100 Jahren die Schenkung geregelt hat, und seither kommt es bei gewissen
Geschenken also gar zu einem «schuldrechtlichen Vertrag».
Ist das, was wir in den kommenden Tagen also immer wieder tun werden wirklich eine so
komplizierte Sache? Ich mache die Probe aufs Exempel und frage unsere Kinder, weshalb sie denn an Weihnachten andere beschenken würden. Die Antwort kommt postwendend:
«Weil Gott uns an Weihnachten seinen Sohn geschenkt hat, daran sollen unsere Geschenke erinnern. » Sie denken sich vielleicht: Tja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm; Kinder eines Theologen werden dies wohl auch zur Genüge gehört haben. Nun, in der Tat haben wir unsern Kindern nicht nur erzählt von der grossen Gnade Gottes, sondern ihnen auch die entsprechenden Lieder gelernt. So heisst es in einem Weihnachtslied für Kinder: «Ds’gröschte Gschänk vo drWiehnacht ligt nid underem Chrischtboum da. Es isch nid iipackt i Papier, ke Bändel u kes Chärtli dra. Es het’s niemer gchauft u niemer gmacht. S’isch gliich ds’Gröschte vo drWiehnacht… Ja, ds’gröschte Gschänk het Gott üs gmacht a dr erschte Wiehnacht.» Nicht dass ich überzeugt wäre, unsere Kinder – undmich selber – würden keine anderen Motive leiten, wenn wir bald unsere Liebsten beschenken. Aber Weihnachten ist und bleibt für mich die grosse Erinnerung an das grösste Zeichen der Liebe Gottes. «Wie sollte er uns in ihm nicht alles schenken?», schreibt Paulus imRömerbrief 8, 32.Wieso nicht in den Weihnachtstagen diesem Geheimnis nachgehen und di eMotive Gottes zu diesem Geschenk ergründen?

Freitag, 18. November 2011

Wenn Gott so ist…


Das Angebot ist verlockend: Mitarbeiter einer grossen Firma werden, die nicht nur ein sehr gutes Produkt herstellt, sondern auch dafür bekannt ist, beste Arbeitsbedingungen zu bieten. Zudem passt das Anforderungsprofil ziemlich gut. Er bewirbt sich mutig für den Posten. Und siehe da, die Einladung zum Vorstellungsgespräch folgt sogleich! Und zwar mit dem Direktor höchst persönlich!
Der Tag X ist da, es heisst sich aufmachen zum wichtigen Interviewtermin. Wie er zum Haupteingang des Firmengebäudes kommt, stutzt er. Die Umgebung macht nicht gerade einen gepflegten Eindruck. Beim Eintreten die zweite Überraschung: Die Dame an der Loge schaut ihn grimmig an und will herablassend wissen, was ihn zur Firma führe. Einen Termin beim Direktor, meint er etwas verunsichert. Er solle im Foyer warten. Nach zehn Minuten wird er nervös und erkundigt sich, ob er noch nicht verlangt worden sei.
Er solle nicht so ungeduldig sein, die Direktionsassistentin werde ihn abholen. Nach weiteren zehn Minuten erscheint diese, jedoch kaum freundlicher als die Logendame. Der Direktor sei jeweils sehr beschäftigt, er solle darauf achten sein Anliegen kurz und knapp vorzubringen. Noch verunsicherter fragt er, ob der Direktor ihn denn nicht erwarte. Das wisse sie nicht, aber was sie wisse sei, dass er mehr als genug zu tun habe. Vollends verstört hält er an, wendet sich um und verlässt die Firma so schnell wie er kann. Und ohne dem Direktor begegnet zu sein, verabschiedet er sich enttäuscht und verunsichert.
So oder ähnlich ergeht es manchmal Menschen mit Gott. Seine „Angestellten“ oder jene, die sich dafür halten, führen sich so unvorteilhaft auf, dass interessierte „Bewerber“ vorzeitig auf der Strecke bleiben. Manchmal reicht sogar bloss die Erinnerung an abschreckende Gestalten wie Kreuzritter, christliche Fanatiker oder andere unangenehme Gestalten, um sich vorschnell aus dem Wartsaal Gottes zu verabschieden.
Aber wie ist das eigentlich? Weiss der Bewerber, wie ihn der Direktor empfangen hätte und welches Angebot er erhalten hätte? Nein, vor lauter Übertragungen von den Angestellten auf ihren Chef, liess er sich eine Möglichkeit entgehen, die er noch nicht einmal kennen lernen konnte.
Was hat Sie bisher abgehalten, sich näher auf Gott einzulassen? Wenn es Menschen waren, die sich für Gottes Repräsentanten hielten und sich zugleich unmöglich verhalten haben, dann lassen Sie sich deswegen nicht eine direkte Begegnung mit Gott entgehen. Vielleicht ist ER ganz anders!

