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Religion schafft Krieg

„Religion hat doch immer nur zu Streit, Spaltung und Konflikten geführt; vielleicht ist sie der grösste Feind für den Frieden in der Welt. Wenn die Christen weiter behaupten, dass sie die Wahrheit haben, und andere Religionen ins gleiche Horn stossen, wird es in der Welt nie Frieden geben.“ Solche (aus dem Buch „Warum Gott? von Timothy Keller) oder ähnliche Behauptungen begegnen mir immer wieder. Letzte Woche vor einem Laden kam ich mit einem Mann muslimischen Glaubens ins Gespräch, und da stiessen wir zum besagten Punkt: Wer war Jesus? Wer war Mohammed? Für ihn war Jesus einer von vielen und Mohammed der grösste Prophet. Für mich war Jesus der Mensch gewordene Gott, der gestorben und auferstanden ist und Mohammed einer von vielen. Es war offensichtlich, mindestens einer von uns lag falsch. Ich empfahl ihm die Bibel zu lesen, und er machte mir den Propheten Allahs lieb. Dieses Beispiel zeigt, dass unterschiedliche Religionen nicht einfach zu Streit führen. Aber ist die Behauptung vom...

Ghadafi und wir

Täglich werden wir momentan über die Situation in Libyen ausführlich informiert. So dass wir wissen, was den Zwischenstand betreffend des Tyrannen Ghadafi und den Zustand des libyschen Volkes anbelangt. Auch unser Ältester hat dies mitbekommen und fragte mich jüngst: „Papa, ist der Ghadafi schlimmer als der König Herodes in der Bibel.“ Es war einmal mehr schwierig, auf diese Kinderfrage die passende Antwort zu geben. Ich sagte, dass beide Männer äusserst brutal und ungerecht gegen ihr eigenes Volk vorgegangen seien. „Hat der Ghadafi denn auch alle männlichen Babys seines Landes umbringen lassen?“, fragt mein Sohn weiter. „Nein, aber er ist für den Tod ganz vieler Menschen in den vergangenen Jahren und besonders jetzt verantwortlich.“ „Dann ist der Herodes noch brutaler gewesen!“, meinte er dann mit meiner Antwort nicht ganz zufrieden. Herodes ist leider nicht der einzige, der mit dem libyschen Despoten verglichen werden könnte. Sowohl die Bibel als auch die jüngere Zeitgeschichte – sei...

Geburtstag

Jeden Tag feiern Millionen von Menschen ein Jubiläum: Ihren Geburtstag. Sie feiern sich selber. Oder anders gesagt, sie freuen sich über das Geschenk des eigenen Lebens. Wie der Geburtstag gefeiert wird, das ist äusserst verschieden. Das merkt man bereits, wenn man zwei Familienkulturen vergleicht. So hatte die Geburtstagsfeier in der Familie meiner Frau und in meiner Stammfamilie einen ganz anderen Stellenwert. Entsprechend unterschiedlich werten wir die Geburtstage, allerdings gerade entgegen unseren Vorerfahrungen. In meiner Kindheit wurde viel gefeiert, geschenkt, bekocht und verwöhnt. Kurz: Das Jubiläum des einzelnen Lebens wurde intensiv zelebriert. Vielleicht weil es für mich so selbstverständlich war, lege ich heute weniger Wert darauf. Jedenfalls fällt es mir schwer, die Geburtstage von engen Verwandten und Freunden zu speichern und kleine Aufmerksamkeiten sind nicht meine Stärke. Ganz anders meine Frau, sie kennt die Geburtstage unzähliger Freunde und macht gerne kleine Gesch...

Öffentlich glauben

Im letzten SF-Club-Gespräch des vergangenen Jahres hat Christine Maier in die Runde gefragt: „Ist Glaube eigentlich Privatsache?“ Man war sich nicht einig. Während Freidenker eher sagten ja, Religion gehört ins Privatleben, meinten sowohl ein Rabbiner als auch Christen unterschiedlicher Konfessionen, dass der Glaube sehr wohl auch öffentlich sei. Der Unternehmer Rolf Hiltl hatte eigentlich recht, als er sagte: „Dieses Club-Gespräch zeigt ja, dass Glaube nicht Privatsache ist.“ Das Schweizer Fernsehen hatte durch das Thema „Woran glauben Sie?“ den Glauben von fünf Personen einmal mehr öffentlich gemacht; und das ist gut so! Zu oft glauben wir Mitteleuropäer, dass die eigene religiöse Überzeugung den Mitmenschen genauso wenig angeht wie die eigene Lohnabrechnung oder die Steuererklärung. Ich meine hingegen, der persönliche Glaube sollte nicht tabuisiert werden. In Thun veranstaltet die Evangelische Allianz der Region zum zweiten Mal „ProChrist-live“ mit Pfarrer Ulrich Parzany, ehemaliger...

