Donnerstag, 12. Juni 2008

Befreit von sich selber

Freiheit ist ein Wort, das Sehnsucht weckt. Und obwohl Abraham Lincoln sagt: „Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort Freiheit gefunden“, meine ich: Wenn es einen Begriff gibt, mit dem wir Positives verbinden, dann ist es Freiheit: Freiheit für Unterdrückte! Freiheit für Burma! Cuba libre! Freiheit den Frauen! Free Nelson Mandela! Free Willy! Unabhängig sein, selber entscheiden können, sich frei bewegen können, keinem Zwang ausgeliefert sein, das verbinden wir gewöhnlich mit Freiheit. Selbst unsere Bundesverfassung in Artikel 10 nimmt diesen beflügelnden Begriff auf: „Jeder Mensch hat das Recht auf persönliche Freiheit.“

Albert Camus meint hingegen: „Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.“ Damit spricht er die Verantwortung des Menschen für die Gemeinschaft an, die heute alles andere als selbstverständlich ist. Aber auch wer sich für andere engagiert, muss Matthias Claudius zur Kenntnis nehmen: „Niemand ist frei, der über sich selbst nicht Herr ist.“ Damit sagt er etwas allgemein Menschliches. Es ist das Leiden des Menschen an sich selber. Ist nicht die Sehnsucht nach Freiheit gerade auch eine Sehnsucht nach Überwindung der eigenen Grenzen? Befreit sein vom eigenen Unvermögen, wer möchte das nicht? Jesus von Nazareth sagte: "Ihr werdet die Wahrheit kennen und die Wahrheit wird euch frei machen!" Bestimmt meinte Jesus damit auch die Wahrheit über uns selbst: Unsere Freiheit braucht Leitplanken. Wir müssen manchmal von uns selber befreit werden. Oder anders gesagt vor uns selber geschützt werden. Ideal ist es, wenn wir uns freiwillig zu solchen Grenzen verpflichten. Solche Grenzen sind beispielsweise die zehn Gebote. So könnte die Definition von Oscar Wilde für die Ehe auch zu einem Vertrag zwischen Gott und Mensch werden. Er nennt die Ehe eine gegenseitige Freiheitsberaubung im beiderseitigen Einvernehmen. Für den Menschen ist eine Freiheitsberaubung durch Gott auf jeden Fall ein Gewinn!