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Es geht um mehr als nur um die Wurst

Es geht bei der Abstimmung zum Arbeitsgesetz um die Ladenöffnungszeiten bei Tankstellenshops an Hauptverkehrswegen mit starkem Reiseverkehr. Künftig sollen diese während 24 Stunden geöffnet sein können und das ganze Sortiment verkaufen können. Mit der Liberalisierung der Öffnungszeiten von Tankstellenshops dürfte zum ersten Mal ein Detaillist die ganze Nacht sowie am Sonntag offen haben.

Die Befürworter werben für ein Ja mit dem Slogan „Bratwürste legalisieren“ und spielen auf die heutige Einschränkung des Sortiments an. Nun, ich habe schon bisher meine Bratwurst immer legal gekauft. Und  es geht bei dieser Abstimmung in der Tat nicht nur um die Wurst. Besser wird hier von der Salami gesprochen. Denn es ist offensichtlich eine Salamitaktik, welche die grenzenlosen Liberalisierer hier anwenden: Scheibe um Scheibe geht es in Richtung 24-Stunden Ladenöffnungszeiten und damit auch um die Abschaffung des Sonntags.

Der Schutz des Sonntags als Ruhe- und Feiertag und der Schutz der Arbeitnehmenden haben Vorrang. Der Sonntag ist ein Tag der Ruhe und Erholung, ein Tag der Familie, der Begegnung und der Gemeinschaft, ein Tag der religiösen und spirituellen Besinnung und ein Tag des Gottesdienstes. Der arbeitsfreie Sonntag ermöglicht gemeinsame Aktivitäten in der Familie, im Freundeskreis, in Vereinen oder in der Kirche.

Viele Angestellte lehnen Nacht- und Sonntagsarbeit ab, müssen sich aber anpassen, weil sie auf die Jobs angewiesen sind. Der Staat steht in der Verantwortung, für die Schwächeren einzustehen und dem Arbeitnehmerschutz Priorität einzuräumen. Vor allem in den Städten werden Polizei und Rettungsdienste der 24-Stunden-Gesellschaft und ihren Auswüchsen kaum noch Herr. Da ist es nicht sinnvoll, das Dienstleistungsangebot in der Nacht und am Sonntag weiter auszudehnen.

Wenn die Tankstellenshops die ganze Nacht offen haben, nimmt der Druck für eine generelle Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten zu. Die Mitbewerber im Detailhandel werden rasch darauf pochen, dass sie gleich lange Spiesse haben wie die Tankstellen.

Ich bin gegen diesen ersten Schritt zur 24-Stunden-Konsumgesellschaft. Wenn wir einen Dammbruch bei der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten und mehr Sonntagsarbeit verhindern wollen, müssen wir am 22. September dringend NEIN stimmen. Weitergehende Vorstösse sind im Parlament nämlich bereits deponiert, obwohl Volksabstimmungen in der Vergangenheit solche Liberalisierungen regelmässig abgelehnt haben.

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