Mache dich auf und werde Leak?

Wenn ich als Kind etwas Dummes angestellt hatte, machte es mir jeweils so lange innerlich zu schaffen, bis ich meinen Eltern davon erzählte und die unangenehme Sache ans Licht kam. Sie kennen das bestimmt. Es war befreiend, wenn es bekannt wurde und verziehen wurde. In den vergangenen Tagen brachte die Enthüllungsplattform Wikileaks auch einiges ans Licht, das dumm gelaufen war. Vor der Weltöffentlichkeit wurden vertrauliche und zugleich kritische Äusserungen amerikanischer Diplomaten über Politiker anderer Länder ans Licht gebracht. Dies wiederum hatte nicht denselben befreienden Effekt, den ich als Kind erlebt hatte. Wieso? Wie viel Transparenz an welchem Ort ist hilfreich und aufbauend? Zum zweiten Advent also eine Kolumne übers Licht. Aber diesmal in Verbindung mit Transparenz. Normalerweise gehen wir davon aus, dass Licht Klarheit bringt. Dinge werden ins rechte Licht gerückt. Täuschung wird beendet. Gibt es ein Zuviel an Licht und Transparenz? Offensichtlich schon. Wikileaks brin...

Rassistische Christen

Am Kongress der «Lausanner Bewegung» in Kapstadt hat mich ein Referat sehr nachdenklich gestimmt. Ein Mitglied der Kommission für Einheit und Versöhnung in Ruanda sprach über die jüngere Geschichte des Landes. Er berichtete davon, dass sich vor dem Genozid um 1994 90% der Bevölkerung als Christen bezeichneten. Diese Tatsache konnte nicht verhindern, dass Brüder und Schwestern sich bis aufs Blut bekämpften. Wieso? Die Kommission stiess bei der Versöhnungsarbeit auf vier Faktoren. Die Christen kannten die Bibel nur durch Auswendiglernen. Sie wendeten das Evangelium nicht im Alltag an und wurden nicht sozial-diakonisch tätig. Schliesslich gaben ausländische Missionare ein schlechtes Vorbild ab, indem sie nicht lebten, was sie predigten. Sofort dachte ich an meine Heimat, wo immer noch über 80% der Bevölkerung einer Kirche angehören (BE) und überlegte: Wie steht es um unseren Umgang mit der Bibel? Nicht nur im säkularen Umfeld, sondern bis tief in unsere Kirchen herrscht ein erschreckender...

Kirche wird zum Grab

In Zeitungen ist zu lesen: „Während der Sonntagabend-Messe haben Bewaffnete eine Kirche in der irakischen Hauptstadt gestürmt und rund 120 Geiseln genommen. Als eine Elitetruppe sie befreien will, zünden die Terroristen ihre Granaten und Sprengstoffgürtel. Mindestens 58 Geiseln und Sicherheitskräfte sterben.“ Eine tragische Meldung der letzten Tage unter vielen? Nicht für mich. Letzte Woche wurde ich von einer irakischen Familie eingeladen, die zu ebendieser Kirche – der assyrisch-katholischen - gehörte, bevor sie in der Schweiz Asyl bekam. Wer weiss, was mit ihnen wäre, wenn sie sich nicht für die Flucht in die Schweiz entschieden hätte. Diese Nachricht aus Bagdad wird plötzlich lebendig, unmittelbar und bewegend. Es ist nur eines von unzähligen Beispielen rund um die Welt, in welchen Menschen - nur weil sie Christen sind – umgebracht werden. Aus erster Hand erfahre ich, was es bedeutet in Bagdad heute als Christ zu leben: „Wir waren Aussenseiter in unserem Quartier. Alle anderen Fam...