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Gib mehr als du nimmst!

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Ein Berufskollege steht auf dem Friedhof und hält die Grabrede. Um ihn herum ist einzig der Sarg mit dem Toten und die Bestatter. Die Grabrede hält er zu sich selber. Es herrscht gähnende Leere. Eine sonderbare Situation, weshalb kam niemand zur Trauerfeier? In Gesprächen mit Angehörigen findet der Pfarrer heraus, dass der Tote ein Mensch war, der fast ausschliesslich auf seine eigenen Bedürfnisse bedacht war und der, je älter er wurde, umso verbitterter gewesen war. So wie er gelebt hatte, war er auch gestorben: alleine mit sich selber. Bei einer anderen Beerdigung platzte die Kapelle aus allen Nähten, und man trat ratlos an den Pfarrer heran, was man mit den vielen weiteren Trauergästen nun tun solle. Auch am Grab war schlicht zu wenig Platz für alle, die von dem Verstorbenen Abschied nehmen wollten. Was war hier anders? Rückblickend auf das Leben der Person konnte man feststellen: All die Menschen waren nicht erschienen, weil der Verstorbene viel von der Welt nehmen wollte, sondern ...

Ein alter Zopf?

In den letzten zehn Jahren wurde das Anliegen der Diakonie und der sozialen Verantwortung in der evangelikalen Kirchenlandschaft immer wieder zum Thema gemacht und gefördert. Und dies zu Recht! Nach wie vor leben zu viele Christen mit einer dualen Weltsicht: Wir sind die gesandten Evangelisten und machen Heiden zu Christen. Das ist unser wichtigster Dienst in dieser Welt. Die anderen, die säkularisierten und areligiösen Zeitgenossen können sich um die irdischen Dinge kümmern: um Sozialarbeit, Bildung und generell um das Gemeinwohl in öffentlichen Ämtern. Dass mit der Trennung und Priorisierung dieser beiden Aufträge je länger desto mehr Schluss gemacht wird, ist höchste Zeit. Dass jedoch erst in relativ junger Vergangenheit die Mission Jesu wieder ganzheitlicher gesehen wird, überrascht mich. Denn seit meinem Geburtsjahr ist mit der «Lausanner Verpflichtung» vor 36 Jahren auch für die weltweite «evangelische Gemeinde» festgehalten: «Missachtung der Menschenwürde, Ausbeutung und die wel...

Mein Tagebuch

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Seit etwa sieben Jahren führe ich ein Tagebuch. Genau genommen ist es kein Tagebuch, ich schreibe da nämlich nicht täglich hinein. Ich schreibe am Morgen dann und wann mal meine Gedanken hinein. Es kann vorkommen, dass dies einige Tage hintereinander geschieht. Es kam aber auch schon vor, dass ich einen Monat lang keinen Eintrag machte. Das Tagebuch ist für mich eigentlich ein Gebetsbuch. Es sind meine Gedanken an Gott, meine Gefühle, die ich vor Ihm in Worten ausdrücken will. Ich versuche Erfahrungen aufzuschreiben, die mich dankbar machen. Ich notiere Erlebnisse, wo ich Gottes Eingreifen erlebt habe. Und ich schreibe Sorgen, Fragen und Nöte auf, die mich umtreiben. Auf dem Buchdeckel habe ich geschrieben: «Wenn du Gott bist, bitte öffnen!» Ich denke, dass bisher niemand, mein Zwiegespräch mit Gott mitverfolgt oder gelesen hat. Weshalb schreibe ich denn alles auf? Im Grunde genommen ist es eine durch und durch selbstbezogene Sache, die mir selber gut tut. Beim Schreiben komme ich zur ...

Mutter aller Mütter

Auf den ersten Seiten der «Heiligen Schriften» des Alten Testaments begegnen wir der ersten Mutter der Menschheit: Eva, ihr Name bedeutet die Leben Spendende. Man könnte auch sagen, sie ist die Mutter aller Mütter. Von ihr können Mütter – aber nicht nur sie – viel lernen. Schon im ersten Schöpfungsbericht der Bibel kommt sie vor: «Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, er schuf Mann und Frau.» Frauen waren also von Beginn weg nicht zweite Wahl (!). Im Gegenteil, der Mensch entspricht laut der Bibel dann am meisten dem Bilde seines Schöpfers, wenn Mann und Frau zusammen sind und eine Einheit bilden. Nur dann kann die Frau auch zur Mutter werden. Im zweiten Schöpfungsbericht gleich anschliessend erfahren wir noch einige weitere Einzelheiten über Eva: Sie passt sehr gut zu ihrem Gegenüber (Adam): «Endlich jemand wie ich»! Sie gehört zu mir («Fleisch von meinem Fleisch»)! Sie ist eine Hilfe (wörtl. Rettung!), die ihrem Mann entspricht. Sie ist für den Mann der Grund, alles stehen und li...

