Posts

Wenig Geld für die Dritte Welt

Bild
Der Regierungsrat will sich nicht beim Bund für eine Erhöhung der eidgenössischen Entwicklungshilfe einsetzen. Und er will auch die bescheidene kantonale Entwicklungshilfe nicht aufstocken. Laut einer Empfehlung der Uno sollen die Industrieländer zur Bekämpfung von Hunger und Armut 0,7 Prozent ihres nationalen Volkseinkommens in die Entwicklungshilfe investieren. Die Schweiz erfüllt die Forderung nicht. Ihr Beitrag an die Entwicklungshilfe lag in den letzten Jahren bei knapp 0,4 Prozent. Die Bundesversammlung hat darum Ende 2008 verlangt, der Bundesrat müsse eine Erhöhung auf 0,5 Prozent vorbereiten – was die Landesregierung nun aber vorerst nicht tun will (vgl. Seite 8). Marc Josts Vorschlag Wie auch immer: Auch 0,5 Prozent sind für den Thuner EVP-Grossrat Marc Jost deutlich zu wenig, und darum verlangte er mit einer Motion, der Kanton Bern solle mit einer Standesinitiative Druck machen, damit der Bund seine Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent erhöhe. Auch der Kanton Bern selber aber, s...

Wir Schweizer und das Nadelöhr

Bild
In der Bibel gehören jene Berichte zu meinen Favoriten, die einen kniffligen Schluss haben. Auch diese hier gehört dazu: Ein junger Mann begegnet Jesus und fragt ihn: "Was muss ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben erhalte?" Jesus weist ihn als erstes auf einige der Zehn Gebote hin: "Du sollst nicht morden, nicht die Ehe brechen, nicht stehlen, nichts Unwahres über deinen Mitmenschen sagen; ehre deinen Vater und deine Mutter, und liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!" Hier folgt die erste Überraschung: Der junge Mann sagt: "Ich habe alle diese Gebote befolgt. Was muss ich sonst noch tun?" Jesus erwidert: "»Wenn du in der Liebe zu deinen Mitmenschen vollkommen sein willst, dann geh, verkaufe alles, was du besitzt, und gib das Geld den Armen, so wirst du bei Gott einen unverlierbaren Besitz haben. Und dann komm und folge mir!" Jetzt ist die Überraschung weniger gross: Der Mann geht nämlich traurig weg, weil er ein grosses Vermögen hat. Diese...

Werte öffentlich diskutieren

Bild
Vier junge Politiker der Region stören sich an religiöser Werbung. Sie schätzen und achten zwar die Glaubensfreiheit und gestehen ein, dass Religion eine wichtige Basis für ethische Werte sein kann. Gleichzeitig finden sie aber, dass Werbung mit Bibelzitaten sowie eine Plakatkampagne mit Fragen zur Identität des Menschen – wie sie in den letzten Wochen aushingen – religiöse Gefühle verletzen, den Frieden gefährden und ihr sittliches Empfinden stören würden. Sie stellen zudem die Frage, wie weit die Vermarktung von Religion gehen dürfe. Als Verantwortlicher einer der beiden Kampagnen nehme ich zu diesen Fragen und Äusserungen gerne Stellung. Vorab ist es begrüssenswert, wenn sich junge Menschen mit Kampagnen auseinandersetzen, welche die Grundfragen des Menschseins angehen. Der Religionsfriede in unserem Land wird aber nicht dadurch gefährdet, dass Kernaussagen der Bibel wieder ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit kommen oder Fragen zum Menschsein gestellt werden. Im Gegen...

Ist er wahrhaftig auferstanden?

