Samstag, 6. Dezember 2008

Nikolaus und wir Schweizer

Heute vor genau 1722 Jahren wurde in der heutigen Türkei ein Junge geboren. Er hatte ein sehr besonderes Leben. Schon in jungen Jahren ging er ins Kloster und wurde mit 19 Jahren zum Bischof geweiht. Der bis heute bekannte Abt hatte sehr reiche Eltern. Jedes Jahr werden in seinem Namen Kinder beschenkt, weil er sein ganzes Vermögen an arme Menschen gegeben hatte. Sein Mitleid und seine Barmherzigkeit liessen ihn, von seinem unverdienten Vermögen weitergeben, liessen ihn helfen und Not lindern. Was hat Sankt Nikolaus mit uns Schweizern gemeinsam?
Auch wir Schweizer sind Kinder reicher Eltern. Hand aufs Herz! was ist unser Verdienst, dass wir gerade hier geboren sind? Was konnten wir dafür tun, dass wir in einem der reichsten Länder der Erde das Licht der Welt erblickten? Die meisten von uns besuchten zwar keine Klosterschule, aber unser Bildungssystem ist - PISA und Harmos hin oder her - sehr gut. Auch angesichts düsterer Aussichten der Wirtschafts- und Finanzwelt müssen wir nicht darum bangen, ob wir morgen noch genug zu essen und ein Dach über dem Kopf haben.
Der Wohlstand von Sankt Nikolaus bewegte ihn zum Weitergeben und Helfen. Und während vieler Jahre war dies auch die Tradition der Schweiz: Das Rote Kreuz, viele Hilfswerke und auch die öffentliche Hilfe zeigen dies. Nun aber scheint diese Tradition der Solidarität plötzlich ins Stocken zu geraten. Nur sehr zögerlich lässt sich das Bundesparlament bewegen mit mehr Hilfe, die weltweite Armut zu bekämpfen. Aber immerhin hat Nikolaus dieses Jahr mehr zu loben als auch schon. Hat sich doch endlich auch der Nationalrat durchgerungen, 0,5 Prozent des Volkseinkommens ins Auge zu fassen. Noch wird Sankt Nikolaus jedoch mit uns Arbeit haben, denn wir sind noch weit entfernt von den versprochenen 0,7 Prozent, die der Bundesrat vor der UNO zur Halbierung der weltweiten Armut zugesagt hat.

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