Sonntag, 16. Oktober 2011

Noch ein Dessert?

Während ich mir überlege, ob ich mir nach einem üppigen Nachtessen im Restaurant noch ein Dessert mit Espresso gönnen soll, kämpfen sich am Horn von Afrika Mütter mit ihren Kleinkindern über mehrere Wochen durch karges Gelände, bis sie nach entbehrlicher Reise und dem Verlust von vielleicht zwei Kindern mit den verbleibenden drei abgemagerten Kleinen im Flüchtlingslager eintreffen. So krass sind die Gegensätze auf unserem Planeten. So gross sind die sozialen Ungerechtigkeiten in unserer modernen globalisierten Welt.
Am Welternährungstag, dem 16. Oktober, ist es gut sich Gedanken darüber zu machen, was die hungernden Menschen in Somalia, Kenia und Äthiopien mich angehen. Warum soll ich mich mit diesem Leid auseinandersetzen? Kann ich überhaupt etwas ändern?
Es gibt Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe. Es ist zum Beispiel eine unveränderliche Tatsache, dass einige Menschen in Ländern mit mildem Klima, fruchtbarem Boden, perfekter Infrastruktur, grossem Wohlstand und unvergleichlicher Sicherheit geboren werden. So ein Mensch bin ich. So ein Ort ist die Schweiz. Es ist eine ebenso unveränderliche Tatsache, dass andere Menschen in Ländern mit Wüstenklima, kargen Böden, schlechten Strassen, extremer Armut und brutalster Kriminalität geboren werden. Solche Menschen gibt es mehrere hundert Millionen. So ein Ort ist beispielsweise Somalia.
Was aber kann ich ändern? In der Bibel wird dem Menschen der Auftrag gegeben, die Erde an Gottes Stelle zu verwalten. Zu dieser Aufgabe der Haushalterschaft gehört auch, die Güter dieses Planeten gerecht zu verwalten und dafür zu sorgen, dass die Bedürftigsten nicht vergessen gehen. Die meisten Leserinnen und Leser sind in der Lage, nicht nur ihren eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren, sondern je nach Lebensstil und Höhe des Einkommens bleiben sogar finanzielle Ressourcen übrig. Überprüfen Sie doch am Welternährungstag Ihre Verantwortung. Was liegt in Ihren Möglichkeiten? Können Sie einen kleinen Beitrag für eine gerechtere Welt leisten? Sie finden bestimmt Formen und Organisationen, welche den Menschen direkt und langfristig vor Ort helfen.
Link: http://www.allianz-hunger.ch/

Dienstag, 4. Oktober 2011

Wie wählen?


Am 23. Oktober sind Nationalratswahlen:
Nehmen Sie eine leere Liste! Schreiben Sie oben bei "Liste Nr." 11 und EVP! Dann Marc Jost 2mal auf Ihren Wahlzettel (Kand.-Nr. 11.03.7)! Herzlichen Dank!

Samstag, 1. Oktober 2011

Hilfe, Mission!


