Freitag, 16. November 2012

Verheerende Identität in Ägypten

Präsident Mursi spricht vor den UN
Er zeigt mir seine Identitätskarte. Aber ich verstehe nicht, was da steht. Es ist in arabischen Schriftzeichen geschrieben. So erklärt mir mein ägyptischer Berufskollege: Auf jedem Ausweis stehe, ob jemand Muslim oder Christ sei. Etwa bei rund zehn Prozent der Ägypter stehe auf der ID, dass der Inhaber Christ sei. Bei der grossen Mehrheit stehe Muslim, ganz egal welcher islamischen Richtung oder Frömmigkeit er angehöre.

Mich erinnert diese Tatsache aus dem arabischen Frühling eher an den Herbst des 2. Weltkriegs, als in Europa Menschen mit jüdischer Abstammung ein „J“ in ihren Pass gestempelt erhielten. Für viele war das damals gleichzeitig ihr Todesurteil. In Ägypten ist die Situation anders, aber für etliche Menschen im Staat am Nil ist ihre Religionszugehörigkeit auf der Identitätskarte ebenfalls mit grossen Problemen verbunden.

Zum Beispiel für Christen, die innerhalb der Verwaltung oder Politik Verantwortung übernehmen wollen. Sehr oft wird ihnen auf Grund ihrer ID ein Aufstieg verunmöglicht. Auch im täglichen Leben kann die Identitätskarte verheerende Folgen haben: Mein Freund erzählt mir von mehreren Fällen, in denen unbescholtene Bürger, auf deren ID „Christ“ stand, von der Polizei festgenommen und lange Zeit in Untersuchungshaft genommen wurden. Und dann erzählt er mir vom grössten Problem mit der ID:

Viele Menschen muslimischer Abstammung kommen zum Glauben an Jesus Christus, was für Muslime schon im familiären Umfeld eine riesige Herausforderung darstellt. Wenn nun ein Ägypter seine Religionszugehörigkeit auf dem Ausweispapier ändern lassen will, beginnen die Probleme erst richtig. Und dies in einem Staat, der die Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet hat. Wer es bisher auf juristischem Wege versucht hat, ist nicht nur gescheitert, sondern ist heute gezwungen, in Anonymität und im Untergrund zu leben, wenn er am Leben bleiben will.

Ich bin einmal mehr bewegt nach diesem Zeugenbericht. Das darf doch nicht sein! Was können wir tun, damit wirkliche Religionsfreiheit in solchen Staaten gefördert werden kann? Einige Ideen habe ich. Lassen auch Sie sich bewegen! Und informieren Sie sich über die Lage von Christen in Staaten ohne Religionsfreiheit! Zum Beispiel anlässlich des „Sonntags der verfolgten Kirche“ und weiteren Anlässen zum Thema: www.verfolgung.ch

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