Montag, 17. August 2009

Christen in Thun


„Wir sind heute fast soweit, dass wir alles thematisieren können." Dies sagt der Präsident der Evangelischen Allianz Region Thun, Marc Jost, im Gespräch mit idea Spektrum Schweiz.

Die regionale Allianz am oberen Ende des Aaretals verbindet 30 christliche Gemeinden und Gemeinschaften. Jost hebt die geistliche Qualität des Miteinanders hervor; dazu trage das gewachsene Vertrauen unter den Leitern bei. „Wir haben keinen Ehrenkodex für die Praxis, aber die verantwortlichen Leiter haben das ‚Gspüri‘, was man gemeinsam praktizieren kann."

Vor 15 Jahren habe es noch tiefe Gräben zwischen charismatischen und traditionellen evangelikalen Freikirchen gegeben. „Vor etwa zehn Jahren begann man vermehrt aufeinander zuzugehen und sich zu versöhnen. Als ich vor vier Jahren Allianz-Präsident wurde, hatten sich die Beziehungen unter den Leitern schon sehr positiv entwickelt."

Grosse Feiern, vertraute Gemeinschaft
Bei den Gottesdiensten (die Allianzgemeinden sprechen von insgesamt 3000 Gottesdienstbesuchern) sieht Jost zwei Trends: Grossveranstaltungen und Hausversammlungen. „Beides entspricht offensichtlich einem Bedürfnis. Man möchte mit vielen Leuten Gott feiern, und man möchte in kleinen Gruppen über den Glauben im Alltag reden. Ideal ist, wenn eine Gemeinschaft beides miteinander verbinden kann."

Gemeinsam Grosses angepackt
Marc Jost (35) bezeichnet sich als Vermittlertyp. Er habe die Beziehungen weiter gefördert. „So konnten wir dann auch grosse gemeinsame Projekte starten, bei denen die einzelnen Gemeinden in den ganzen Leib eingebunden wurden." Ulrich Parzany war für eine Grossevangelisation in Thun zu Gast; dreimal hat die Evangelische Allianz diakonische Stadtwochen durchgeführt, in denen sich Hunderte von Christen nützlich machten.

Erweckliche Aufbrüche nach 1815
Die stärkere Präsenz der Frommen in Thun hat laut dem Theologen, der für die EVP auch im Berner Grossen Rat sitzt, historische Wurzeln: „Anfangs 19. Jahrhundert waren in dieser Gegend viele Erweckungsprediger unterwegs. Daraus sind einige Erneuerungsbewegungen entstanden. Zu ihnen zählen auch heute aktive Gemeinschaften und Freikirchen... Im Laufe der Zeit wurden sie ergänzt und verstärkt durch neue Bewegungen wie die Pfingstler, Charismatiker, Hauskirchen, Gebetsbewegungen oder die Sportlerbewegung." Entscheidend ist ein zweiter Faktor: „Die alten und die neuen Bewegungen haben zusammengefunden. Über die Gräben hinweg wurden Brücken gebaut."

Hindernisse
Das gemeinsame Zeugnis in der Region liess die Gemeinden auch bei Alphalive-Kursen kooperieren. Es wird aktuell gestört durch „sektenartige Gruppierungen, die mit Leuten aus unseren Gemeinden in Berührung kommen und sie verwirren und teils auch vereinnahmen".

Weiter macht Jost und seinen Mitstreitern „die verbreitete Tendenz zur Tabuisierung alles Religiösen" zu schaffen. Der persönliche Glaube werde immer mehr zum Tabu erklärt. „Bei unsern Werbeaktionen kam schon der Vorwurf auf, Religion dürfe nicht vermarktet werden. Doch unser Anliegen muss es sein, dass Gott zum Thema wird."
Wie wehrt der Allianz-Präsident der Fundamentalismus-Keule, die das Gespräch kaputt macht? „Indem ich jede Gelegenheit nutze, um gegenüber Medien oder im persönlichen Gespräch zu erklären, wer wir wirklich sind und was wir glauben."

www.Gott.info / www.jesus.ch

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