Samstag, 19. Januar 2008

Armut fördern?

Ein Alt-Bundesrat hat einmal gesagt, er wisse nicht, ob es besser wäre, Afrika sich selbst zu überlassen und keine Entwicklungshilfe mehr zu leisten. Ins gleiche Horn blasen zu meinem Entsetzen viele Christen, mit denen ich ins Gespräch über öffentliche Entwicklungshilfe komme. Die Kultur in einigen Drittweltstaaten geprägt durch Korruption und kurzfristige Lebensbewältigung mache Investitionen aus Industrieländern kontraproduktiv, sagen sie. Zudem sei die Arbeit der DEZA ineffizient, wenig erfolgreich und nicht christlich.

Wen wunderts, dass die weltweite Armut so bloss schleppend bekämpft werden kann? Wenn sogar wir Christen, die wir einen Gott kennen, der sich mit den Armen identifiziert (Mt 25), eine solche Ignoranz an den Tag legen.

Die öffentliche Entwicklungshilfe der Schweiz ist besser, als viele Menschen denken. Aber man muss sich halt bemühen, genau hin zuschauen. Das tun manche Kritiker jedoch nicht. Man würde erkennen: Entwicklungshilfeprofis sind sich sehr wohl bewusst, dass Korruption ein ernst zunehmendes Problem ist, das auch bekämpft wird. Die öffentliche Hilfe wird ständig verbessert, indem Prävention, Vorsorge und Nachhaltigkeit gross geschrieben werden. Dass die DEZA keine religiösen Aktivitäten unterstützt, kann jedenfalls kein Grund sein, ihre Arbeit zu miss kreditieren.

Es ist schon mehr als bedenklich, wenn man sieht, dass die Entwicklungshilfe der Schweiz schrumpft (2006 unter 0,4% des BIP), angesichts der Absichtserklärung unseres Bundesrats das Milleniumsziel von 0,7% bis 2015 erreichen zu wollen. Das ist umso beschämender, wenn man sieht, dass Schweden über 1% in Entwicklungshilfe investiert, und die skandinavische Hilfe weiterhin wächst.

1 Kommentar:

Matthias hat gesagt…

Merci für deinen ermutigenden Kommentar!