Freitag, 30. Januar 2009

Freude am Effekt

Irgendwann in der klein kindlichen Entwicklung erscheint das Phänomen "Freude am Effekt". Das kleine Kind entdeckt den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Es drückt auf ein Spielzeug, und es folgt ein Quietschen. Unsere Kinder können dann jeweils stundenlang aus Freude am Erkennen so eines Effekts an Dingen drücken, stossen, schieben, ziehen oder was auch immer. Ich habe den Eindruck, dass die Freude am Effekt nicht auf Kleinkinder beschränkt bleibt, sondern dass wir diese Freude ein Leben lang nicht verlieren. Wir erleben uns auch als Erwachsene gerne als wirksam und effektiv. Eine Grafikerin freut sich am gelungenen Plakat. Ein Schreiner ist stolz auf sein passendes Möbelstück. Die Hausfrau freut sich - immerhin kurz - über die saubere Wohnung. Und der Pfarrer ist stolz auf seine verfasste Predigt.
Eigentlich ein schöner Effekt, diese Freude nach erfolgreicher und getaner Arbeit. Er gibt uns Zufriedenheit und bestätigt uns, dass wir etwas bewirken können. Aber dieser erfreuliche Effekt hat eine Grenze, wo es ins Ungesunde kippen kann. Und zwar dann, wenn mein ganzes Glück daran hängt, ob mein Engagement die erhoffte Wirkung hat. Es wird dann ungesund, wenn ich meine Daseinsberechtigung davon abhängig mache, ob mein Werk gelingt. Es kann dann bedrückend werden, wenn ich meine Identität darin finde, ob meine Leistung zum Ziel geführt hat.
Die Bibel spricht an verschiedensten Stellen zu diesem Thema. Zum Beispiel in den Psalmen: "Wie klein und unbedeutend ist der Mensch und doch denkst du an ihn und sorgst für ihn!" (Psa 8) Oder im Epheserbrief: "Wir sind (...) geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen." (2,10) Worte wie diese helfen mir im Alltag dann die Freude am Effekt wieder zu entdecken, wenn ich selber gerade nicht auf erfolgreiche Leistungen zurückblicken kann. Sei es auch die Freude am Effekt, einfach für einen Menschen Zeit genommen zu haben.

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