Donnerstag, 2. April 2015

Freikirchen: Dauerbrenner der öffentlichen Diskussion? - Trialog-Interview (Heilsarmee)

Thomas Martin: Sie sind bei der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) zuständig für Gesellschaftsfragen und Kommunikation. Welche Themen beschäftigen Sie momentan?
Marc Jost: Religionsfreiheit und Meinungsäusserungsfreiheit sind Dauerbrenner und für uns wichtige Anliegen. Im vergangenen Jahr waren zudem die Freikirchen sehr oft ein Thema in der Schweizer Öffentlichkeit. Das ist erfreulich. Leider gab es oftmals den Vorwurf, Mitglieder von Freikirchen würden ihr gesellschaftliches Engagement instrumentalisieren und ihren Mitmenschen den Glauben aufdrängen.

Wie setzt sich die SEA für diese Themen ein?
Zum Thema der Glaubensfreiheit haben wir eine äusserst aktive und gut kooperierende Arbeitsgemeinschaft von christlichen Nicht-Regierungsorganisationen, die sich für dieses Menschenrecht international engagieren. In der Schweiz setzen wir uns mit breiter Information für dieses Anliegen ein.

Bezüglich den Vorwürfen gegenüber Freikirchen haben wir einerseits den Kontakt zu den kritischen Medien gesucht und auch Personen für Porträts vermittelt und andererseits mit konstruktiven und erklärenden Mitteilungen agiert. Wir planen öffentliche Anlässe dazu. Arbeiten Sie in der Kommunikation auch mit Karikaturen?
Ja, Karikaturen kann ich mir sehr gut als Kommunikationsmittel vorstellen. Sie eignen sich, Dinge auf den Punkt zu bringen. Selbst für religiöse Themen oder Glaubensfragen kommt das für mich in Frage. Eine Karikatur darf aus meiner Sicht jedoch, genauso wenig wie ein Text, die Meinung anderer Menschen lächerlich machen.

Wie erleben Sie das gesellschaftspolitische Engagement von Christen?
Christen sind immer stärker gesellschaftspolitisch aktiv. Sie engagieren sich in der Bildungspolitik und Lebensethik, kämpfen gegen Armut und Ungerechtigkeit wie Menschenhandel, aber auch zunehmend für Umweltschutz oder eben Religionsfreiheit – dabei insbesondere für verfolgte Christen.

Sie sind Grossrat im Kanton Bern. Motivation Ihrer politischen Tätigkeit?
Mir wurde dieses Denken und Handeln seit meiner Jugend in meiner Kirche vorgelebt (Evangelisches Gemeinschaftswerk). Durch meine pädagogische und theologische Ausbildung wurde ich weiter dafür sensibilisiert. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich jedoch im bürgerkrieg-geplagten Kolumbien 2002, wo ich Kidnapping, Korruption und Krieg in unmittelbarer Nähe mitbekam. Die Erfahrung von grosser sozialer Ungerechtigkeit in der Fremde hat mich „politisiert”. Deshalb ist die Bekämpfung extremer Armut eines meiner wichtigsten politischen Anliegen. Ich bin überzeugt, dass sich dadurch viele kriegerische Konflikte vermeiden liessen.


Sie haben vier Kinder. Wie bringen Sie Familie, Politik und Beruf unter einen Hut?
Im Moment bringe ich es nicht unter einen Hut und bin dabei, mich neu zu organisieren. Was uns als Familie jedoch sehr hilft, ist das Hochhalten mindestens eines freien Tages pro Woche.

Wo finden Sie den Ausgleich?
Bei meiner Arbeit. Im Ernst, meine Arbeit macht mir enorm Freude und erfüllt mich. Aber ich spiele auch regelmässig Volleyball. Zudem geniesse ich das Spielen, Sport treiben oder Musizieren mit den Kindern. Der Eheabend mit meiner Frau ist auch jede Woche ein besonderes Highlight.

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