Donnerstag, 15. Mai 2008

Ist das fair?

Es ist doch unfair, wenn die andere Mannschaft einen Spieler mehr hat! Es ist doch nicht gerecht, wenn unsere Nachbarn uns die gute Sicht verbauen! Es ist doch keine Fairness, wenn die Profis versteckt foulen! Ob bei Jugendanlässen wie am vergangenen Pfingsttreffen, ob beim Nachbarschaftsstreit vor dem Richter oder bei der bevorstehenden Fussball-EURO, immer wird Gerechtigkeit gross geschrieben. Wieso verlangen wir Menschen eigentlich immer nach Fairness?

Ungerechte Behandlung oder Benachteiligung einer Partei bedeutet immer ein Stück weit zu leiden. Und das wünschen wir weder uns selber noch den meisten Mitmenschen. Gleichzeitig erwarten wir auch, dass Vergehen bestraft oder Fehler wieder gut gemacht werden. Das gehört zu unserem Rechtsempfinden auf dem Fussballplatz wie vor dem Gericht. Und auch von Gott erwarten wir Menschen, dass er gerecht ist und fair handelt. Allerdings, was wäre ein gerechtes Handeln Gottes gegenüber uns Menschen?

Viele Missstände, die Menschen erdulden, könnte Gott ändern, aber er tut es nicht. Er wartet mit seinem richtenden Eingreifen zu und lässt vielen Menschen Zeit, überlässt uns ein Stück weit uns selber. Wann wäre denn der richtige Zeitpunkt, ins Geschehen der freien und autonomen Menschen einzugreifen? Wahrscheinlich hätte jeder Mensch seine eigene Vorstellung davon.

Gehen wir noch zu einem späteren Zeitpunkt: Wäre es gerecht, wenn Gott am Ende der Tage jeden Menschen gleich behandeln würde und Gutes und Schlechtes des Einzelnen ignorieren würde? Bestimmt nicht. Was dann? Ein gerechter Gott wird jeden Menschen gemäss seinem persönlichen Lebenswandel belohnen oder bestrafen. Es sei denn, es gehe ein Begnadigungsgesuch ein und durchkreuze die ganze göttliche Fairness. Ist es also fair, wenn Jesus Christus für die Menschen eintritt, die ihn um Vergebung baten und Gott all deren Vergehen nicht ahndet, weil Jesus schon dafür gebüsst hat? Fair ist es nicht, aber eine Gnade, die sich jeder wünscht und die man jedem wünscht.

Kolumne "Zum Sonntag" im BeO vom 17. Mai 2008

Mittwoch, 7. Mai 2008

Authentizität

In einem Redaktionsteam bewegen wir die Frage: Was genau bedeutet Authentizität? Ist es ein durchwegs positiver, idealer Begriff oder hat Authentizität ihre Grenzen? Gibt es ein zu viel an Authentizität?

Hier meine erste These, die hoffentlich auf rege Diskussion stösst:

Die Authentizität einer Person ist eine Echtheit, die als glaubwürdig, stimmig und zuverlässig erscheint.

Freitag, 2. Mai 2008

Diebstahl?

War es Diebstahl oder einfach Nachlässigkeit? Da soll ein millionenschweres Bild von Ferdiand Hodler in Bern ausgestellt werden und nach zwei Jahren stellt die Eigentümerin fest, dass sie gar nicht weiss, wo ihr Bild ist. Diebstahl? Gleichgültige Gelassenheit? Manch einer wünschte sich, es käme für ihn nicht so sehr darauf an, wo seine Millionen gerade stecken.

Mich erinnert dieses aktuelle Geschehen an ein Bild, das Jesus verwendet hat. Jesus vergleicht seine Wiederkunft mit einem Diebstahl: Man weiss weder die Nacht noch die Stunde, in welcher ein Dieb einbrechen wird.

Jesus braucht dieses Bild damals im Zusammenhang mit unserem Vermögen. Wie haushalten wir als Christen? Investiere ich meine Kräfte und meinen Besitz in die richtigen und wichtigen Dinge? Welches Gefühl hätte ich, wenn Jesus heute wieder kommen würde? Hätte ich das Gefühl, mir würde Zeit, Freude oder eine wertvolle Erfahrung vorenthalten? Oder wäre ich glücklich und würde sagen: „Endlich, ich habe mich so sehr auf diesen Moment gefreut?“

Ein Dozent am theologischen Seminar hat einmal gesagt: „Es gibt zwei Haltungen dazu: jene der Menschen, die mit Sehnsucht auf die Wiederkunft warten und jene der Christen, die kurz vor ihrer Heirat stehen.“

Warten Sie auf eine Hoch-Zeit oder sind Sie bereit für Jesu Kommen? Wie würde Jesus Sie antreffen? Ist es gut so, wie er Sie antreffen würde? Ist es gut so, wo er Sie unterbrechen würde? Wenn uns irgendetwas komisch vorkommen sollte, beim Gedanken daran, dass Jesus uns dabei unterbrechen würde, sollten wir die Prioritäten und Gewohnheiten überdenken und anpassen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie wie Corrie ten Boom sagen können: „Das Beste kommt noch!“

erschienen in idea Spektrum am 29. April 2008