Donnerstag, 13. April 2017

Aber das sind doch auch Menschen… (auch als Video)


Gewöhnlich erlauben wir unseren Kindern nicht, die Tagesschau am Fernsehen mit zu verfolgen. Doch kürzlich stiess unsere Jüngste dazu, als sie mich etwas fragen wollte. Es wurde gerade über den Krieg in Syrien berichtet, und es waren Waffen zu erkennen. «Was ist das Papa?» «Das sind Waffen. Die werden im Krieg eingesetzt.» «Aber, was machen die Soldaten denn damit?» Ich zögere… «Sie schiessen damit auf ihre Feinde.» Meine Tochter schaut mich ganz entsetzt an: «Aber die anderen, das sind doch auch Menschen.»



Am Abend des Palmsonntags haben uns einmal mehr Schreckensmeldungen aus Ägypten erreicht. Zwei Menschen haben als Selbstmordattentäter über 40 Christen in und vor einer Kirche in Alexandria und Tanta getötet und mehr als 120 verletzt. Wieder erinnere ich mich an die Worte meiner Tochter: «Aber das sind doch auch Menschen!» Diese Gottesdienstbesucher wurden am Sonntag ermordet, weil sie Jesus Christus anbeten wollten. Jesus hat seinen Nachfolgern schon vor 2000 Jahren keine Illusionen gemacht: Man wird euch verfolgen, wie man mich verfolgt hat. Ihr werdet leiden, wie auch ich gelitten habe.

Wir stehen vor Karfreitag. Dieser Tag erinnert wie kein anderer im Jahr an das Leiden und den grässlichen Foltertod Jesu am Kreuz in Jerusalem. Jesus hätte diesen schrecklichen Stunden ausweichen können. Aber er hat bewusst die Passion, das Leiden auf sich genommen. Menschsein ist mit Leiden verbunden und Christsein oft dazu noch um des Glaubens willen. Das war in der Kirchengeschichte noch nie anders. Im postmodernen Westeuropa drohen wir diese Wirklichkeit aus den Augen zu verlieren. Sicherheit, Wohlstand, ja Luxus und Wellness, das ist es, was unseren Alltag als Menschen und auch als Christen prägt. Aber unser Leben ist sehr zerbrechlich. Wir nehmen das hier je länger je mehr durch terroristische Akte wieder wahr. In seinem Leiden und Tod solidarisiert sich Jesus mit den Leidenden dieser Welt. Ja mehr noch, er leidet mit, wenn wir leiden und erträgt auch unseren Schmerz. Jesus ist uns so in unserem Leiden nah und tröstet uns.

Als evangelische Christen sollten wir dies nicht aus dem Blick verlieren! Jesus ist uns auch darin Vorbild. Wir sollen uns solidarisieren mit den leidenden Glaubensgeschwistern, ja mit allen Leidenden. Ich lade Sie ein, den Karfreitag als Anlass zu nehmen für Menschen, die leiden zu beten. Sei es in Ihrer unmittelbaren Nachbarschaft oder weiter weg in einem fremden Land. Bitten Sie um Kraft und Trost, gerade auch für die Hinterbliebenen der Opfer und die Verletzten in Ägypten. Und lassen Sie uns in der Hoffnung von Ostern her beten. Der Tod ist nicht das Letzte. Christus ist auferstanden. Und nur deshalb gibt es Hoffnung für jeden Menschen. Ganz egal auf welcher Seite wir stehen, die Passionsbotschaft von Leiden und Auferstehung möchte jeden erreichen. Denn, «wir sind doch auch Menschen!»

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