Die vergangene Woche hatte es in sich. Am Montag war die erste Frage, die mir auf einem öffentlichen Podium gestellt wurde: «Machen Sie eigentlich Entwicklungszusammenarbeit, um zu missionieren?» Einen Tag später begegnete ich für ein Vorbereitungstreffen Sheryl Haw, der Direktorin von «Micah Network». Sie erklärte dem Team, was sie unter integraler Mission versteht: «Integrale Mission ist von bedingungsloser Liebe und Dienen gekennzeichnet, und sie ist nicht Mittel zum Zweck.» Und dann erreichte mich Mitte Woche eine Vorstossantwort der Berner Regie­rung, worin sie schreibt: «Bei Fürsor­ge, Jugend- und Sozialarbeit liegt das Motiv für das Handeln von Freikirchen in der Verbreitung der eigenen Glaubensrichtung und der Gewinnung neuer Mitglieder. Es fehlt damit auch für diese Tätigkeiten an der Gemeinnützigkeit im Sinne der Steuergesetzgebung.»
Was um alles in der Welt lässt praktizierte Nächstenliebe in unserer Gesellschaft als gefährlich erscheinen? Oder wie anders als mit Furcht vor christlicher Mission lässt sich diese Grundstimmung im 21. Jahrhundert beschreiben? Ob ich über Entwicklungshilfe, Jugendarbeit oder gar Politik diskutiere: Regelmässig wird mir unterstellt, ich wolle mein Gegenüber unter falschen Vorwänden über den Tisch ziehen.
Ist es die orientierungslose Situation, in der sich die Mehrzahl der Menschen heute befindet? Oder sind es die misslungenen Beispiele von christlicher Lebensführung, welche Menschenseelen noch heute wie neu zu erobernde Kontinente aufs Korn nehmen? Wahrscheinlich spielt beides zusammen gegen uns. Und ich werde Tag für Tag erklären müssen, dass meine Mission schlicht darin besteht, die empfangene Liebe Gottes mit anderen Menschen zu teilen.

Dienstag, 20. September 2011

Wer weiss, was Gott mit jenen vorhat, die durch dein Eingreifen am Leben bleiben!


Impuls (Tearfund)

Weshalb uns die Kindersterblichkeit etwas angeht


Ein versklavtes Volk wurde in einem fremden Land immer stärker. Der Herrscher fühlte sich bedrängt und zu brutalen Massnahmen gedrängt. Er forderte den Tod aller neugeborenen Knaben des Sklavenvolkes. Doch seine Tochter fasste sich ein Herz als sie beim Baden am Nil eines dieser todgeweihten Babys fand. Sie nahm es auf und rettete es: „Als die Tochter des Pharaos den Korb öffnete, sah sie den weinenden Jungen darin. Sie bekam Mitleid und sagte: ‚Das muss eines der hebräischen Kinder sein‘“ (2. Mose 1,6). Anschliessend machte der fremde Junge Karriere am ägyptischen Hof und nach grossem Auf und Ab führte er schliesslich sein Volk aus der Sklaverei. Mose wurde zum Befreier seines Volkes, weil sich eine der Mächtigen erbarmt hatte und ihm das Leben schenkte.

Was hat diese bekannte Geschichte der Bibel mit dem aktuellen Milleniumsziel zu tun? Wenn wir heute die Kindersterblichkeit in bestimmten Ländern Afrikas oder Asiens anschauen, erschrecken wir und können Parallelen zum Volk Israel in Ägypten erkennen: Etlichen Kindern wird das Lebensrecht verwehrt. Die Kindersterblichkeit gibt an, wie viele von 1000 Kindern vor dem fünften Lebensjahr sterben. In Westeuropa sind es vier. In Angola 175 und in Afghanistan 150 (CIA World Factbook). Viele Kinder in diesen Ländern sind dem Tod geweiht, obwohl kein Tyrann um seine Macht fürchtet.

Der Norden als Pharao?

