Donnerstag, 28. Februar 2008

Die Seelen oder die Umwelt retten?




Eine kurze Andacht zu:

5. Mose 4,6: Haltet euch an diese Gebote und befolgt sie; dann werden die anderen Völker sehen, wie weise und klug ihr seid.

Immer mal wieder kommt es zur Grundsatzdebatte: Macht es wirklich Sinn, sich als Christ öffentlich zu engagieren, sich für die Gesellschaft und auch die Natur einzusetzen? Sollten wir unsere Kräfte nicht besser bündeln und voll auf Evangelisation fokussieren? Solche Fragen bewegen lokale Kirchen, Sektionen der Evangelischen Allianz, christliche Ehepaare oder auch den evangelikalen Stammtisch. Wie ist das mit der christlichen Prioritätenliste? Ist es wichtiger Seelen oder die Umwelt zu retten?

In der evangelikalen Szene wird dabei selten die evangelistische Mission in Frage gestellt, vielmehr werden die Bemühungen um das allgemeine Wohl in Frage gestellt; oder zumindest der Umfang dieses Engagements.

Mose kannte diesen Konflikt zwischen Verkündigung oder Gerechtigkeit fördern nicht. Er hat das Volk Gottes darauf hingewiesen, dass gerade das Leben und Handeln gemäss den Geboten Gottes andere Menschen ins Staunen versetzen und zu Gott führen kann: „Wo ist ein Volk, das so gerechte Gebote und Weisungen hat?“ Oder anders gesagt: Öffentliches Engagement von Christen ist Evangelisation!

Das Fazit der beiden Schöpfungsberichte ist eindeutig: Gott hat den Menschen als ihm ähnliches Geschöpf auf die Erde gesetzt, damit er als sein Repräsentant über die ganze Schöpfung herrsche (Gen 1,28), sie pflege und bewahre (Gen 2,15). Die Fragen „Welchen Wagen würde Jesus fahren?“ oder „Welches Steuersystem würde Jesus wählen?“ sind angebracht und hilfreich; nach dem Sündenfall umso mehr.

In meinem Geburtsjahr (1974) kam es zur wunderbaren „Lausanner Verpflichtung“; für mich eine hervorragende Auslegung der Anweisung Mose an das Volk: Sowohl Evangelisation als auch soziales Engagement - das selbstverständlich auch die Bewahrung der übrigen Schöpfung meint - ist gefragt! Man denke bloss an die Problematik der Bioenergie-Gewinnung in Entwicklungsgebieten: Wir europäischen Energie-Junkies verstossen dabei eindeutig gegen das 10. Gebot, wenn wir die Lebensgrundlage der Afrikaner verpuffen.

Sich gegen solche Ungerechtigkeiten zu wehren ist letztlich Evangelisation. Wir sollten nämlich nicht nur „erlöster aussehen“ (Nietzsche), sondern auch mehr und mehr als Gottes Ebenbilder in seiner Schöpfung leben. Dazu schenke uns Gott seine Gnade!

erschienen in idea Spektrum vom 27.02.08 (Rubrik "Kleine Kanzel")

Karikatur: Jenni AG / Orlando Eisenmann

Donnerstag, 21. Februar 2008

Gott sucht uns

Gewöhnlich höre und lese ich Berichte, die beschreiben, wie Menschen Gott suchten. Wenn Menschen, die vorher Atheisten oder Agnostiker, Esoteriker oder Moslems, Buddhisten oder ganz einfach gleichgültig waren, Christen werden, erzählen sie, wie sie Gott auf ihrer spannenden oder spannungsvollen, langen oder kurzen und heftigen, verzweifelten oder zweifelnden Suche schliesslich fanden. Sie – und das sind weltweit immer wieder Millionen von Menschen – bestätigen jeweils die Aussage der Bibel: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, will ich mich von euch finden lassen“ (Jeremia 29,13). Viel entscheidender scheint mir jedoch, dass die Umkehrformel auch richtig ist: Gott sucht uns!

Man mag Beda Stadler, Richard Dawkins oder Dalai Lama heissen: – ganz egal ob man nicht an die Existenz Gottes glaubt oder sich selbst zur höchsten Instanz macht – Gott hat ein unendliches Interesse an jedem einzelnen Menschen. Deshalb sucht und verfolgt Gott uns. Der englische Philosoph C.S. Lewis oder der Theologe Augustinus (3. Jhdt.) erzählen eindrücklich, wie Gott ihnen auf den Fersen war, sich ihnen in Erlebnissen immer wieder bemerkbar machte und sie schliesslich vor ihm kapitulieren liess. Lewis beschreibt seine Situation als „schachmatt“ im Spiel. Gott suchte ihn nicht nur auf, sondern widerlegte alle persönlichen Einwände, die Lewis hinderten, ihm (Gott) zu vertrauen. Auch die Bibel enthält anschauliche Beispiele davon, wie Gott Menschen sucht: z.B. Lukasevangelium Kapitel 15. Anregende Lektüre für suchende Menschen!