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Im Jerusalem des Berner Oberlands

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Thun ist die Hauptstadt der evangelischen Freikirchler – und hier wird jetzt das Skandalmusical «Jesus Christ Superstar» gespielt. Ein Sakrileg? «Wer sich nicht lossagt von allem, wie will er Jesu Jünger sein?» Das ist der Beginn einer mehrminütigen Predigt, um die man nicht herumkommt, wenn man auf dem Telefonbeantworter von Thomas David Hermann in Bönigen eine Nachricht hinterlassen möchte. Hermann bezeichnet sich als «Jünger Jesu», und er ist in den letzten Wochen in der Oberländer Öffentlichkeit dezidiert in Erscheinung getreten. Er hat eine kleine Aktion gestartet gegen die am 11.Juli startende Aufführung des Musicals «Jesus Christ Superstar» auf der Thuner Seebühne, er hat Musicalplakate überklebt und mit eigenen Traktaten versehen. Kein anonymer Protest, sondern alles fein säuberlich unterzeichnet mit Name und Adresse. Als bis jetzt praktisch Einziger tut Hermann, was man viel heftiger erwarten würde. Das Berner Oberland gilt als Trutzburg bibeltreuer Evangelikaler, die sich ge...

Anonyme Christen heute

Im vergangenen Jahrhundert hat ein Theologe (Karl Rahner) den Begriff "anonyme Christen" geprägt, und zwar für Menschen, die in ihrem Leben nie mit dem christlichen Glauben und der Bibel in Berührung kamen, aber deren Lebenswandel potenziell der eines gläubigen Christen gewesen war. Ich fülle den Begriff "anonyme Christen" heute anders, weil mich ein Phänomen in der Christenheit beschäftigt. Immer wieder begegne ich Menschen, die sich aus der Gemeinschaft der Gläubigen verabschiedet haben oder dabei sind sich zurückzuziehen. Sie tun dies nicht, weil sie den Glauben an Gott und das Vertrauen in Jesus Christus verloren hätten. Es ist also keine Abkehr vom Glauben, sondern eine Abkehr von den Gläubigen. Wenn ich nach Gründen frage, werden oftmals zwischenmenschliche Probleme, zeitliche Überlastung und Beschneidung der persönlichen Freiheit erwähnt. Das stimmt nachdenklich! Lässt sich Christsein in der Anonymität leben? Weshalb fliehen Christen in die anonyme Einsamkeit...

Was ist ein Märtyrer?

Wenn man heute auf der Strasse fragt: Was ist ein Märtyrer? Dann wird man hauptsächlich zur Antwort erhalten: Das ist ein islamischer Selbstmordattentäter, der glaubt, im Auftrag Gottes sein Leben als Waffe gegen Menschen anderen Glaubens einsetzen zu müssen. Fragt man aber, was das Wort ursprünglich bedeutete, bekommt man ein ganz anderes Bild des Märtyrers. Lange bevor dem radikalen Islam solche Mörder entsprangen, sprach Jesus von Nazareth von einer ganz anderen Art des Martyriums. Er sagte zu seinen Freunden: „Ihr werdet meine Zeugen sein.“ Also: Ihr werdet mit eurem Leben davon zeugen, was ihr mit mir erlebt habt. Ihr werdet bezeugen, dass ich euer Leben erneuert habe, euch Sinn und Ziel gegeben habe: Den Sinn, das eigene Leben im Dienst für Gott und damit für die Mitmenschen einzusetzen und nicht gegen sie. Ein eindrückliches Beispiel, wie ein Freund Jesu das verstanden hat, ist das Zeugnis von Stephanus. Er ist einer der Männer, die in der ersten christlichen Gem...