Zuerst einmal dürfen wir zufrieden feststellen, dass in einigen Ländern seit 50 Jahren die Kindersterblichkeit stark zurückgeht. Peru ist beispielsweise ein Land, wo seit Beginn der Entwicklungszusammenarbeit die Zahlen massiv gesunken sind. Mussten 1960 von zehn Kindern zwei das Leben lassen, bevor sie fünf waren, sind es heute nur noch zwei von hundert Kindern. Aber immer noch stirbt alle drei Sekunden ein Kind an vermeidbaren Krankheiten auf unserem Planeten. Da ist also kein Todesurteil eines Pharao, jedoch jenes einer ungerechten Welt, welche Millionen von Kindern sauberes Wasser, Nahrung oder Medikamente vorenthält.
Ist es übertrieben, wenn ich die wohlhabenden Länder mit dem Pharao Ägyptens vergleiche? Wer wegschaut und sich nicht von diesen sterbenden Kindern zum Handeln bewegen lässt wie die Tochter des Pharao, macht sich in der Tat schuldig. Wir können etwas unternehmen, das zeigen die vergangenen 50 Jahre. Und wir stehen in der Verantwortung, daran erinnern uns die unzähligen Länder des Südens, wo nach wie vor jedes zehnte Kind stirbt.

Jedes Kind ist einzigartig und wertvoll. Mit jedem Menschen hat Gott einen Plan. Wäre die Tochter des Pharao nicht eingeschritten, hätte Mose sein Volk nicht in die Freiheit geführt. Lässt du dich bewegen vom Schicksal unnötig sterbender Kinder? Wer weiss, was Gott mit jenen vorhat, die durch dein Eingreifen am Leben bleiben!
tearinfo okt 2011

Donnerstag, 8. September 2011

Der barmherzige Kosovare

In einer Kleinstadt am Rande der Alpen war ein Mann spätabends zu Fuss unterwegs nach Hause. In einer engen Gasse wird er plötzlich von drei betrunkenen Halbwüchsigen umstellt. Sie belästigen ihn und schlagen sofort auf ihn ein. Wie er am Boden liegt, treten sie ihm in den Unterleib und gegen den Kopf. Er ist bereits bewusstlos, als sie ihm Handy und Portemonnaie nehmen und davon rennen.
Einige Häuser weiter unten verlässt ein Mitglied des Kirchgemeinderats die Sitzung. Der engagierte Mann ist froh, dass er nach den zusätzlichen Stunden ehrenamtlicher Arbeit heimgehen kann. Nach wenigen Schritten sieht er den leblosen Körper am Boden. Zig Gedanken schiessen ihm durch den Kopf. Schnellen Schrittes eilt er zu seinem Auto und fährt in die Nacht davon.
Fast zur gleichen Zeit verlässt eine Parlamentarierin das Rathaus und fährt mit dem Velo nach einer intensiven Sitzung durch die Gasse nach Hause. Als sie den Körper am Boden sieht, denkt sie: „Ein Betrunkener? Oder doch Opfer einer Schlägerei?“ Die Politikerin tritt in die Pedale und macht sich aus dem Staub.
Schliesslich geht ein dritter Mann durch die Gasse. Er stammt aus dem Kosovo und hat seine Arbeit im Restaurant beendet. Er sieht den Mann am Boden, geht zu ihm hin und spricht ihn an. „Er muss schwer verletzt sein“, denkt er. Er lagert ihn richtig und ruft eine Ambulanz. Am nächsten Tag besucht er das Opfer im Spital und erkundigt sich, wie es ihm geht.
So könnte das Gleichnis heute lauten, das Jesus vor 2000 Jahren erzählte, als ihn ein frommer Mann fragte, wer denn sein Mitmensch und damit der Nächstenliebe würdig sei. Nach dem Erzählen dieser Geschichte fragte er zurück: „Wer hat nun am Opfer als Mitmensch gehandelt?“ Jesus zeigte auf: Gottes Liebe kennt keine Grenzen zwischen Einheimischen und Fremden. Und unsere sollte es auch nicht. Nachzulesen ist die Parabel im Lukasevangelium, Kapitel 10.