Dienstag, 9. Oktober 2007

nicht politisch?

Ich wurde angewiesen, in dieser Kolumne (Sonntagsblatt Berner Oberländer) nicht politisch zu schreiben. Wenn man das überhaupt jemals schaffen sollte, heute schaffe ich es bestimmt nicht. Denn am 21. Oktober sind Wahlen; das ist ja fast nicht zu übersehen. Wenn ich nun darauf eingehe, beruhigt mich ein Zitat von Max Frisch: „Wer sich nicht mit Politik befasst, hat die politische Parteinahme, die er sich ersparen wollte, bereits vollzogen: Er dient der herrschenden Partei.“

Eigentlich verstehe ich sehr gut, dass ein Sonntagsblatt nicht parteipolitisch ausgenutzt werden sollte, und ich werde es vermeiden dies zu tun; wie ich das auch von der Kanzel unterlasse. Wenn ich aber nun politisch werde, dann mit der Überzeugung, dass es jeder Christ, ja jeder Bürger an dieser Stelle tun sollte. Sie haben es erraten: Wer nicht wählt, nimmt seine Mitverantwortung als Mensch für diese Gesellschaft nicht wahr. Und da liebe Mitchristinnen und Mitchristen gilt für einmal kein Pardon. Denn wer in den Ferien weilen sollte - und das werden viele - der hat ja die Gelegenheit, seine gute Tat im Voraus brieflich zu tun. Und sollte jemand nicht wissen, wie es geht, hilft bestimmt ein Freund oder die Nachbarin.

Sie können mir nun entgegen halten, Paulus hätte in seinen Briefen an die ersten Kirchen nur vom Beten für die Regierung geschrieben und nicht vom Wählen. Ich bin überzeugt: Hätte das Volk zur Zeit der ersten Christen demokratisch mitbestimmen können, wir würden heute ein überliefertes Zitat von Paulus mit einem Wahlaufruf in der Bibel finden. Denn wie schrieb er damals? "Betet besonders für alle, die in Regierung und Staat Verantwortung tragen, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, ehrfürchtig vor Gott und aufrichtig unseren Mitmenschen gegenüber." Menschen, welche politisch Verantwortung übernehmen, sind unter anderem für Frieden und Religionsfreiheit zuständig. Wählen Sie deshalb Menschen, von denen Sie denken, dass sie diese christlichen Werte der Bibel fördern, welche ermöglichen, dass das Evangelium frei und kraftvoll gelebt und verkündet werden kann.

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