Warum es schwierig ist, nicht an die Auferstehung zu glauben. Ist die Auferstehung Jesu Christi ein Symbol, da sie allen menschlichen Erfahrungen widerspricht? Ist sie eine weiterverbreitete Legende oder Erfahrung einer Massensuggestion seiner Nachfolger? Oder ist die Auferstehung ein historischer Fakt, dem man sich stellen muss? Einige handfeste Argumente, die für die historische Tatsache sprechen. Ist Jesus gar nie gestorben? Das erste, was man gegen die Auferstehung Jesu vorbringen kann, ist die Behauptung, Jesus sei gar nicht gestorben. Diese Scheintod-Theorie wird etwa von Muslimen geteilt. Dagegen spricht verschiedenes. Zum einen war die Kreuzigung eine der brutalsten und sichersten Hinrichtungsarten im Römischen Reich. Medizinisch ist ein Überleben kaum haltbar. Sie war mit hohem Blutverlust und einem Schockzustand des Körpers verbunden. Zum andern war ein Römischer Hauptmann für die Hinrichtung zuständig. Er war sich diese Arbeit gewohnt und des Todes Jesu gewiss; wie übr...
Bild
Wahlen 2010: EVP will einen Sitz in der Regierung Ihre E-Mail wurde abgeschickt. Schliessen Die EVP des Kantons Bern rechnet sich bei den kantonalen Wahlen von 2010 Chancen auf einen Sitz im Regierungsrat aus. EVP-Grossrat Marc Jost (Bild: Andreas Blatter) Sie tritt höchstwahrscheinlich mit Grossrat und Pfarrer Marc Jost aus Thun und dem Ingenieur Patrick Gsteiger aus Moutier an. Die Delegiertenversammlung der EVP muss diesen Vorschlag der Geschäftsleitung am 25. April noch bestätigen, wie die Partei am Freitag mitteilte. Chancen auf einen Sitz sieht die EVP, weil bei den nächsten Wahlen die ausseramtlichen, vorgedruckten Wahlzettel nicht mehr erlaubt sind. «Erstmals gleiche Wahlchancen» Diese Zettel hätten den beiden grossen politischen Blöcken einen entscheidenden Vorteil verschafft. «Zum ersten Mal überhaupt haben Kandidierende der blockunabhängigen EVP die gleichen Wahlchancen», frohlockt die Partei. Die Kandidaturen der E...

Anonyme Christen heute

Im vergangenen Jahrhundert hat ein Theologe (Karl Rahner) den Begriff "anonyme Christen" geprägt, und zwar für Menschen, die in ihrem Leben nie mit dem christlichen Glauben und der Bibel in Berührung kamen, aber deren Lebenswandel potenziell der eines gläubigen Christen gewesen war. Ich fülle den Begriff "anonyme Christen" heute anders, weil mich ein Phänomen in der Christenheit beschäftigt. Immer wieder begegne ich Menschen, die sich aus der Gemeinschaft der Gläubigen verabschiedet haben oder dabei sind sich zurückzuziehen. Sie tun dies nicht, weil sie den Glauben an Gott und das Vertrauen in Jesus Christus verloren hätten. Es ist also keine Abkehr vom Glauben, sondern eine Abkehr von den Gläubigen. Wenn ich nach Gründen frage, werden oftmals zwischenmenschliche Probleme, zeitliche Überlastung und Beschneidung der persönlichen Freiheit erwähnt. Das stimmt nachdenklich! Lässt sich Christsein in der Anonymität leben? Weshalb fliehen Christen in die anonyme Einsamkeit...

Begnadete Leistung?

Kennen Sie Calvin? Nein, ich meine nicht die kleine schulmüde Comic-Figur. Ich denke an den Reformator, der Genf und noch viele andere Städte tiefgreifend verändert hat. Vor rund 500 Jahren ist er geboren, deshalb feiern wir neben dem Darwin- auch das Calvin-Jahr. Mich beschäftigt eine Frage besonders, wenn ich an Johannes Calvin denke: Welchen Stellenwert hatte für diesen grossen Theologen (und Juristen) die Arbeit? Wie ich gerade auf diese Frage komme? Einerseits hat Calvin ähnlich wie Luther und Zwingli messerscharf herausgearbeitet, wie der Mensch zum Heil gelangen kann: Nicht durch irgendwelche guten Werke, sondern durch bedingungslose Gnade. Andererseits hat Calvin eine Arbeitsethik vertreten, die zwar jeglichem Selbstzweck eine Absage erteilte, aber von den Menschen trotzdem alles abverlangte. Wie können zwei so unterschiedliche Ansätze von ein und demselben Menschen stammen? Erst vor kurzem hatte ich dazu ein Aha-Erlebnis. Der Grund könnte in Calvins Prädestinationslehre liegen...