Wir Schweizer und das Nadelöhr


In der Bibel gehören jene Berichte zu meinen Favoriten, die einen kniffligen Schluss haben. Auch diese hier gehört dazu: Ein junger Mann begegnet Jesus und fragt ihn: "Was muss ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben erhalte?" Jesus weist ihn als erstes auf einige der Zehn Gebote hin: "Du sollst nicht morden, nicht die Ehe brechen, nicht stehlen, nichts Unwahres über deinen Mitmenschen sagen; ehre deinen Vater und deine Mutter, und liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!" Hier folgt die erste Überraschung: Der junge Mann sagt: "Ich habe alle diese Gebote befolgt. Was muss ich sonst noch tun?" Jesus erwidert: "»Wenn du in der Liebe zu deinen Mitmenschen vollkommen sein willst, dann geh, verkaufe alles, was du besitzt, und gib das Geld den Armen, so wirst du bei Gott einen unverlierbaren Besitz haben. Und dann komm und folge mir!" Jetzt ist die Überraschung weniger gross: Der Mann geht nämlich traurig weg, weil er ein grosses Vermögen hat.
Dieser Schluss regte auch die Freunde von Jesus zum Denken an, Jesus wendet sich nun an sie und sagt: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt." Nicht überraschend, dass die Freunde bestürzt reagieren: "Wer kann dann überhaupt gerettet werden?"
Immerhin ein Drittel des Weltvermögens liegt noch auf Schweizer Banken. Gerade auch deshalb sind wir sehr wohlhabend. Weshalb können wir trotzdem Hoffnung auf ewiges Leben haben? Wer die Zehn Gebote kennt, dem ist vielleicht aufgefallen, dass Jesus den ersten Teil der Gebote zuerst weggelassen hat. "Du sollst keine andern Götter haben neben mir", hat Jesus dem jungen Mann vorenthalten. Aber nur um dann mit der Frage nach dem Reichtum zu prüfen, wie es genau um dieses erste Gebot steht. Die Reaktion des jungen Mannes zeigt: Sein Vermögen ist sein Gott und steht seiner Gottesbeziehung im Weg. Reichtum ist solange gut für uns, wie er nicht zu unserem Gott wird. Jesus schliesst übrigens mit den Worten: "Bei den Menschen ist das unmöglich, aber für Gott ist alles möglich."

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