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Was ist ein Märtyrer?

Wenn man heute auf der Strasse fragt: Was ist ein Märtyrer? Dann wird man hauptsächlich zur Antwort erhalten: Das ist ein islamischer Selbstmordattentäter, der glaubt, im Auftrag Gottes sein Leben als Waffe gegen Menschen anderen Glaubens einsetzen zu müssen. Fragt man aber, was das Wort ursprünglich bedeutete, bekommt man ein ganz anderes Bild des Märtyrers.

Lange bevor dem radikalen Islam solche Mörder entsprangen, sprach Jesus von Nazareth von einer ganz anderen Art des Martyriums. Er sagte zu seinen Freunden: „Ihr werdet meine Zeugen sein.“ Also: Ihr werdet mit eurem Leben davon zeugen, was ihr mit mir erlebt habt. Ihr werdet bezeugen, dass ich euer Leben erneuert habe, euch Sinn und Ziel gegeben habe: Den Sinn, das eigene Leben im Dienst für Gott und damit für die Mitmenschen einzusetzen und nicht gegen sie.

Ein eindrückliches Beispiel, wie ein Freund Jesu das verstanden hat, ist das Zeugnis von Stephanus. Er ist einer der Männer, die in der ersten christlichen Gemeinschaft dazu eingesetzt wurden, sich speziell der armen Menschen anzunehmen. Er war so etwas wie der erste Sozialarbeiter. Nun könnte man meinen, mit diesem Auftrag für die Witwen und Waisen sollte man keinem Menschen zum Ärgernis werden. Dem war aber nicht so. Weil Stephanus auch offen bezeugte, weshalb er sich der armen Menschen mit so grosser Liebe annahm - nämlich weil er dies im Namen von Jesus Christus tat - geriet er in die Schussbahn der religiösen Gesetzeshüter. Sie warfen ihm Gotteslästerung vor. Und weil Stephanus sich nicht davon abbringen liess, seine Arbeit im Namen von Jesus Christus zu tun, seinem Herr und Erlöser, steinigten seine Ankläger ihn kurzerhand. Damit wurde Stephanus zu einem der ersten Märtyrer im ursprünglichen Sinn. Er starb, weil er nicht von seinem Glauben an Jesus Christus ablassen wollte. Leider wird diese Art des Märtyriums weltweit auch immer häufiger. Beten Sie für die 200 Mio. bedrohten Nachfolger Jesu!

erschienen in Sonntagsblatt BeO, 7.11.08

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