Werde reich!

«Das ultimative Geschenk»: Dieser Film hat mir wieder einmal vor Augen geführt, dass sich Christen um mehr Reichtum bemühen sollten. Bevor Sie jetzt weiterblättern, sollten Sie erfahren, worum es in diesem Film geht. Ein Milliardär stirbt, und sein Erbe wird verteilt. Der Grosssohn denkt, leer auszugehen, wird dann aber überrascht. Nachdem alle übrigen bloss den Pflichtteil erhalten haben, soll er zuerst verschiedenste Aufgaben erfüllen, bevor er sein Erbe antreten darf. Der verwöhnte Snob, der noch nie arbeiten musste, lässt sich auf das Wagnis ein und wird total verändert. Er macht sich zum ersten Mal die Hände schmutzig, lernt, was es heisst, echte Freunde zu haben und wird durch die Not, der er begegnet, motiviert, in Zukunft alle seine Gaben und Geschenke für andere Menschen zu investieren. Schliesslich ist er bereit für das Zwei-Milliarden-Erbe. Er erhält das Vermögen seines Grossvaters und setzt es für eine bessere Welt ein. Es ist richtig: Geld ist Macht und hat das Potenzial z...

Kandidatur-Vorstellung in BZ

Die EVP schickt mit Marc Jost und Patrick Gsteiger gleich zwei Kandidaten ins Rennen. Beide möchten vorab die christlichen Werte in die Regierung tragen. Beide fänden es zudem wichtig, dass auch die politische Mitte vertreten wäre. Mit einem EVP-Regierungsrat, meint Marc Jost, könnte die Exekutive des Kantons Bern an Glaubwürdigkeit und Akzeptanz gewinnen. Denn wenn die Mitte in der Regierung abgebildet wäre, «würde das ewige Hickhack zwischen links und rechts aufhören», sagt der 36-Jährige, der sich «vom Typ her als Vermittler» bezeichnet. Jost preist sich auf seiner Homepage als Brückenbauer an. Er politisiere nach keinem Schema, bei ihm stünden Lösungen im Vordergrund, und das bedeute zuweilen halt auch, Kompromisse einzugehen. Jost sitzt seit vier Jahren für die EVP im Grossen Rat. Der dreifache Familienvater wohnt mit seiner Familie in Thun und arbeitet als Pfarrer im Evangelischen Gemeinschaftswerk. In der Politik will er sich für «finanziellen Handlungsspielraum» der Familien al...

Der umweltfreundliche Pfarrer aus Thun

Wenn der Thuner EVP-Grossrat Marc Jost spricht, braucht er dazu schon mal Sätze aus der Bibel für humorvolle Wortspiele. Dass er zurzeit in Thun mit einem Elektroauto herumfährt und auf diesem Werbung für sich macht, kommentiert er so: «Ich setze mich für die Umwelt ein, weil nach uns nicht die Sintflut kommt.» Der 36-jährige Pfarrer, der beim Evangelischen Gemeinschaftswerk arbeitet und am Theologischen Seminar St. Chrischona bei Basel studiert hat, sieht kein Problem darin, als Theologe Regierungsrat zu werden. Auch dann nicht, wenn er die Polizeidirektion übernehmen müsste. Ein hart durchgreifender Pfarrer, geht das? Marc Jost findet, Gesetze seien da, um eingehalten zu werden – oder, wenn es denn nötig sei, sie zu ändern. Seine politischen Schwerpunkte allerdings liegen nicht beim Thema Sicherheit, sondern eben etwa beim Thema Umwelt. Insbesondere sind ihm Fördermassnahmen für erneuerbare Energien wichtig. Der Vater dreier Kinder macht aber auch gerne Familienpolitik. Er möchte Elt...